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die finstere brille
natalie Oberhollenzer 31.03.2015

die finstere brille

Eine Umfrage unter Jugendlichen brachte Folgendes zutage: Die meisten Mädchen wünschen sich einen netten Mann, Kinder und ein Häuschen. Die Jungs wollen Karriere machen und damit ähnliche Ziele erreichen, wie die Mädels sie haben. Mir wurde klar: Eine neue Biedermeier-Ära ist ausgebrochen. Vorbei die Zeiten der rebellischen Teenies, der Studenten, die dem Müßiggang frönen, tagelang in Parks herumhängen und über Uneigennütziges philosophieren. Die Jungis von heute sind lieber zuhause, um eifrig an Zukunft und trautem Nestlein zu basteln. Der Handel darf sich die Hände reiben und auf Umsatz mit neuen Trendsortimenten hoffen. Mit Gerümpel für die Heimeligkeit zum Beispiel: Zierkissen, niedliche Vogelstatuen, Cupcake-Etageren oder DIY-Sushi-Startersets und Detox-Tees. Utensilien zum Garteln wie Kräutersamen und Gewächshäuschen für den Balkon. Dazu die passenden Outfits. Einen Pulli mit der Aufschrift „I love cocooning” und Hauspatschen mit witzig-ironischen Motiven. Out dagegen ist alles, was der Ich-pfeif-drauf-Attitüde entspricht: 08/15-Bier in rauen Mengen, Schnaps, Zigaretten und der Konsum desselben in abgeranzten Kneipen. Nein, nein, nein! Das ist alles viel zu unvernünftig!n.oberhollenzer@medianet.at

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