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Chinesen lassen heimische Kassen klingeln
20.02.2015

Chinesen lassen heimische Kassen klingeln

Tourismus Russlands Kaufkraft sinkt, China holt auf und löst die Einkaufsnation Nummer eins ab

Wien. Im vergangenen Jahr gaben Touristen aus nicht EU-Ländern beim Shoppen in Österreich weit weniger aus als in den Jahren davor. Die Tax-Free-Umsätze sanken laut des Mehrwertsteuer-Rückerstatters Global Blue um knapp 9%. Verantwortlich dafür waren die stark gesunkenen Ausgaben bei Reisenden aus Russland (–20,4%), der Ukraine (–17,1%) und Japan (–19%).

Hamster-Tourismus

Die Ukraine-Krise und die Wirtschaftssanktionen zwischen der EU und Russland haben den Wert des Rubels geschwächt und damit auch die Kaufkraft der russischen Gäste. Im Jahr 2014 gaben sie noch pro Einkauf 430 € aus. Starke Zuwächse hingegen kamen aus den USA (+8%), der arabischen Halbinsel (+12%) und der Schweiz (+5%). Gerd Gfrerer, Chef von Global Blue Austria, rechnet mit der Freigabe des Euro-Franken-Wechselkurses österreichweit mit 20% mehr Ausgaben von Schweizern. „Über Nacht ist für die Schweizer alles um 15 bis 20 Prozent billiger geworden”, so Gfrerer. „Die Einkäufe gingen schlagartig nach oben.” Deutlich stärkere Zuwächse sind vor allem in grenznahen Gebieten in Vorarlberg zu verzeichnen – vor allem bei Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs tätigen die Schweizer „richtige Hamsterkäufe”, berichtet Gerd Gfrerer. Bei russischen Touristen erwarte man weitere Rückläufe, durch den schwachen Rubel sei der Urlaub in Euroländern zu teuer geworden. Doch Gfrerer nennt es „Jammern auf hohem Niveau”, in den vergangenen 10 Jahren hätten sich die Shopping-Ausgaben von Russen beinahe verfünffacht.

China löst Russland ab

Große Erwartunge hege man allerdings mit Reisenden aus China: Mit einem Anteil von 24,1% gehören sie nach russischen Touristen zu den kaufkräftigsten Gäs-ten. „China wird im nächsten Jahr Russland als Nummer eins in Österreich ablösen”, prophezeit Gfrere; 2014 lag der Durchschnittsbetrag bei 560 €. Die beliebtesten Reisemitbringsel seien vor allem „Uhren und Schmuck”, Russen hingegen bevorzugen Kleidungsartikel. Im internationalen Vergleich sind die Chinesen die spendabelsten Shoppingtouristen und liegen noch vor Russland und US-Amerikanern. Trotz der Abschaffung der Euro-Mindestkurse in Jänner sind die Schweizer im Ranking auf Platz 3 gerutscht, mit einem Anteil von 6%. Pro Einkauf geben die Schweizer etwa 200 € aus, da keine Luxusgüter erworben werden, sondern vor allem Lebensmittel. Dreh- und Angelpunkt des Shopping Tourismus in Österreich ist Wien, 62% des Gesamtumsatzes werden in der Landeshauptstadt lukriert. Anziehungspunkt ist hauptsächlich die Innenstadt mit der Kärntnerstraße und dem Graben.(APA)

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