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„Es ist kein Markenraub”
Dinko Fejzuli 20.02.2015

„Es ist kein Markenraub”

Kammerwahl 2015 In unserer Serie bitten wir heute die Koalitionspartner Schwarz & Grün (Seite 8 + 9) zum Interview

Fachgruppen-Obfrau und Wirtschaftsbund-Kandidatin Birgit Kraft-Kinz im medianet Wahl-Gespräch.

Wien. Kommende Woche finden die Kammerwahlen statt. Heute im Interview: die Kandidatin des schwarzen Wirtschaftsbunds und derzeitige Obfrau der Fachgruppe Werbung & Marktkommunikation, Birgit Kraft-Kinz, und gleich auf der nächsten Seite in dieser Ausgabe auch ihr Koalitionspartner Gustav Götz, Inhaber und Gründer der Digitalagentur MediaBrothers und Vertreter der Grünen Wirtschaft in der Fachgruppe.medianet: Frau Kraft-Kinz, kommende Woche sind Kammerwahlen, und gleich bei Ihrer Listenbezeichnung, Sie treten heuer erstmals als ‚Team Werbung Wien' an, wirft Ihnen der SWV, der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband, Markenraub vor, da er schon länger unter diesem Namen firmiere. Kraft-Kinz: Das ist einfach falsch. Es ist kein Markenraub. Man muss zwischen der Listenbezeichnung und sonstigen Vermarktungsmaßnahmen unterscheiden. Man muss die Geschichte sehen und diese ist, dass Herr Javurek als mein Vorgängerobmann initiiert hat, dass unsere Fachgruppe ‚Werbung Wien' heißt, sprich, die Bezeichnung gehört nicht dem SWV, sondern der Fachgruppe. Somit kann sich jede Gruppe, jedes Team innerhalb der Fachgruppe so nennen. Wir bestreiten, dass es hier in irgendeiner Form eine Exklusivität gibt. medianet: Das ist der formale Hintergrund, aber real ist es doch so, dass Sie offensichtlich einen Namen verwenden, den Sie davor nicht verwendet hatten, eine andere Gruppe aber schon. Herr Javurek unterstellt Ihnen, Sie würden hier auf seiner Welle mitschwimmen. Kraft-Kinz: Ich glaube es gibt keine Welle des SWV. medianet: Herr Javurek wirft Ihnen auch vor, das Thema EPU erst kurz vor der Wahl für sich entdeckt zu haben … Kraft-Kinz: Da bin ich aber anderer Meinung. Nicht nur bei unseren vielfältigen Initiativen und Services, sondern auch bei der Besetzung der Gremien mit EPU-Vertretern sieht man das. Derzeit stehen wir bei einer Quote von 30%, diese entspricht natürlich noch nicht dem tatsächlichen Verhältnis unserer Mitgliederstruktur, die sich zu 63% aus EPUs zusammensetzt, aber wir sind auf einem guten Weg. Das zeigen wir auch mit Bettina Pepek, die nun explizit die EUPs in der Fachgruppe vertritt. Generell möchte ich sagen, dass das ein derart wichtiges Thema ist, dass es sich keine der Fraktionen auf die Fahne heften sollte. Dieses Thema ist so wichtig, dass wir uns alle gemeinsam bemühen sollten, unsere Mitglieder über Fraktionsgrenzen hinweg möglichst optimal zu vertreten. medianet: Und wie funktioniert diese fraktionsübergreifende Zusammenarbeit generell?Kraft-Kinz: Mit der Grünen Wirtschaft, unserem Koalitionspartner, funktioniert sie sehr gut, mit dem SWV hingegen leider nicht und im Sog des aktuellen Wahlkampfs noch weniger. medianet: Einer der Reibungspunkte ist der Kollektivvertrag. Wien hat einen, die anderen Bundesländer nicht. Der SWV leitet daraus einen Nachteil für die Wiener Mitglieder ab … Kraft-Kinz: … das ist auch so ein Kritikpunkt des Herrn Javurek, den er hätte in seiner Ära managen können. Jetzt ist es einfach, nur uns zu kritisieren. Fakt ist aber, dass wir nur das Mandat für Wien haben. Herr Javurek versteht sich sehr gut mit unserer Fachverbands-obfrau, er hätte alle Möglichkeiten gehabt, das Problem in seiner Amtszeit zu lösen.medianet: Ein Begehren, das Sie eint, ist die Reduktion der Berufsgruppen von derzeit 14 auf einige wenige. Wie soll diese Verein-fachung aussehen? Kraft-Kinz: Es ist unbestritten, dass es zu einer Reduktion der Berufsgruppen kommen muss. Aber auch das fällt in die Zuständigkeit des Fachverbands, und es ist unfair, uns hier vorzuwerfen, wir würden das Problem von uns wegschieben. Wir haben als Fachgruppe zwar einen Einfluss, können es aber nicht selbst bestimmen. Es gab aber bereits erste Schritte zu einer Reduktion. medianet: Für Ihre Mitglieder ist das Problem aber durchaus relevant, da sie unter Umständen mehrere kostenpflichtige Gewerbescheine lösen müssen, um ihre Arbeit machen zu können. Kraft-Kinz: Innerhalb der Fachgruppe braucht man keine unterschiedlichen Gewerbescheine lösen, denn jener für ‚Agenturen' wäre hier die beste Lösung, weil er alles abdeckt.medianet: Sie haben sich auch vorgenommen, die bestehenden Services für Ihre Mitglieder besser bekannt zu machen …Kraft-Kinz: … Das ist richtig. Jene, die unsere Services kennen, nutzen sie auch, und das Feedback ist sehr positiv. Aber für die anderen braucht es hier sogar eine Initiative der Wirtschaftskammer Wien bzw. der gesamten WKO.medianet: Sie haben kürzlich bei einer Fachgruppenveranstaltung EPUs ermutigt, mehr Pitchgemeinschaften zu schließen. Wo sehen Sie hier besonders den Bedarf?Kraft-Kinz: Absolut, denn ein gemeinsames Vorgehen erhöht die Erfolgschancen der einzelnen EPUs bei Ausschreibungen. Was noch fehlt, ist eine zentrale Stelle, bei der man sich zum Thema Ausschreibungen besser informieren kann. Da ist der Weg noch weit, aber wenn wir uns nicht auf diese Reise begeben, dann werden wir nie ans Ziel kommen.medianet: Hier haben Sie ja eine Arbeitsgruppe initiiert. Wie geht es hier weiter und wie hoch schätzen Sie den Erfolg ein?Kraft-Kinz: Die Gruppe wird im März erstmals tagen, und vom Erfolg bin ich absolut überzeugt.

