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Bedienungsanleitung für die digitale Welt
27.01.2015

Bedienungsanleitung für die digitale Welt

Gastkommentar 40.000 Jahre Medienkompetenz

Die Sache mit dem Internet-Dings SOS! Die Welt wird immer digitaler,und wir warten immer noch auf die digitale Agenda. Doch warten allein hilft nicht: Stellen wir uns also der Realität – auch ohne Agenda. Das ist einfacher, als wir denken …

„#Neuland”: Ja, unsere Bundeskanzlerin Merkel hat sich in ihren letzten Videobotschaften wieder einmal mit der digitalen Welt, von ihr gern #Neuland genannt, befasst. Sie fordert einen intensiveren Einsatz digitaler Medien in den Schulen und ist überzeugt, dass wir ein umfassendes E-Learning-Angebot benötigen, damit unsere Kinder am Ende nicht dumm dastehen. Und natürlich müssen wir uns alle unbedingt unser Leben lang weiterbilden. Wir müssen endlich etwas tun: Eine digitale Agenda muss her! Denn dieses Internet-Dings ist ja für viele doch noch #Neuland.

Hardware in der Hosentasche, Software im Kopf

Die Realität schert sich derweil wenig um eine digitale Agenda. Große Worte schaffen vielerorts eher eines: Verunsicherung. Jüngst erst geriet eine Schülerin in die Mühlen zwischen Politik und medialen Expertenmeinungen. Was hatte sie getan? In einem Tweet geschrieben, was seit Jahren in jedem Lehrplan steht: Die Schule soll auf das Leben vorbereiten. Wie ungeheuerlich! Kaum gepostet, bekam das Mädchen auch schon von ziemlich jedem tüchtig einen auf den Deckel. Zu Recht?! Nein, wir brauchen keine neue Agenda und keine neuen Lehrpläne, die uns aufs Leben (im #Neuland) vorbereiten – definitiv nicht. Bevor die Tinte der Agenden und Lehrpläne getrocknet ist, bietet das #Neuland schon wieder ganz andere Herausforderungen und Gefahren. Hätten wir die letzten 40.000 Jahre auf Agenden und Lehrpläne gewartet, hätte die Evolution die Spezies Mensch nach dem Prinzip „Survival of the fittest” längst auslaufen lassen. Und nun? Ganz so ausweglos ist unsere Situation nicht; schließlich sind viele Fähigkeiten, über die wir Menschen schon seit jeher verfügen, auch in der digitalen Welt ganz nützlich.Tatsächlich haben wir (auch an den Schulen) schon viel von dem, was wir für den Weg in die digitale Welt brauchen. Genau genommen hat jeder die nötige Hardware längst in seiner Hosentasche und die Software im Kopf. Und vieles von dem, was in der analogen Welt zählt, können wir auch im #Neuland bestens gebrauchen. Statt zu agitieren, können wir also auch einfach mal anfangen, unsere ureigenen Fähigkeiten zu nutzen. Wenn wir uns darauf besinnen, verliert das #Neuland seinen Schrecken – ganz von selbst und ohne Agenden.

Lesetipp: Thomas Schmidt: #Neuland – 40.000 Jahre Medienkompetenz. Business-Village, Jänner 2015

Thomas Schmidt, Medien- und Bildungs­experte, Geschäftsführer Helliwood media & education; www.helliwood.deDie abgedruckten Gastkommentare geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Wir behalten uns das Recht auf Kürzung vor.

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