financenet
Der Arbeitgeber wandelt sich zum Pensionsgeber
linda kappel 06.03.2015

Der Arbeitgeber wandelt sich zum Pensionsgeber

Betriebliche Altersvorsorge Im Land der KMUs gibt es hier für Finanzdienstleister noch genug zu beackern

Finanzberater und Makler können sich auf diesem Gebiet profilieren und als Impulsgeber fungieren.

Wien. Die Durchdringung mit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) in Österreich ist mit rund 25% im internationalen Vergleich immer noch im unteren Bereich gelegen (bei Berücksichtigung aller Durchführungswege). „Der Trend in Europa geht hin zu einem ausgewogenen Mix zwischen staatlicher, betrieblicher und privater Absicherung”, erklärt Wolfgang Weisz, Abteilungsleiter bei der Allianz Österreich für die betriebliche Altersvorsorge. „Der Arbeitgeber entwickelt sich immer mehr zum Pensionsgeber. In Österreich allerdings hat er diese Rolle noch vergleichsweise selten.”

Immer noch: „Cash ist fesch”

Unabhängige Finanzdienstleis-ter könnten sich in diesem Feld erstens profilieren und zweitens könnten sie auch als wichtiger Impulsgeber fungieren. Zu tun gebe es genug, denn Österreich ist bekanntermaßen das Land der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und gerade bei diesen lautet das gelebte Prinzip immer noch „Cash ist fesch”. Bei den Großunternehmen mit 1.000 Mitarbeitern und mehr dagegen ist der Markt bereits weitgehend gesättigt. „Die betriebliche Altersvorsorge funktioniert überall dort, wo es Mitarbeiter gibt”, so Weisz weiter, „selbst bei Personen mit einem Jahresbezug unter 11.000 Euro.” Das Pensionskonto habe zweifellos auch bei den Kleinunternehmern zum Nachdenken angeregt, meint Weisz, sodass Finanzdienstleister nun wirklich punkten könnten. Selbst für Niedrigverdiener lohne sich beispielsweise das Modell Zukunftssicherung („Direktversicherung im Rahmen des § 3 Abs 1 Zi 15 lit a Einkommenssteuergesetz EStG”) – Ausgaben des Arbeitgebers für Versicherungs- oder Versorgungseinrichtungen für den Arbeitnehmer in Höhe von 300 € p.a.

Verantwortung zeigen

Die Vorteile auch für mittlere Betriebe sieht Weisz unter anderem im Mitarbeiter-Bindungseffekt an das Unternehmen. Gerade beim „War of Talents”, bei der Suche nach den besten Köpfen, müsse einem dies als Arbeitgeber bewusst sein. Neuesten Studien zufolge rücken materielle Vorteile für die Mitarbeiter in den Hintergrund, der Dienstwagen ist nicht mehr so wichtig. Andere Leistungen sind in den Vordergrund getreten; man mache sich nun andere Gedanken, die sozialen Aspekte beim Arbeitgeber zählen, zum Beispiel auch die Hinterbliebenen-Vorsorge, die sich als Bausteein leicht in eine betriebliche Absicherung einbauen ließe. Arbeitgeber, die ihre Schlüsselkräfte binden, zeigten letztendlich den Mitarbeitern und dem Betrieb gegenüber Verantwortungsgefühl. Weisz: „Das Anbieten eines Vorsorgelohns statt eines Barlohns stellt eine ,Win-win-win-Situation' für alle dar.” Den Arbeitgeber kos-tet diese Variante 30% weniger als der Barlohn, für den Begünstigten bedeutet dies, dass sein Beitrag brutto für netto veranlagt wird und erst bei Fälligkeit der Pension die Abgaben abgezogen werden. Die Allianz bietet für Makler eine spezielle Akademie für die betriebliche Altersvorsorge mit drei Modulen an. Dabei geht es nicht so sehr um bestimmte Produkte bestimmter Anbieter, sondern es werden die verschiedenen Durchführungswege erklärt; die Absolventen erhalten eine Zertifizierung.

Türöffner Abfertigung alt

Speziell bei Arbeitgebern mit Beschäftigten, die noch in das Schema „Abfertigung alt” fallen, könne ein Berater wahre Wunder bewirken, denn hier sind häufig nur Rückstellungen dotiert, immer noch werden sie mit Rücklagen verwechselt, weiß der Allianz-Experte. Dieses Thema bei Unternehmern anzusprechen, könnte also als „Tür-öffner” für Finanzdienstleister dienen. „Das Feld ist beratungsintensiv”, räumt Weisz ein, „aber wenn man bei einem Unternehmen mit einer guten BAV-Beratung einsteigt, bieten sich zahlreiche Cross-Selling-Möglichkeiten: Man kann dann Mitarbeitern einzelne Beratungstermine anbieten, bei denen es etwa um Fragen der privaten Existenzabsicherung und Vorsorge gehen kann.”

Bewerten Sie diesen Artikel

Teilen Sie diesen Artikel

Ihr Kommentar zum Thema