medianet: Eine Forderung, die Sie diese Woche erhoben haben, war jene nach einer Förderung für Werbungsmaßnahmen. Wie soll diese aussehen?Kraft-Kinz: Ich gebe Ihnen hier ein Beispiel. Es gibt zwar eine Förderung für Forschungsprojekte, aber eine nachgelagerte Förderung für die Bewerbung und Vermarktung der Forschungsergebnisse und der möglichen Innovationen fehlt dann; hier setzen wir an. Es geht nicht darum, irgendeine Vermarktungstätigkeit zu fördern, sondern beim Thema Innovation und Forschung den Betroffenen fördernd unter die Arme zu greifen.medianet: Eine ‚ewiges' Thema haben Sie in Ihrer Funktion auch geerbt – die Forderung nach Abschaffung der Werbeabgabe. Hier haben Sie die Idee, dass Wien, wo über 70% der Werbeabgabe anfallen, als Bundesland vorgeht und auf die Einhebung verzichtet.Kraft-Kinz: Das Thema ist schwierig, weil es hier, wie Sie richtig sagen, um Einnahmen der Gemeinden geht. Aber es geht auch um ein Signal, und langsam ist es wirklich blamabel, dass Österreich hier eine Steuer einhebt, die es sonst nur mehr in irgendwelchen exotischen Ländern gibt; hier brauchen wir Veränderungen.medianet: Eine andere Initiative, jene ‚Gegen Schwarze Schafe' haben Sie eingestellt. Warum?Kraft-Kinz: Wir haben die Initiative nicht weitergeführt, weil wir gegen das Anschwärzen sind.

Im Gegenzug dazu haben wir die ‚Weißen Schafe' eingeführt, um der positiven Argumentation mehr Platz zu lassen. Aber wenn wir schon bei den schwarzen Schafen sind: Es ist schon lustig, dass uns der SWV nicht korrektes Verhalten bei unserem Listennamen vorwirft, aber die Aktion ‚Gegen Schwarze Schafe' und diesen Namen, der eindeutig der Fachgruppe gehört, auf seiner Fraktions-Facebook-Seite verwendet. Deshalb werde ich künftig sehr genau darauf achten, dass der Name nicht einfach so von anderen entwendet wird. Denn ich halte es ganz klar auseinander, was mich als Obfrau und was mich als Fraktionsführerin des Wirtschaftsbunds betrifft. Diese Sorgsamkeit erwarte ich aber auch von allen anderen.

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