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Einkaufsstraße ist in Wien das Maß des Shoppens
christian novacek 30.01.2015

Einkaufsstraße ist in Wien das Maß des Shoppens

Wien bleibt Wien Laut Kaufkraftstudie der WKW kommt um 121 Mio. € mehr Kaufkraft nach Wien, als aus Wien hinaus

Shoppingflächen haben von 2006 auf 2014 um 20 Prozent zugenommen, die Kaufkraft stagniert aber.

Wien. In Wien wachsen die Geschäftsflächen – aber die Shoppingbudgets können nicht ganz mithalten: Laut Studie der Wiener Wirtschaftskammer liegt das Kaufkraft-Volumen der Hauptstadtbewohner bei 9,7 Mrd. €. Das klingt possierlich, entspricht aber inflationsbereinigt einem Verlust von 0,6 Prozent seit 2006, dem Vergleichszeitpunkt der Studie. Die Verkaufsflächen stiegen indes um 20 Prozent. Kammerpräsident Walter Ruck charakterisiert die Lage an der Shoppingfront: „Mehr Verkaufsfläche bei stagnierendem Umsatz bedeutet weniger Umsatz pro Quadratmeter, mehr Wettbewerbsdruck und es steht für mehr Leerstand sowie ein uniformiertes Angebot.”

Nominell ist die Kaufkraft in Wien seit 2006 sogar um 17,5 Prozent gestiegen; Basis dafür ist ein Bevölkerungswachstum von sieben Prozent. Inflationsbereinigt ergibt sich aber ein Rückgang. In puncto Ursachenforschung ortet die Kammer einen Anstieg der Lebenshaltungskosten, besonders bei den Ausgaben fürs Wohnen; der Anteil, der fürs Einkaufen zur Verfügung steht, reduziert sich dadurch. Hingegen: Die Möglichkeiten zum Shoppen haben sich in der Zeitspanne von acht Jahren durchaus verbessert. Insgesamt gleichen die Kaufkraftzuflüsse nach Wien die Abwanderung übrigens aus: Der Gesamtsaldo ist positiv, er beträgt 121 Mio. €. Allerdings, so warnte Ruck, hat sich die Bilanz seit 2006 um 66 Prozent verschlechtert.

Einkaufsstraßen vorn

Aktuell verfügt die Bundeshauptstadt über Einzelhandelsverkaufsflächen von mehr als 2,4 Mio. Quadratmetern. Die verteilen sich auf Einkaufsstraßen (45%), Fachmarkt-agglomerationen (24%) oder integrierte Einkaufszentren (13%). Seit 2006 sind die Flächen um 20 Prozent gestiegen. Am signifikantesten war der Zuwachs bei den Fachmärkten am Stadtrand mit plus 38 Prozent – was in erster Linie an den billigen Mieten ebenda liegen mag. Aber auch neue Shoppingtempel matchen mit, wenn es um den verbleibenden Inhalt in den Geldbörsen der Konsumenten geht: Laut Umfrage hat sich somit für den 22. Bezirk die Erweiterung des Donauzentrums günstig ausgewirkt. Und im 23. Bezirk konnte die Eröffnung des Riverside-Shopping-Centers den Kaufkraftabfluss in Richtung SCS merklich abmildern.Ambivalent gestaltet sich die Situation mit den als trendig apos-trophierten Einkaufszentren am Bahnhof. The Mall in Wien Mitte hat nach Einschätzung von Andrea Faast, Abteilungsleiterin für Stadtplanung und Verkehrspolitik in der WKW, einen überaus positiven Effekt auf die Landstraße als Einkaufsstraße.Anders ist es am neuen Wiener Hauptbahnhof; die Bedeutung der neuen Shopping-Destination fürs Umfeld schätzt Faast diplomatisch ein: „Die Strahlkraft ist nach außen noch nicht spürbar”, sagt sie. Sicher ist, dass die Erwartungen hoch sind bzw. waren. Etwaige Leerstände könnten somit der Strategie entsprechen, dass späterhin teurer vermieten werden soll – oder aber sie legen Zeugnis dafür ab, dass ein Bahnhof per se kein Einkaufszentrum sein muss (siehe Story Seite 17). Faast räumt ein gewisses Manko der Umgebung ein: „Im zehnten Bezirk ist das Shoppen mehr auf die obere Favoritenstraße verlagert”, meint sie.

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