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Der 1. April kommt bestimmt: Das Ende der Milchquote naht
Jutta Maucher 24.02.2015

Der 1. April kommt bestimmt: Das Ende der Milchquote naht

Milchquote Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter zeigt Maßnahmen vor, die die befürchtete Milchschwemme abwenden werden

Österreichs große Molkereien sind bestens vorbereitet auf die neue Marktsituation und stellen sich dem Wettbewerb.

Wien/Baden/Salzburg/Wels. Der 1. April und damit das Ende der Milchquoten rückt mit raschen Schritten näher. Daher verkündete Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter kürzlich entsprechende Begleitmaßnahmen, die die heimischen Milchbauern nach der Liberalisierung des Milchmarkts unterstützen sollen.

„Mit dem neuen Programm der Ländlichen Entwicklung haben wir einen Rahmen, den wir auch nützen können, um den Milchsektor entsprechend zu stärken und für die neue Wettbewerbssituation vorzubereiten”, so der Minister.Dazu zählt etwa, dass die Branche besonders bei den Transportkosten gestärkt werden soll. Darüber hinaus sollen die Mittel für die Modernisierung der bäuerlichen Betriebe um mehr als 25% auf 102 Mio. € jährlich aufgestockt worden. Außerdem will das Landwirtschaftsministerium rund 84 Mio. € für Verarbeitung und Vermarktung zur Verfügung stellen. „Die Mittel sind für gezielte strategische Investitionen bei kleineren Verarbeitern und Vermarktern, ähnlich dem Prinzip einer Sektorplanunterstützung, vorgesehen”, so Rupprechter. Auch für die größeren Unternehmen der Milchindustrie gibt es Unterstützung bei Investitionen. Hierbei will das Ministerium auf Förderungsinstrumente der Europäischen Investitionsbank zurückgreifen. Schließlich geht es Rupprechter ganz klar um den Export: „Wir wollen die Marktöffnung gezielt mit einem Schwerpunkt für Milch und Milchprodukte in einer Exportoffensive unterstützen”, betonte der Minister, der Ende März China besuchen wird und einen entsprechenden Marktauftritt mit österreichischen Unternehmen in Peking vorbereitet. Aktuell steige zudem die Nachfrage am deutschen Markt nach heimischem Käse, weil Österreich in der Lage ist, die Schweizer Standards zu erfüllen. „Das ist eine große Chance, die wir entsprechend nützen wollen”, sagt Rupprechter.

Weltmarktpreis steigt

Optimismus zeigte der Minister auch hinsichtlich der Entwicklung des Milchpreises am freien Markt. „Internationale Prognosen von FAO, OECD oder Foreign Agriculture Service des US-Landwirtschaftsministeriums zeigen eine klare Tendenz der Weltmilchpreise nach oben”, erklärte Rupprechter. Die Nachfrage steige vor allem im asiatischen Raum, wie etwa in China, wo mit zunehmender Mittelschicht vermehrt auf tierisches Eiweiß zurückgegriffen werde. „Wir werden nicht die Milchschwemme haben, es wird zu einer steigenden weltweiten Nachfrage nach Milch aus Europa kommen”, ist der Ressortchef überzeugt.

Vier Jahre Vorbereitung

Österreich ist jedenfalls vorbereitet, wie auch die Kommunikationschefin der AMA-Marketing, Manuela Schürr, erklärt: „Die Milchbranche hat über viele Jahre das Auslaufen der Quote im Blick gehabt und auf Unternehmensebene Vorbereitungen betroffen – mit einer kontinuierlichen Ausrichtung auf Qualität, für die Österreichs Bauern und Molkereien stehen. Die Nachvollziehbarkeit der Herkunft, die konsequente Kontrolle und die innere Qualität der rot-weiß-roten Milch und Milchprodukte werden von den Konsumenten schon heute honoriert. Mit mehr Wettbewerb nach Quotenende wird die Differenzierung noch stärker werden.” Und weiter: „Wir unterstützen diesen Kurs mit unseren Qualitätsprogrammen AMA-Gütesiegel und AMA-Biosiegel seit zwei Jahrzehnten und kommunizieren den Mehrwert dieser Auszeichnungen.”

Mehr Volatilitäten erwartet

Und die Hersteller? Die sehen dem gelassen entgegen, wie etwa Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer: „Ich denke, es ist der letzte Schritt in Richtung völlige freie Marktwirtschaft auch aufseiten der Milchbauern. Die Gesetze von Angebot und Nachfrage werden so wie überall auch hier den Markt regeln und die Preise bestimmen.” Und im Detail meint er: „Die Auswirkungen auf die Berglandmilch werden gleich wie jene auf die übrigen Molkereien sein. Ich meine, wir werden mit mehr Volatilitäten sowohl mengen- als auch preisseitig rechnen und leben lernen müssen.” Nicht zuletzt deswegen hat das Unternehmen seine Produktionskapazitäten den zu erwartenden Rohmilchmengen angepasst. Und: „Wir haben versucht, neue Exportmärkte mit Produkten, die nicht in die Kategorie Massenstandard gehören, zu erschließen.” In diesem Sinn werden Kapazitätserweiterungen in den Bereichen Käse und Trinkmilch fortgesetzt. Außerdem sind natürlich ständige Qualitätsverbesserungen ein Thema.

