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Forever young – Österreichs erster Jugendsender wurde 20!
Alexandra Damms 03.02.2015

Forever young – Österreichs erster Jugendsender wurde 20!

Geburtstag FM4 wird 20 Jahre. Fast ebenso lange, nämlich schon 19 Jahre, sitzt Monika Eigensperger an den Schalthebeln des Senders

Monika Eigensperger über verändertes Hörerverhalten und wie stark sich Radiomachen in den letzen 20 Jahren verändert hat.

Wien. FM4 wurde 20 Jahre alt und feierte den runden Geburtstag gemeinsam mit seinen Hörerinnen und Hörern groß in der Ottakringer Brauerei. Anlässlich des Jubiläums fragte medianet bei Senderchefin Monika Eigensperger nach. medianet: Wenn Sie auf 20 Jahre FM4 zurückblicken – was waren die Milestones?Monika Eigensperger, Senderchefin von FM4: Da gibt es so viel, dass ich Angst habe, Wichtiges wegzulassen … die Gründung des FM4 Soundparks ist auf jeden Fall ein Meilenstein gewesen. Der Sendestart mit 24 Stunden FM4 im Februar 2000. Die Einrichtung des Protestsongcontests, gemeinsam mit dem Rabenhof Theater. Die On-Demand-Funktion ‚7 Tage FM4' … medianet: Vieles hat sich mit der Zeit vermutlich einfach entwickelt. Eigensperger: … stimmt. Etliche Dinge sind heute kein punktuelles Ereignis, sondern etwas, das gewachsen ist – Sendungen wie ‚FM4 Unlimited', wo sich anfangs alle gefragt haben, ob wir verrückt sind, mittags einfach eine Stunde lang DJs mixen zu lassen, und die jetzt eine der beliebtesten Sendungen und ein Aushängeschild von FM4 ist; oder die exklusive Reihe ‚FM4 Radio Sessions', jede einzelne davon ein Meilenstein; vor allem aber hervorzuheben diejenigen, die wir mit dem RSO gemeinsam durchgeführt haben. Sie sehen, die Beantwortung dieser Frage fällt mir schwer ...medianet: In welcher Form und wie stark hat sich Radio in den letzten 20 Jahren generell verändert?Eigensperger: Radio als reines Sendemedium hat sich überholt. Wenn wir von ‚radio FM4' sprechen, meinen wir längst nicht mehr nur das, was aus dem Kastl in der Küche rauskommt – wir meinen auch die Webartikel auf fm4.ORF.at, die Facebookseite, den Twitterkanal und die vielen Veranstaltungen, die wir durchführen. medianet: Und auch die Art zu kommunizieren, hat sich geändert.Eigensperger: Richtig; früher haben die Sendungsmacherinnen und -macher zum Publikum gesprochen, Feedback gab es nur sehr eingeschränkt, etwa über Hörerpost. Heutzutage kann uns jede und jeder zu jederzeit etwa über Social Media ansprechen und mit uns in einen Dialog treten.medianet: Wie reagiert FM4 mit dem in den letzten 20 Jahren sehr veränderten Medienverhalten, vor allem bei den jungen Hörern – Stichwort Neue Medien?Eigensperger: Es ist eigentlich ganz einfach: Wir sind dort, wo unsere Zielgruppe ist. Ob auf Facebook, Twitter oder Instagram und Spotify.

Wir haben auch den Vorteil, dass wir diese Entwicklungen nicht mühsam verstehen lernen müssen, sondern dass das FM4-Team sich selbstverständlich in all diesen neuen Medien bewegt und sie zu nützen weiß. Das ergibt sich also von selbst.

medianet: Wie zufrieden sind Sie mit der momentanen Reichweite in Ihrer relevanten Zielgruppe?Eigensperger: Unsere Hörerzahlen sind seit Jahren – mit den üblichen Schwankungen – stabil, und damit bin ich sehr zufrieden. Wir sind ein Kultursender für eine jüngere Zielgruppe, diese bedienen wir meiner Meinung nach sehr gut; wir haben eine hoch gebildete und treue Community.medianet: Gibt es Strategien, diese Reichweite zu steigern, oder sind 300.000 Hörer der ‚natürliche' Plafond bei FM4, ohne den Sender dafür verwässern zu müssen?Eigensperger: Ich halte es für essenziell, die Qualität zu halten. Mit dem anspruchsvollen Programm, das wir machen, und angesichts unserer Zweisprachigkeit, die doch eine gewisse Hürde darstellt, erreichen wir ein spezielles, interessiertes Publikum – für uns ist wichtig, dieses weiterhin gut zu bedienen. Wenn wir plötzlich ein reines Hitprogramm spielen würden und nur mehr auf Deutsch moderierten, würden wir vielleicht kurzfristig einen geringen Zugewinn erzielen, aber unser Stammpublikum sofort verlieren, denn die kommen nicht mehr zurück, wenn sie enttäuscht wurden. Ich fühle mich in unserer Nische eigentlich sehr wohl.medianet: Inwieweit ist Marketing, Branding und vor allem Merchandising für FM4 wichtig, um die Hörerschaft zu binden?Eigensperger: Die FM4-Hörerinnen und Hörer begreifen sich als Community – als Individualisten in einer Mainstreamwelt.

