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Convenience ist modern, Insekten werden Nahrung
daniela prugger 23.01.2015

Convenience ist modern, Insekten werden Nahrung

Nahrungsmittel Fertiggerichte erobern Supermärkte, doch manche zählen zu den ungesündesten Nahrungsmitteln

Beim Essen tut sich einiges: Lebensmitteltechnologie, Food-Design und immer wieder Convenience.

Wien. Was haben Fertigprodukte, Süßigkeiten und Weißmehl-Produkte gemeinsam? Alle drei gehören laut dem deutschen Zentrum für Gesundheit zu den neun ungesündesten Lebensmitteln: Frei von Vitaminen, dafür aber mit einem hohen Fett- und Zuckeranteil, sind diese Nahrungsmittel damit nicht unwesentliche Kalorienlieferanten. Besonders in sich haben es aber Fertigprodukte. Gemeint damit ist die Vielzahl von Zusatz- und Inhaltsstoffen, die das Gericht – wenn es frisch zubereitet werden würde – an sich nicht benötigen würde. Doch Haltbarkeit und Aussehen zählen in Konsumentenaugen genauso.

Fertig machen

Die Palette an Fertiggerichten wächst dabei ständig. Von der Suppe zum Anrühren aus der Tüte, den Dosenravioli und dem Kartoffelpüree in Pulverform, bis hin zur Tiefkühlpizza oder der Komplettmahlzeit aus der Plastikschale – das Industrieessen verspricht vor allem eines: wenig Aufwand, schnelle Zubereitung. Doch um den Geschmack der Nahrungsmittel konstant auf Niveau halten zu können, verwenden viele Hersteller chemische Zusatz- und Aromastoffe – die neuen Berufs- und Forschungsfelder Food-Design und Lebensmitteltechnologie machens möglich. Die Vermutung, dass der Kauf von Convenience-Produkten mit einer gewissen Verantwortungs- und Selbstbestimmungsabgabe Hand in Hand geht, liegt nahe. Rechtfertigen lässt sich Nahrungsmitteltechnologie aber mit einer sehr wahrscheinlichen, zukünftigen Lebensmittelknappheit bei einer zeitgleich zunehmenden Weltbevölkerung. Diese zukünftige Herausforderung bereitet auch der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) große Sorgen. Laut ihr sind vor allem Insekten eine umweltfreundliche Ergänzung zu den herkömmlichen Lebensmitteln.

Ausgezeichneter Riegel

Käfer und Würmer sind in manchen Ländern der Welt nie aus dem Speiseplan der Menschen verschwunden, in den restlichen Regionen sind sie genau wie alles andere auch im Internet bestellbar. Doch die niederländische Supermarktkette Jumbo geht noch einen Schritt weiter: Sie bietet Fleischlaibchen, Hamburger und Chips an, die aus Mehlkäfern, Heuschrecken und Larven hergestellt werden. „Essbare Insekten sind nicht nur gesund; sie sind auch nachhaltig und helfen, versiegende Lebensmittelressourcen zu schonen”, sagte Jumbo-Sprecherin Laura Valks. Zwei Milliarden Menschen essen laut FAO Insekten, und zwar weil sie „köstlich und nahrhaft” sind. Auch der Wädenswiler Student Meinrad Koch beschäftigt sich mit dem Thema Insekten: Er hat einen Proteinriegel aus Mehlwürmern entwickelt. Da der Konsum von Insekten aber in der westlichen Welt noch kaum verbreitet ist, bemühte sich Koch vor allem um eine Sache: Er entwickelte einen knusprigen, süßen, proteinreichen Riegel, bei dem die Tiere aber nicht mehr als solche erkennbar sind.

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