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Der Dreh an der Kostenschraube verdoppelt das Nettoergebnis
27.02.2015

Der Dreh an der Kostenschraube verdoppelt das Nettoergebnis

Jahresbilanz 2014 Heuer will T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth den „Durchbruch bei den Kapitalkosten” erreichen – das Fundament ist gelegtDeutsche Telekom Dividende an Wachstum des Free Cashflow koppeln

Ergebnisverbesserung durch Kostenkontrolle, Ärger wegen des SIM-Card-Hack, Fokus auf LTE und Kooperation mit Netflix.

Wien. Mitte September des Vorjahres hatte T-Mobile Österreich-Chef Andreas Bierwirth die „Pink Revolution” ausgerufen. Nach einigen schwierigen Jahren am österreichischen Mobilfunkmarkt – die Branche versuchte sinkende Umsätze und Gewinne durch Tarif-erhöhungen, die Einführung von Servicepauschalen, zweifelhafte Klauseln und Zusatzgebühren aufzufangen – preschte T-Mobile Österreich mit einem neuen Konzept vor. Kundenloyalität sollte wieder honoriert werden, die Werbelinie von der Endgerätewerbung abrücken – und die Beziehung zwischen Kunden und Mobilfunkanbieter in den Mittelpunkt gestellt werden. Ergebnisse waren die Kampagne „Wie ich will”, die an ein neues Tarifsystem gekoppelt war, und das Anlaufen eines „Turn-around-Programms”.

„Noch kein Turnaround”

Die ersten Ergebnisse sind inzwischen sichtbar: „Zwar ist es erfreulich, dass sich der Umsatzrückgang verlangsamt hat. Aber es ist zu früh, von einem Turnaround des heimischen Mobilfunkmarkts zu sprechen”, kommentierte Bierwirth am Donnerstag vor Journalisten das Finanzjahr 2014.T-Mobile Austria hat das Betriebsergebnis (EBIT) – bereinigt um die Kosten für die LTE-Frequenzauktion 2013 – im Vorjahr auf 64 Mio. € fast verdoppelt, der Umsatz gab um 1,6% auf 815 Mio. € nach, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um 9,9% auf 211 Mio. € zu. Heuer will der T-Mobile-CEO den „Durchbruch bei den Kapitalkosten” erreichen. Dafür sei eine EBIT-Marge von acht bis zehn Prozent erforderlich, 2014 hat sie 7,8% betragen – nach vier Prozent im Jahr 2013, rechnete Bierwirth vor. Er sprach von einem „tollen Erfolg” im Jahr 2014; trotz der millionenschweren Abschreibungen bleibe das Unternehmen in der Gewinnzone. 2013 hatte T-Mobile für die LTE-Auktion 654 Mio. € bezahlt.Die deutliche Ergebnisverbesserung sei „in erster Linie auf unsere erfolgreichen Anstrengungen zur Kostenkontrolle zurückzuführen”, so Bierwirth. Das Ergebnisniveau sei in Hinblick auf hohe Investitionserfordernisse des Mobilfunks allerdings weiterhin „wesentlich zu niedrig”. In den nächsten Jahren würden außerdem die Abschreibungen aufgrund der „exorbitant hohen Frequenzgebühren” sowie der massiven LTE-Investitionskos-ten das Ergebnis weiter belasten. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde (ARPU) ging 2014 leicht zurück: um 2,7% von 14,7 € 2013 auf 14,4 € im Jahr 2014. Zu diesem Preisverfall trugen Regulierungseffekte – die weitere Senkung der Roaminggebühren sowie der Verbindungsentgelte zwischen den Betreibern – und der starke Rückgang bei SMS infolge von IP-Messaging-Diensten bei. Hingegen stieg die im Netz von T-Mobile übermittelte Datenmenge um 80%, im Jahr 2013 betrug dieser Anstieg sogar 100%. Die Zahl der SIM-Karten blieb mit vier Mio. Stück im Wesentlichen stabil.Das Jahr 2015 steht bei T-Mobile ganz im Zeichen des weiteren LTE-Ausbaus. Derzeit werden jede Woche rund 50 neue LTE-Stationen ans Netz angeschlossen, zusätzliche 2.000 Stationen im Jahr 2015. Damit dies nicht zulasten der Umwelt erfolgt, werde das Netz von T-Mobile seit Anfang 2015 gänzlich emissionsfrei betrieben.

SIM-Schnüffeleien

Verärgert reagierte Bierwirth auf die Schnüffeleien von Geheimdiensten. Wie vergangene Woche bekannt wurde, sollen die SIM-Karten des Kartenherstellers Gemalto, die alle heimischen Mobilfunker verwenden, gehackt worden sein. Der Mutterkonzern Deutsche Telekom unternehme alles, um für eine sichere Verbindung zu sorgen – es gebe sogar einen eigenen Vorstand für Datenschutz. Hier seien aber nicht nur die Konzerne, sondern auch die Politik gefordert, betonte Bierwirth. Auch der Mobilfunker „3” (Hutchison 3G) verwendet nach eigenen Angaben SIM-Karten von Gemalto. Mehr Freude bereitete dem T-Mobile-Boss die Vorstellung der Kooperation mit dem Internet-TV-Kanal Netflix: „Wir bringen als erster Mobilfunker Netflix ins LTE-Netz.” (sb/Ag.)

Bonn. Die Deutsche Telekom will ihre Aktionäre in den nächsten Jahren mit höheren Dividenden bei der Stange halten. Die Zahlungen an die Anteilseigner sollten von 2015 bis 2018 im Schnitt jährlich um zehn Prozent wachsen, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Die Dividendenprognose sei an das Wachstum des Free Cashflow gekoppelt.

Gleichzeitig verspricht die Telekom bis 2018 eine Mindestgewinnbeteiligung der Aktionäre von 50 Cent je Aktie – genauso viel wie für 2014. Telekom-Chef Tim Höttges stellt damit gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt die Weichen für die nächste Zeit: „Wir haben den Konzern wieder auf Wachstumskurs gebracht und werden diesen Weg konsequent weitergehen.” Größter Anteilseigner des Telefonriesen ist mit gut 30% der deutsche Staat.Das vorige Jahr war turbulent für die Telekom: Zwei Kaufinteressenten für die Mobilfunktochter T-Mobile US waren abgesprungen – der US-Rivale Sprint und der französische Telefonmilliardär Xavier Niel. Einen Erfolg feierte Höttges hingegen in Großbritannien. Die Telekom und der französische Telekom-Riese Orange fädelten den Verkauf ihres britischen Mobilfunk-Joint Ventures EE ein. Käufer BT (ehemals British Telecom) zahlt für den Mobilfunk-Marktführer 12,5 Mrd. Pfund (17,06 Mrd. €). (APA)

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