industrial technology
Additive Fertigung kann vor Fälschung schützen
britta biron 30.01.2015

Additive Fertigung kann vor Fälschung schützen

Mehr Schutz Verbundprojekt „Prävention gegen Produktpiraterie” will das Reverse-Engineering verhindern helfen

Komplexere Geometrien, spezielle Materialzusammensetzungen und integrierte Kennzeichnung.

Düsseldorf. Einerseits birgt die zunehmende Vernetzung, das Internet der Dinge oder die Smart Factory zahlreiche Vorteile (Details dazu in der technology-Coverstory auf Seite 48), aber gleichzeitig eröffnet sich dadurch auch ein zusätzliches Gefahrenpotenzial.

So erleichtert die wachsende Digitalisierung etwa den Produktpiraten ihre „Arbeit” deutlich. Denn je enger die Funktion von Maschinen und Anlagen von der Software bestimmt wird, und je mehr Produktionsdaten digital ausgetauscht werden, desto größer wird die mögliche Angriffsfläche durch Produktpiraten. Und die illegale Beschaffung von Konstruktionsplänen läuft, auch weil die bisherigen IT-Sicherheitssysteme in vielen Unternehmen den geänderten Bedingungen noch nicht angepasst wurden (etwa unzureichend gesicherte Fernwartungszugänge), relativ einfach ebenfalls über das Internet.

Hürde für Nachbau

Einer Studie des VDMA aus dem Vorjahr zufolge entstand allein dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau zuletzt ein geschätzter Schaden von 7,9 Mrd. Euro (das entspricht rund 38.000 Vollzeitarbeitsplätzen) bei einem Branchengesamtumsatz von 205,8 Mrd. Euro. Der Anteil der betroffenen Unternehmen ist von 67% im Jahr 2012 auf 71% im Jahr 2014 gestiegen. Am häufigsten (70%) wenden Plagiatoren dabei das sogenannte Reverse Engineering an, also die detaillierte Nachkonstruktion von Bauteilen oder ganzen Maschinen. Diesen Ansatz will ein Forschungsprojekt im Rahmen des Technologie-Netzwerks „it’s owl” des Deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung den Fälschern jetzt verbauen. Im Zentrum steht dabei die additive Fertigung, eine der Schlüsseltechnologien im Zusammenhang mit Industrie 4.0.

Komplexe Geometrien

Während durch diese Verfahren Unternehmen ihre Produktentwicklungsprozesse verkürzen und damit die Markteinführung neuer Produkte und ihre Wettbewerbs-fähigkeit steigern können, bietet es gleichzeitig auch ein Reihe neuer Möglichkeiten, um den Aufwand für die Fälscher deutlich zu erhöhen und somit à la longue vielleicht sogar unrentabel zu machen.Wie dies funktionieren könnte, zeigt das Beispiel einer Dispergatorpumpe, deren Förderrad nach den Prinzipien der additiven Fertigung komplett neu konzipiert wurde.

Integrierter Schutzcode

Die neue Geometrie sorgt einerseits für eine höhere Effizienz des Geräts, ist andererseits aber auch so komplex, dass sie mit keinem anderen Verfahren kopiert werden kann. Das bedeutet, dass es für potenzielle Fälscher nicht mehr ausreicht, nur die exakten geometrischen Daten des Bauteils in Erfahrung zu bringen, was etwa mithilfe eines 3D-Scanners möglich wäre; zudem müsste er für die Anfertigung einer Kopie auch sämtliche Parameter des verwendeten Materials kennen, was den Aufwand jedoch etwa um den Faktor 40 vergrößert. Als weiterer Kopierschutz und zusätzliche Hürde dient dann noch eine individuelle Kennzeichnung des Bauteils mittels QR-Code, der schon während des Herstellungsprozesses eingebaut wird. Ob dieser sichtbar oder versteckt angebracht wird, hat dabei keinen Einfluss auf seine Wirksamkeit, denn die reinen Daten reichen anders etwa als bei einem holografischen Etikett hier nicht für die Anfertigung einer exakte Kopie.

www.its-owl.de

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