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„1. Schritt – aber unzureichend”
25.03.2015

„1. Schritt – aber unzureichend”

Herkunftskennzeichnung Ab dem kommenden 1. April tritt die neue Kennzeichnungsverordnung der EU für Fleischprodukte in Kraft

Laut den aktuellen Zahlen der RollAMA stieg der Fleischkonsum 2014 in Österreich um 1,8 Prozent an.

Wien. Ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, aber völlig unzureichend – so fällt das Fazit der Tierschutzorganisation Vier Pfoten über die ab 1. April 2015 geltende EU-Kennzeichnungsverordnung für Fleisch aus. Wichtige Informationen, so Vier Pfoten, würden den Konsumenten nach wie vor vorenthalten, da die Herkunft von Fleisch in der Gastronomie, von mariniertem und verarbeitetem Fleisch sowie von offenem Fleisch an der Theke nicht deklariert werden muss.

Steigender Fleischkonsum

Gekennzeichnet werden muss künftig eigentlich nur die Herkunft von abgepacktem, frischem Schweine-, Geflügel-, Schaf- und Ziegenfleisch. Bei Rind- und Kalbfleisch müssen die Verbraucher bereits seit einigen Jahren über Geburtsort und Aufzucht informiert werden. Dabei ergibt sich die Notwendigkeit einer detaillierten Kennzeichnung bereits aus den international seit Jahren steigenden Fleischumsätzen. In Österreich stiegen die Umsätze im LEH im Jahr 2014 insgesamt um 1,8%. Spezialitäten wie Rind- und Kalbfleisch konnten mit plus sechs beziehungsweise plus 23% besonders punkten, ein Trend zu Premium-Spezialitäten zeichnet sich ab – das geht aus den jüngsten Zahlen der rollierenden Agrarmarktanalyse RollAMA hervor.Die Verordnung schaffe zwar mehr Transparenz. Dennoch greife sie viel zu kurz, erklärt Heli Dungler, Gründer und Präsident von Vier Pfoten. „Das von der Kennzeichnung betroffene Fleisch ist ja nur ein Teil des tatsächlich konsumierten Fleischs. Immer mehr Menschen essen außer Haus, der Trend zu Fertigprodukten hält an”, so Dungler.

Transparenz bei Haltung

In 2014 erlebte Convenience in der Warengruppe Fleisch ein starkes Plus bei Faschiertem sowie bei vorbereitetem Fleisch und Geflügel. „Unter diesen Gesichtspunkten”, so Dungler, „geht es völlig an den Bedürfnissen der Konsumenten vorbei, wenn in der Verordnung Gastronomie und verarbeitete Produkte ausgenommen werden.” Auch die Tatsache, dass offenes Fleisch an der Theke nicht betroffen ist, ist für ihn nicht akzeptabel. Schließlich greifen die Konsumenten laut RollAMA bei Wurst und Schinken immer mehr zu vorgeschnittener Ware in der Selbstbedienung. Laut Vier Pfoten sollten konsequenterweise außerdem die unterschiedlichen Haltungsformen gekennzeichnet werden. „Ein ethisch bewusster Verbraucher möchte wissen, wie das Tier gelebt hat”, kritisiert Dungler. (dp)

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