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Fleischexporte: Suche nach Russland-Ersatz
20.01.2015

Fleischexporte: Suche nach Russland-Ersatz

Neue Märkte Österreich exportiert Schweinefleisch nach China; Südkorea lässt verarbeitetes Fleisch wieder zu

Indessen lockern die USA ihr 1998 verhängtes Importverbot für EU-Rindfleisch langsam wieder.

Wien. Schweinefleisch aus Österreich darf künftig nicht nur nach China exportiert werden – auch die Südkoreaer dürften sich künftig wieder an rot-weiß-roten Produkten laben. Das zum Export nach China notwendige Veterinärprotokoll wurde am 25. Dezember in Peking von der österreichischen Botschafterin Irene Giner-Reichl und dem chinesischen Generaldirektor für Lebensmittelsicherheit, Lin Wei, unterzeichnet.

Bundesminister Andrä Rupprechter sieht darin eine große Chance für die österreichische Landwirtschaft: „Gerade das Russ-land-Embargo hat gezeigt, wie wichtig es ist, neue Absatzmärkte für die hochwertigen österreichischen Lebensmittel zu finden. China ist ein Zukunftsmarkt mit einer ständig steigenden Nachfrage. Wir können beste Qualität liefern und werden damit die chinesischen Konsumenten überzeugen.”

Attraktiver Markt

Über das Schweinefleisch-Protokoll, das die Voraussetzung für die Fleischexporte nach China ist, wurde jahrelang verhandelt. China gilt nicht nur aufgrund seiner Größe als wichtiger Absatzmarkt für Schweinefleisch, sondern auch weil dort vor allem Produkte gefragt sind, die in Österreich kaum nachgefragt werden, wie etwa Bauchfleisch. Aktuelle Zahlen der chinesischen Zollbehörde zeigen, dass die Volksrepublik von Jänner bis September 2014 rund 1,03 Mio. t Schweinefleisch einschließlich Nebenerzeugnissen eingeführt hat. „In China sind viele Teile vom Schwein, die wir wegschmeißen, eine Delikatesse, die wir für gutes Geld verkaufen können”, sagte der Waldviertler Unternehmer Alfred Dachsberger jun. im Kurier. Die Unterzeichnung der Verträge soll in den nächsten Wochen in Wien stattfinden.

Korea und die USA

Auch Korea will demnächst den Import von verarbeitetem Schweinefleisch aus Österreich zulassen. Das hat Rupprechter mit dem koreanischen Agrarminister Lee Jun-Won bei einem persönlichen Gespräch in Seoul ausverhandelt; der Minister sprach nach dem Treffen mit dem koreanischen Minister von einem „Durchbruch”. „Der Zugang zu diesem Markt mit 50 Millionen Einwohnern und wachsender Kaufkraft ist eine große Chance für die heimischen Bauern, die wir nutzen werden”, so der Minister. Derzeit ist nur der Export von unverarbeitetem Schweinefleisch nach Korea möglich, verarbeitetes Fleisch darf bisher nicht geliefert werden. Rupprechter ist überzeugt, dass die Koreaner Appetit auf Speck und Wurst aus Österreich bekommen.Positive Signale gibt es auch hinsichtlich des Exports von Rindfleisch: Rupprechter erhielt die Zusage, dass Korea demnächst mit Österreich über den Import von Rindfleisch verhandeln werde. Derzeit gibt es mit den ersten EU-Ländern Gespräche über die wegen der BSE-Fälle gesperrten Rindfleischexporte. BSE ist auch das Stichwort für einen weiteren Markt, der sich für den Export von EU-Produkten öffnet: die USA. Washington hat erst kürzlich die Einfuhr von Rindfleisch wieder erlaubt – allerdings bislang nur für Fleisch aus Irland. EU-Agrarkommissar Phil Hogan, EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis und EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström nannten die Wiedereröffnung dieses Marktes einen „willkommenen ersten Schritt”, um das „unverhältnismäßige und ungerechtfertigte” Einfuhrverbot abzuschaffen und wieder normale Handelsbedingungen herzustellen.Die Sperre war im Jänner 1998 aufgrund des Auftretens von BSE erfolgt. Die EU-Kommissare hoffen nun auf die baldige Freigabe auch für die Produkte anderer EU-Mitgliedsstaaten. (red)

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