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Autopilot-Systeme werden zum Milliarden-Markt
Moritz KOlar 16.01.2015

Autopilot-Systeme werden zum Milliarden-Markt

Studie Die Boston Consulting Group hat die Marktpotenziale autonomer Fahrfunktionen unter die Lupe genommen

Bereits 2025 soll das Marktvolumen bei 35,5 Mrd. Euro liegen, bis 2035 soll es auf 65,2 Mrd. Euro steigen.

Düsseldorf. Die Vision vom autonomen Fahren rückt in greifbare Nähe. Bereits für 2017 sind teilweise autonome Fahrzeuge mit Autobahn- und Stau-Autopiloten geplant. Stadt-Autopiloten sollen ab 2022 auf den Markt kommen, vollständig autonome Fahrtechnologien ab 2025 verfügbar sein. Dies sind einige der wichtigsten Ergebnisse der neuen Studie „Back to the Future: The Road to Autonomous Driving” der Boston Consulting Group (BCG). Dafür hat BCG 1.500 Verbraucher in den USA zu ihrem Fahrverhalten und ihren Wünschen bezüglich autonom fahrender Autos befragt. Zudem wurden mehr als 100 Industrieexperten in die Studie involviert.

Wachstumsperspektiven

„Autonome Fahrtechnologie hat ein enormes Innovations- und Marktpotenzial für die Automobilhersteller sowie deren Zulieferer. Wir erwarten 2035 eine Penetration von 25 Prozent, was massive Implikationen auf Autos, Verkehr und Infrastruktur haben wird”, sagt Nikolaus S. Lang, Senior Partner und Experte für Automotive Technology bei BCG in Deutschland und Österreich. Jeder zweite Teilnehmer an der BCG-Studie gab an, er sei an Autopilot-Funktionen stark interessiert und wolle wahrscheinlich in den kommenden fünf bis zehn Jahren ein Auto kaufen, das teilweise oder vollständig autonom fahren kann. Ein Fünftel der Konsumenten wären außerdem bereit, einen Aufpreis bis zu 5.000 USD (rund 4.200 €) für Autopilot-Funktionen zu bezahlen.

Innovationsschub geplant

Die breite Einführung der Autopilot-Technologie verspricht große wirtschaftliche Vorteile und wird – das zeigen die BCG-Analysen – zu einem Innovationsschub in der gesamten Automobil- und Zulieferbranche führen. Die anfänglichen Kosten für sensorbasierte autonome Fahrfunktionen werden bei den Autoherstellern – je nach Umfang der Fahrautonomie – mit etwa 1.500 bis 7.000 USD pro Fahrzeug (1.270 bis 5.930 €) zu Buche schlagen. In den ersten zehn Jahren nach Markteinführung werden diese Kosten aber laut Einschätzung der Boston Consulting Group deutlich um vier bis zehn Prozent pro Jahr zurückgehen. Bis 2025 erwarten die Autoren der Studie ein Marktvolumen von etwa 42 Mrd. USD (35,5 Mrd. €) für Autopilot-Funktionen; im Jahr 2035 sollen es 77 Mrd. USD (65,2 Mrd. €) sein.

Automobilbauer profitieren

Davon werden der Studie zufolge sowohl Automobilbauer als auch Zulieferer profitieren. „Fahrzeuge werden sich zukünftig stark durch intelligente Software unterscheiden und können individuell auf den Konsumenten zugeschnitten werden”, erläutert Nikolaus Lang. „Autohersteller, die heute in innovative Fahrerassistenzsysteme, autonome Fahrtechnologie und intelligente Vernetzung von Fahrzeugen investieren, werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren einen entscheidenden Wettbewerbsvorsprung haben.”

Kfz-Bestand wird reduziert

Darüber hinaus wird das autonome Fahren den Trend zum sogenannten Car- und Ridesharing beschleunigen und dadurch die Zahl der Fahrzeuge weltweit insbesondere in den Städten deutlich reduzieren. Simulationen in New York City und Shanghai zeigen, dass öffentliche Transportmittel wie Busse, U-Bahnen und Taxis künftig Konkurrenz durch selbstfahrende „Robo-Taxis” erhalten werden; diese Fahrzeuge können Personen bis zu 35% günstiger befördern als herkömmliche Taxis.

Vertrauen aufbauen

Die Studie prognostiziert außerdem, dass autonome Fahrzeuge bis zum Jahr 2035 großflächig im Straßenverkehr zum Einsatz kommen. In klar definierten Verkehrsbereichen von Großstädten könnten selbstständig fahrende Taxis bereits in den 2020er-Jahren Anwendung finden. „Die Technik für autonom fahrende Fahrzeuge ist schon heute weit ausgereift und einsatzfähig. Allerdings brauchen wir klare politische Rahmenbedingungen und weitere deutliche Kostensenkungen. Zudem müssen wir das allgemeine Vertrauen der Menschen in die autonome Fahrtechnologie stärken, um eine schnellere und breite Markteinführung zu erreichen”, erklärt Thomas Dauner, Senior Partner und Leiter der globalen Automotive Practice bei BCG.

Versicherer springt auf

Erste Hersteller beginnen sich bereits auf dieses Zukunftssze-nario einzustellen, wie ein Blick auf die Elektronikmesse CES zeigt. Und auch die Allianz ließ zuletzt mit einem Vorstoß in diese Richtung aufhorchen; demnach will der Versicherer schon bald einen Versicherungsschutz für selbstfahrende Autos anbieten. Das sagte Allianz-Manager Alexander Vollert dem Focus. „Für uns wird sich dabei allerdings die Risikoeinschätzung ändern. Das Risiko verlagert sich vom menschlichen Fehler seitens des Fahrers zum Entwickler”, so Vollert. www.bcg.at

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