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Der Strukturwandel geht weiter
20.02.2015

Der Strukturwandel geht weiter

Branchenbericht Druckereien 2014 fiel das Umsatzvolumen unter 2,3 Mrd. €, Beschäftigung ist 2014 um 6% gesunken, seit 2003 um fast ein Drittel

Die Betriebe leiden weiterhin unter Überkapazitäten, Konkurrenzdruck und wirtschaftlichen Problemen.

Wien. Ende Jänner hatte der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider Österreichs Druckerbranche im Zuge einer volkswirtschaftlichen Analyse eine „veritable Krise” bescheinigt: Seit 2001, so Schneider, habe sich die Zahl der Beschäftigten auf rund 9.200 im Jahr 2014 mehr als halbiert. Auch die Zahl der Firmen sei rückläufig – im Schnitt ging sie jährlich um fünf bis acht Prozent zurück. Das sei jedoch nicht so sehr auf Pleiten, sondern auf Fusionen oder Abwanderungen zurückzuführen. Wegen der hohen Arbeitskosten und der steuerlichen Belastungen seien die Drucker nicht wettbewerbsfähig.

Aufträge gehen ans Ausland

Die neueste Branchenanalyse zum Strukturwandel bei Öster-reichs Druckereien kommt von der Bank Austria Volkswirtschaft: Im Geschäftsjahr 2014, so die aktuellen Daten, verbuchten Öster-reichs Druckereien das vierte Jahr in Folge ein rückläufiges Produktions- und Umsatzergebnis. Die Produktionsleistung der Branche ist im Vorjahr vorläufig um zwei Prozent, der Branchenumsatz um rund ein Prozent auf unter 2,3 Mrd. € gefallen. Zudem verringerte sich die Beschäftigung um fast sechs Prozent.Der Bericht zeigt, heißt es in der Mitteilung, dass die Branche etwa seit Mitte der 1980er-Jahre durch die Verbreitung immer leistungsfähigerer digitaler Technologien sukzessive Aufträge verloren habe. In den letzten zehn Jahren sei die Beschäftigung in der Branche um ein Drittel auf 10.700 Personen gesunken, bestätigt die Bank Austria auch diesbezüglich die Trends der Analyse Schneiders. Daran schuld sei, zusätzlich zur schwachen Nachfrage im Inland, auch der wachsende Konkurrenzdruck aus den Nachbarländern. Bank Austria- Ökonom Günter Wolf: „Es werden immer mehr Druckaufträge aus Österreich ins Ausland vergeben.” Bis November 2014 sind die Importe sonstiger Druckerzeugnisse, v.a. sind das Werbematerialien und Kataloge, um 8,6% auf 333 Mio. € gestiegen, während der Import von Druck- und Verlagsprodukten insgesamt um 1,5% auf 822 Mio. € gesunken ist. Das zusätzliche Importvolumen von 25 Mio. € stammt überwiegend aus Tschechien, Slowenien und Deutschland.Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Druckereien leidet vor allem unter dem hohen Kosten-niveau. 2012 lagen die Lohnkos-ten pro Druckereibeschäftigtem in Österreich bei durchschnittlich 48.000 €, in Deutschland bei 36.000 €, in Slowenien bei 17.000 € und in Tschechien bei 11.000 €. Nach Angaben des Fachverbands liegt das Durchschnittsjahresgehalt bei den Zeitungsdruckern bei knapp über 90.000 € (brutto). Für die Kosten-unterschiede dürften zum Teil strukturelle Unterschiede verantwortlich sein, die auch die relativ hohen Gewinne der heimischen Druckereien im internationalen Vergleich erklären. Die Branche verbuchte im Bilanzjahr 2012 eine Umsatzrentabilität von 2,3%.Auch die durchschnittliche Eigenkapitalausstattung der Unternehmen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Wolf: „2009 betrug sie 19%, aktuell rd. 30%.” Allerdings sei der Anteil überschuldeter Betriebe (30%) ebenso wie der Anteil jener mit negativem Betriebsergebnis (39%) weiterhin hoch. (sb)

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