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Die Eintrittskarten werden teurer
georg biron 17.03.2015

Die Eintrittskarten werden teurer

Ticketsteuer Die österreichische Regierung hat bei Steuerreform beschlossen, den Mehrwertsteuersatz bei Tickets von 10% auf 13% anzuheben

oeticket.com-Geschäftsführer Andreas Egger: „Verdopplung der Mehrwertsteuer wurde verhindert!”

Wien. In Österreich wird über neue Steuern diskutiert. Davon betroffen sind auch Tickets für diverse Veranstaltungen – der Ticketpreis wird nun 13% Ust. statt bisher 10% Ust. beinhalten. Ursprünglich gab es Pläne, eine Erhöhung auf 20% vorzunehmen. Das ist jetzt vom Tisch.Derzeit werden bei uns pro Jahr rund 45 Mio. Eintrittskarten für Veranstaltungen, Ausstellungen, Museen, Zoos und Sportveranstaltungen verkauft. Abzüglich der Tickets für Sportveranstaltungen, die größtenteils 20% Ust. enthalten, verbleiben etwa 35 Mio. Tickets, die von der Erhöhung der Umsatzsteuer betroffen sind. Was oeticket.com/Ticket Express Ges.m.b.H.-Geschäftsführer Andreas Egger davon hält, verrät er im medianet Gespräch.

Kein sinnvolles Konzept

medianet: Am 30. Juni 2015 tritt Helene Fischer im Wiener Ernst Happel Stadion auf. Von oeticket.com werden für dieses Konzert Eintrittskarten um 85 Euro angeboten. In diesem Preis waren bisher 7,73 Euro Ust. enthalten. Jetzt hat die österreichische Regierung die Ust. von 10% auf 13% angehoben, wodurch das Ticket statt 85 Euro jetzt 87,36 Euro kostet. Wird jetzt das Stadion deswegen leer sein?Andreas Egger: Nein, natürlich wird das Stadion nicht leer sein. Aber jeder, der sich mit unserem Geschäft ein wenig auskennt, weiß, dass die Preiskalkulation ein sensibler Bestandteil jeder Veranstaltung ist. Die Mehrwertsteuererhöhung bedeutet, dass die Verteuerung gerade in diesem Fall eine Zielgruppe trifft, die sowieso nicht zu den Reichsten im Land gehört.medianet: Schadet es dem Kulturstandort Österreich, wenn die Steuer erhöht wird?Egger: Österreich definiert sich weltweit als Nation, in der Kunst und Kultur den höchsten Stellenwert genießen. Ein großer Teil unserer Tourismuswerbung betrifft Kunst, Kultur und Veranstaltungen – und das vollkommen zu Recht, wie die Zahlen internationaler Besucher bei Veranstaltungen zeigen. Und: Die Teilabe am kulturellen Leben ist ein Menschenrecht. Es ist ein trauriger Scherz, wenn man auf der einen Seite die Einkommen der Niedrigverdiener steuerlich entlastet und gleichzeitig auf der anderen Seite für sie den Zugang zu Kunst, Kultur und Freizeitaktivität verteuert.medianet: Das österreichische Finanzministerium hofft, mit der Anhebung der Ticketsteuer zusätzliche Mio. Euro einzunehmen. Was haben Sie dagegen?Egger: Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer würde vordergründig Geld in die Kassen spülen. Leider ist das weder zu Ende gedacht noch zu Ende gerechnet. Denn 90% aller betroffenen Veranstaltungen, Ausstellungen, Darbietungen werden von subventionierten Einrichtungen veranstaltet oder finden in ihnen statt. Wenn nun z.B. in der Wiener Stadthalle durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer weniger Veranstaltungen stattfinden, zu denen auch jeweils weniger Leute hingehen, ist der gesamte Effekt der Mehreinnahmen wieder aufgefressen. Bei den direkt subventionierten Häusern und Veranstaltungen muss jeder Cent Ust., der von dort an den Bund bezahlt wird, über erhöhte Subventionen von Bund, Ländern oder Gemeinden wieder zurückgegeben werden.medianet: Das Ziel der Initiative „Nein zur Ticketsteuer”, die Sie mit Michael Ledl und Martin Vögel gestartet haben, ist erreicht: Auch wenn die Erhöhung der Steuer von 10% auf 13% noch immer unerfreulich ist, so ist sie doch zumindest verkraftbar ...Egger: Die Zeit wird zeigen, dass sich auch diese 3% Erhöhung der Mehrwertsteuer im österreichischen Staatssäckel nicht materialisieren werden - aber wenigstens werden jetzt die Besucher bzw. die Bundes-, Landes- und Gemeindebudgets nur moderat zur Kassa gebeten. An unserer grundsätzlichen Kritik, dass ausgerechnet die Kulturnation Österreich Angebote für Kultur und Freizeit massiv höher besteuert als unsere westlichen Nachbarn in Deutschland und der Schweiz und dass dies dem Standort Österreich schadet, ändert sich aber grundsätzlich nichts.www.ticketsteuer.at

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