industrial technology
Die (R)Evolution des urbanen Güterverkehrs
britta biron 20.03.2015

Die (R)Evolution des urbanen Güterverkehrs

Fachtagung der BVL Österreich Klare Akzente und konkrete Impulse für die urbane Logistik der Zukunft

Experten diskutierten Konzepte für die nachhaltige und leistungsfähige Versorgung Wiens.

Wien. Dass eine wachsende Urbanisierung, ein verändertes Konsumverhalten und ambitionierte Klimaziele große Auswirkungen auf den innerstädtischen Güterverkehr haben, liegt auf der Hand. Auch, wenn zurzeit noch nicht feststeht, wie die smarte City-Logistik in Zukunft im Detail aussehen wird, „müssen die Weichen dafür schon heute gestellt werden. Wien zählt zu den am stärksten wachsenden Städten in Europa. 28.000 Menschen sind allein im letzten Jahr zugezogen”, so Roman Stiftner, Präsident der BVL Österreich, anlässlich des 1. Wiener Logistik Tag + Smart Urban Logistics Day zu Herausforderungen für Politik, Unternehmen und Bevölkerung.

„Nicht nur der Güterverkehr, sondern der urbane Raum insgesamt ist von Wachstum geprägt und wird sich verändern. Die hohen Ambitionen, das Klima zu schützen und gleichzeitig den Wirtschaftsstandort abzusichern, müssen miteinander vereinbart werden”, so Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds. „Nachhaltigkeit, allumfassende Mobilität, ein attraktiver Lebensraum, resiliente Lösungen und Toleranz sind die Schlagwörter, die eine smarte City ausmachen”, meinte Thomas Weninger, Generalsekretär Österreichischer Städtebund.

Boom von eCommerce

Andreas Bayer, Geschäftsführer Rewe International Lager & TransportgesmbH, stellte in seinem Vortrag die Problematik der Filial-belieferung im innerstädtischen Bereich in den Fokus. Für einen umweltverträglichen Warentransport setzt Rewe neben Hybrid- auch CNG- (Biogas) Lkws ein. Bayer betonte, dass die Entwicklung rasanter vor sich gehe, als die Politik entscheidungswillig sei. „eCommerce boomt, aber was passiert, wenn zudem der Online-Lebensmittelhandel durchstartet? Wer definiert die Rahmenbedingungen und gibt die Stoßrichtung für zentrale Hubs vor? Ist es die Wirtschaft oder die Politik und wie weit ist die Stadtplanung? Fragen, die Handlungsbedarf signalisieren.”

Mehr Zusammenarbeit

Max Schachinger, Geschäftsführer Schachinger Logistik Holding, präsentierte konkrete Vorschläge für einen „grüneren” Güterverkehr in Wien. So könnte durch eine kollaborative Distribution eine stärkere branchenbezogene Bündelung der Güterströme erreicht und – verbunden mit einem Hub-Sharing – Direktverkehre reduziert werden. Alternative Antriebe würden einen entscheidenden Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen leisten und eine stärkere Nutzung vorhandener City Hubs deutlich kürzere innerstädtische Zustelltouren zur Folge haben. Aufhorchen ließen auch die Vorschläge zur Schaffung einer neutralen Kooperationsplattform gemeinsam mit der Stadtverwaltung sowie die Weiterentwicklung der Abgasplakette zu einem Gütesiegel als pragmatische Alternative zu einem City Maut-Konzept, mit Bevorzugung leiser und CO2-neutraler Transporte.Jürgen Schrampf, Leiter Public Projects der Econsult Betriebsberatung und verantwortlich für das Competence Center „Transport Infrastruktur Verkehr” der BVL, zieht als einer der Initiatoren des 1. Wiener Logistik Tags ein positives Resümee. Die Vielfalt an vorgestellten und diskutierten Handlungsansätzen konnte die Komplexität des Themas eindrucksvoll aufzeigen. „Das Leben in unseren Städten wird sich verändern, und die Logistik wird als nachfrageorientierte Disziplin mit innovativen Lösungen reagieren. Aber es werden auch neue Kundenwünsche mit neuen Herausforderungen zu bewältigen sein. In den vier Jahren seit der Veröffentlichung des EU-Weißbuchs ist bereits einiges geschehen und vieles ist aktuell in Vorbereitung. Die Entwicklungskurve muss aber zwangsläufig steiler werden, um eine CO2-freie Stadtlogistik bis 2030 zu erreichen.” www.bvl.at

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