Von Baden in die Welt

Alfred Berger, Geschäftsfüher der NÖM, sieht die Sache in einem volkswirtschaftlichen Zusammenhang: „Die für mich größte Veränderung wird die Strukturveränderung sein. Haben bei der NÖM auch 2014 wiederum vier Prozent Landwirte aufgehört – bei gestiegener gesamter Anlieferung –, so wird sich dieser Trend noch mehr verschärfen.” Das würde letztlich auch Arbeitsplätze kosten, so der NÖM-Chef. Und weiter: „Eines ist auch klar: Kein Konsument in Europa isst ein Joghurt mehr oder trinkt einen Schluck Milch mehr, nur weil die Quote ausläuft und daher die gesamteuropäische Anlieferung um einige Milliarden Kilo steigt.” Auch für ihn ist die wesentliche Lösung der Export mit gleichzeitigem Fokus auf den Heimmarkt: „Die Milch muss in großen Mengen Europa verlassen, die größten Molkereien der Welt und in Europa haben alle schon gut ausgebaute Distributionskanäle in diesen Märk-ten. Wir müssen daher im Kleinen unsere Heimmärkte weiter absichern und stimulieren, und auch gewisse Volumina aus Europa dorthin bringen, wo es noch Nachfrage gibt”, sagt Berger. Und weiter: „Und natürlich versuchen wir auch im bescheidenen Ausmaß, den einen oder anderen Liter Milch in Asien und Afrika unterzubringen.”Berger erwartet eine Mehrmenge an Rohmilch von etwa zwei bis vier Prozent in den Folgejahren, der Wettbewerb in Europa, speziell bei großvolumigen Artikeln, wird sich daher verschärfen. Aber: „Österreich ist durch Gentechnikfreiheit und die kleinen Strukturen im europäischen Vergleich nicht im Fokus und wird daher nur in gewissen Bereichen Veränderungen erfahren”, meint der NÖM-Chef. Daher und wegen der Trends in Sachen Ernährung erweitert die NÖM am Standort Baden die Produktion von Topfen und Frischkäse. Damit steht der heimische Markt im Fokus, ebenso wie bei den Innovationen und Kampagnen. In diesem Sinn sind Innovationen bei haltbaren Produkten geplant. und die aktuelle Kampagne der Fasten-Line mit der Message „Ich liebe mich”.

100 Mio. € für Veredelung

Gut vorbereitet geht auch die Salzburg Milch in das kommende Frühjahr, wie deren Geschäftsführer Christian Leeb erklärt: „Das Ende der Milchquote kommt nicht überraschend, und es war ausreichend Zeit, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen und die nötigen Maßnahmen zu ergreifen.” Daher wurden bereits vor mehr als drei Jahren eine detaillierte Umfrage unter den etwa 3.000 Bauern durchgeführt, um deren Pläne nach dem Quotenende greifbar machen zu können. „Neben vielen anderen Ergebnissen konnte aus dieser Umfrage eine Steigerung der Milchanliefermenge um zehn bis 15 Prozent in den kommenden Jahren abgeleitet werden, wobei in den vergangenen zwei Jahren, nicht zuletzt aufgrund des hohen Niveaus des Milchauszahlungspreises, ein deutliches Mengenplus festzustellen war”, sagt Leeb. Nicht zuletzt ist die umfassende Investition – rund 100 Mio. € in den letzten zehn Jahren – in die neue Käserei in Lamprechtshausen eine Konsequenz der zu erwartenden Mehrmilchmengen Deren Kapazität ist nicht für die Veredelung der bestehenden Milchmengen, sondern auch für die der Mehrmengen ausgelegt worden. „Unser neues Käsewerk ists seit Monaten in Vollbetrieb und konnte bereits durch den Gewinn des Käsekaisers für den Salzburg Milch Almkönig die hohe Qualität der Produktion unter Beweis stellen”, so Leeb. Das Marken-Käsesortiments soll 2015 weiter ausgebaut werden. Zudem seien bereits neue Projekte in der Pipeline, die das Sortiment weiter wachsen lassen werden, ist der Salzburg Milch-Chef überzeugt. Außerdem wird sich das Unternehmen am heimischen Markt verstärkt in der weißen und bunten Palette engagieren, die kürzlich durch die SalzburgMilch Puddings im 1-kg-Eimer bereichert wurde.

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