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„Europäischer Trauertag”
01.04.2015

„Europäischer Trauertag”

Milchquote Das European Milk Board (EMB) befürchtet künftig eine „zügellose Produktion und fallende Preise”

Romuald Schaber: „Die multinationalen Konzerne und Banken werden die Macht übernehmen.”

EMB-Vorsitzender Romuald Schaber: „Die Gefahr des Milchsterbens geht weiter.”

Brüssel. Den letzten Tag, an dem die europäische Milchquote noch galt, also gestern, erlebte das European Milk Board (EMB) als „historischen Trauertag”. Rund 70 Bauern aus verschiedenen EU-Ländern versammelten sich vor dem Brüsseler EU-Parlament, um ihren Unmut kundzutun. Die Flaggen aller 28 Mitgliedsstaaten wurden auf Halbmast gesetzt, während Fahnen multinationaler Konzerne wie Nestlé, Campina, Müller oder Danone unter Buhrufen der Bauern hochgezogen wurden.

EMB-Vorsitzender Romuald Schaber warnt vor einer „zügellosen Produktion in den nächsten Jahren, was die Preise noch weiter senken wird”. Er sieht die regionale Versorgung gefährdet. Schon jetzt könnten Bauern praktisch nicht mehr kostendeckend arbeiten. So bekämen die Bauern in Deutschland für einen Liter Milch 27 bis 32 Cent. „Das wird auf 25 Cent sinken. Dabei betragen die Produktionskosten für die Bauern 40 bis 50 Cent. Da sind noch gar keine Förderungen aus Brüssel eingerechnet.” Die Gefahr eines „Milchsterbens” nehme zu.

Ausgleichszahlungen

Mit einer flexiblen Quote könnten immerhin faire Preise erzielt werden. „Um keinem Missverständnis zu unterliegen – wir weinen der Quote nicht nach”, so Schaber. Aber 37 Jahre nach Bestehen der Milchquote würden ab heute, 1. April, die multinationalen Konzerne und Banken die Macht übernehmen. „Das ist unverantwortlich nicht nur gegenüber den Bauern, sondern gegenüber allen Bürgern, die ein Recht darauf haben, gute und wertvolle Nahrungsmittel zu erhalten”, betonte Schaber. Konkret verlangte er deshalb zumindest „mehr Ausgleichszahlungen.” (dp)

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