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Frauen in der Teilzeit, Männer in der Führung
daniela prugger 06.03.2015

Frauen in der Teilzeit, Männer in der Führung

Tag der Frau Handel entwickelt sich weg vom Niedriglohnsegment, doch die Fluktuationsrate bleibt hoch

63% der im Handel Beschäftigten sind Frauen; ihr Anteil unter Geschäftsführenden macht nur 5,9% aus.

Wien. Wir schreiben das Jahr 2015, doch Themen wie Einkommenslücke, Gleichberechtigung und gläserne Decke sind nach wie vor aktuell. Vor allem in der Zeit rund um den Internationalen Frauentag – der übrigens bereits auf das Jahr 1911 und die ersten Demonstrationen für Frauenrechte zurückgeht – keimen diese sozialen Problemfelder gern wieder auf. Diskussionen darüber sind für manche reine „Luxusprobleme”, für andere haben sie absolute Priorität. So zum Beispiel für die Arbeiterkammer (AK).

Nach Frauen in Führungspositionen, so das ernüchternde Fazit der Kammer, müsse man in Österreich noch immer mit der Lupe suchen. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung der 200 umsatzstärksten Unternehmen in Österreich liege derzeit bei 5,9 Prozent (Stand: März 2015). Im EU-Vergleich schneide Österreich mit dem aktuellen Anteil von Frauen in den Geschäftsführungen und Aufsichtsräten dieses Landes schlecht ab, leichte Verbesserungen gebe es lediglich in den Aufsichtsrats-gremien.

„Teilzeit” noch nicht passé

Während sich Frauenrechtler länderübergreifend auf das symbolische Datum „8. März” einigten und seit jeher versuchen, auf Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufmerksam zu machen, schalten viele Politiker und Unternehmer bei themenbezogenen Forderungen wie der Quotenregelung noch immer auf Durchzug. Dafür wird häufig befürchtet und argumentiert, eine Quote würde mit einer Benachteiligung von Männern einhergehen und überhaupt: Kennen wir nicht, wollen wir nicht. Stammtischmeinungen verzerren die Debatte zudem, ziehen sie ins Negative, Lächerliche, Überflüssige. Dabei sollte vor allem der Handel – einer der wichtigsten Arbeitgeber in Österreich – die Augen davor keinesfalls verschließen. Fast zwei Drittel der Beschäftigten in der Branche sind Frauen (63%). Während der Frauenanteil im „Einzelhandel”, der Teilbranche mit den meisten Beschäftigten, sogar über 72% beträgt, sind in den übrigen Teilbranchen mehrheitlich männliche Arbeitskräfte tätig. Die Spitzen der Handelsunternehmen sind dagegen besonders mit Männern besetzt. Zwar hat sich der österreichische Arbeitsmarkt in den letzten Jahren durch eine wachsende Erwerbsbeteiligung der Frauen ausgezeichnet. Doch die Entwicklung hin zu einer steigenden Erwerbsbeteiligung ging Hand in Hand mit einer Erhöhung der Teilzeitquote: Insgesamt waren 2013 rund 80% der Teilzeitbeschäftigten weiblich (Quelle: Statistik Austria).

Gehaltsschere weit geöffnet

Als Gründe für Teilzeitbeschäftigung waren bei 37,1% der Frauen, aber nur 4,0% der Männer Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend. Bei den Männern (23,0%) standen dagegen die schulische oder berufliche Aus- oder Fortbildung im Vordergrund (Frauen 7,8%). Doch die Beschäftigungsverhältnisse wirken sich nicht nur in der Teilzeit auf das Einkommen aus, sondern auch in der Vollzeitbeschäftigung: Der durchschnittliche Nettoverdienst von Frauen beträgt 1.170 € – und liegt damit um mehr als 300 € unter dem der Männer. Dass Frauen freiwillig hauptsächlich Teilzeit arbeiten würden, kann AK-Präsident Rudolf Kaske in einem Standard-Interview(26. Februar 2014) nicht nachvollziehen. Denn obwohl sich die Branche weg aus dem Niedriglohnsegment bewegt, weist sie eine überdurchschnittlich hohe Fluktuationsrate auf.

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