Wirklich binden kann man die Hörerschaft nur mit Haltung und Inhalt. Erst wenn sie sich damit identifizieren, nehmen sie auch gern Symbole an, die ihre Bindung darstellen.Deswegen gehen etwa auch unsere Posterkampagnen so gut – jedesmal, wenn neue Sujets herauskommen, gibt es einen Ansturm an Bestellungen der Gratis-Poster, mit denen dann WG-Zimmer und Arbeitsplätze geschmückt werden. Noch ein Beispiel: Obwohl Logos oft als störend und aufdringlich wahrgenommen werden, gilt das für das FM4-Logo offenbar nicht; unsere Leuchtschilder in Form des gelb-schwarzen Logos müssen wir bei Veranstaltungen scharf im Auge behalten, damit sie uns nicht gestohlen werden ... Manche gehen sogar so weit, sich ihr eigenes FM4-Merchandising zu basteln – zusätzlich zu den offiziellen Shirts, etc.

medianet: Welche Rolle spielte FM4 zu Beginn und welche Rolle spielt der Sender heute in der ORF-Radio-Familie?Eigensperger: Wir sind Teil der Radio-Flotte des ORF. Ohne den öffentlich-rechtlichen Auftrag wäre FM4 nicht geboren worden und wir könnten bis heute nicht machen, was wir machen – unabhängiges Radio mit einem etwas schrägen Musikformat, avancierter Comedy, einem Spitzen-Nachrichtenteam und immer mal wieder Experimenten. medianet: Manche Kritiker meinen, FM4 sei das ‚Feigenblatt' des ORF in Bezug auf die sogenannte Österreich-Quote bei der Musik – andererseits gibt es den Vorwurf der Musikindustrie, der Geschmack der Musikredaktion sei viel zu spitz; inwieweit stimmt das?Eigensperger: Wir sind sicher kein Feigenblatt. Unser Anteil an heimischem Repertoire liegt konstant zwischen 20-25 Prozent, im ‚FM4 Soundpark' haben wir rund 6.800 registrierte Musiker, österreichische Bands treten immer wieder bei unseren Veranstaltungen auf und finden sich in den ‚FM4 Charts' auch auf hohen Platzierungen. Die Förderung österreichischer Musik nehmen wir also absolut ernst – ganz ohne Vorschriften.

Die Musikredaktion wählt das Programm mit Bedacht aus; genremäßig geht es dabei quer durch die Bank, egal ob bei heimischen oder internationalen Acts. Was die Musikexperten als relevant, spannend und FM4-affin ansehen, ändert sich naturgemäß mit dem gerade vorhandenen Angebot.

medianet: So wie Ö1 steht auch FM4 der Umzug auf den Küniglberg bevor – wie sieht das FM4-Team den Wechsel?Eigensperger: Ein Wechsel der Örtlichkeit ist immer eine Umstellung. Hier kommt noch dazu, dass das Funkhaus ein altes Haus mit einer lebendigen Geschichte ist; so ein Haus verlässt man nicht gern, vor allem wenn man schon so lange darin gearbeitet hat.

Aber letzten Endes ist gute Radioarbeit nicht an eine Örtlichkeit gebunden. Gerade heutzutage, wo man überall alles machen kann – E-Mails und Texte schreiben, Interviews führen, Kontakte pflegen, übers Internet recherchieren –, kann der Wechsel von einem Wiener Bezirk in einen anderen keine unüberbrückbare Hürde darstellen.

Weitere Infos zum Geburtstagskind FM4 gibt es auf der Homepage www.fm4.orf.at.

FM4 entstand im Zuge der Privatradio-Einführung in Österreich. Als sich in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre das Ende des öffentlich-rechtlichen Rundfunkmonopols abzeichnete, begann der ORF, seine Hörfunkprogramme zu differenzieren.Konkurrenz entstand vor allem für Ö3; das im Vergleich zuvor heterogene Ö3-Programm wurde deshalb auf ein AC-Formatradio (Adult Contemporary/erwachsen, zeitgemäß) homogenisiert. Wenig mainstreamkonforme Sendungsinhalte wurden auf den neu geschaffenen Radiosender FM4 ausgelagert.Am 16. Jänner 1995 ging FM4 um 19 Uhr erstmals auf Sendung. Bis ins Jahr 2000 teilte sich FM4 die Frequenz mit Blue Danube Radio und sendete zunächst nur von 19 bis ein Uhr morgens, zwischen ein und sechs Uhr wurde das Programm von Ö3 übernommen. Später wurde die Sendezeit auf 19 bis sechs Uhr ausgeweitet. Seit 1. Februar 2000 macht FM4 rund um die Uhr Programm, nachdem Blue Danube Radio eingestellt worden ist. Die Zahl 4 im Sendernamen resultiert aus der chronologischen Reihung der ORF-Radios (nach Ö1, Ö2 und Ö3). Um sich allerdings von den anderen überregionalen ORF-Radioprogrammen abzuheben, wählte man anstelle des Ö die Abkürzung FM (Frequenzmodulation UKW).Der Sender erreicht mit einer Tagesreichweite von 3,5% täglich rund 265.000 Personen ab 10 Jahren. Der Marktanteil liegt in der Gesamtbevölkerung bei 2%, bei Personen zwischen 14 und 49 Jahren bei 3%.

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