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Führung muss digitaler und wahrhaftiger werden
PAUL CHRISTIAN JEZEK 20.02.2015

Führung muss digitaler und wahrhaftiger werden

Alpha Intelligence In vernetzten Strukturen entscheidet zunehmend soziale & emotionale Intelligenz über den Erfolg

Rund vier Fünftel der „Chefs” sind der Auffassung, dass autoritäre Führung ausgedient hat.

Frankfurt. Welche Fähig- und Fertig-keiten brauchen Führungskräfte im digitalen Zeitalter, um ihre Mitarbeiter und die ihnen anvertrauten Unternehmen oder Bereiche mit Erfolg zu führen? Das ermittelte das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ) in einer Studie. Demnach müssen Führungskräfte vor allem gute Netzwerker sein, die mit anderen Menschen und Organisationen sowie zwischen ihnen tragfähige Beziehungen knüpfen können. Und dies setzt bei ihnen wiederum eine hohe Empathie und soziale und kommunikative Kompetenz voraus.

Für die Studie „Alpha Intelligence – was Führungskräfte von morgen brauchen” wurden 100 Führungskräfte der ersten und zweiten Ebene von Unternehmen mithilfe eines strukturierten Fragebogens befragt. 70% der Teilnehmer arbeiteten für mittlere Unternehmen und 30% für große Firmen. Zu 50% zählten ihre Arbeitgeber zur fertigenden Industrie, die restlichen Betriebe kamen weitgehend aus dem Dienstleistungssektor.

Mehr Team- & Projektarbeit

Von den befragten Führungskräf-ten stimmten 46% „voll und ganz” und 31% teilweise der These zu, die zunehmende Digitalisierung derWirtschaft und menschlichen Kom-munikation verstärke den Druck auf die Führung. Und fast zwei Drittel der Befragten bejahten „voll und ganz” die Aussage, vernetztes Denken und Handeln sei künftig „Voraussetzung für erfolgreiche Führung” – zudem 31% teilweise. Dies überrascht laut BarbaraLiebermeister, Gründerin und Lei-terin des Instituts für Führungskultur, im digitalen Zeitalter (IFIDZ),nicht, weil mehr als 80% der Führungskräfte davon überzeugt sind, dass künftig die Team- und Projektarbeit weiter an Bedeutung gewinnt; ebenso „das Feedback der Mitarbeiter für die Entscheidungsfindung der Führungskräfte”. Ebenfalls jeweils über 80% sind der Auffassung, dass künftig aufgrund der zunehmenden Vernetzung die Meinungen und Ideen von Kunden noch stärker in Produktentwicklung und Prozessgestaltung in den Unternehmen einfließen werden und Partnernetzwerke an Bedeutung gewinnen.Um in diesem von Vernetzung geprägten Umfeld zu überleben, benötigen die Führungskräfte nach Auffassung der meisten Befragten neben einer hohen Medienkompetenz eine hohe soziale Kompetenz – insbesondere ein großes Einfühlungsvermögen. Dabei fällt auf, dass vor allem die Vertreter der Großunternehmen (73%) die Bedeutung der sozialen Kompetenz und hier insbesondere der Kommunikationsstärke für den künftigen Führungserfolg unterstreichen. Dies könnte laut Liebermeister darin begründet sein, dass die komplexeren Strukturen in den Großunternehmen es erschweren, die Mitarbeiter in Entscheidungs- und Meinungsbildungsprozesse zu integrieren. Zudem ist für die Mitarbeiter aufgrund der größeren Arbeitsteilung der Nutzen und Sinn ihres Tuns schwerer erkennbar – also müssen die Führungskräfte ihnen den Sinnzusammenhang erst vermitteln.Gestützt wird diese These dadurch, dass sich z.B. beim Beantworten der Frage, inwieweit das Hierarchiedenken heute als Führungswerkzeug ausgedient habe, ein sehr ambivalentes Bild zeigt. Dieser Aussage stimmen etwa 50% der Befragten „voll und ganz” oder zumindest teilweise zu; ebenso viele sind jedoch der gegenteiligen Ansicht – darunter auffallend viele Führungskräfte von Großunternehmen. Dahinter steckt laut Liebermeister vermutlich ihre Erfahrung, dass Großunternehmen eine gewisse hierarchische Struktur und formalisierte Entscheidungswege brauchen – „sonst sind sie nicht managbar”. Das setzt dem Einbeziehen der Mitarbeiter in Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse gewisse Grenzen.Dessen ungeachtet hat jedoch nach Auffassung fast aller Führungskräfte ein autoritärer Führungsstil ausgedient: Über 80% der befragten Führungskräfte stimmen der Aussage zu, führen hieße heute, „sich täglich zu bewerben – bei seinen Mitarbeitern, bei seinen Kunden und Geschäftspartnern”.

Konflikte offen ansprechen

Weitgehend einig sind die Führungskräfte auch darüber, welche persönlichen Eigenschaften eine Führungskraft braucht, um künftig erfolgreich zu sein. Dabei fällt auf, dass es sich hierbei weitgehend um kommunikati-ve Eigenschaften handelt wie, eineFührungskraft muss „regelmäßig Informationen weitergeben statt sie als Herrschaftswissen zu betrachten” und „Konflikte offen an-sprechen und mit allen Beteiligtenklären”. So sind zum Beispiel 98% der Befragten überzeugt, eine Führungskraft müsse „wahrhaftig und glaubhaft auftreten”, und immerhin fast 90% betonen, eine Führungskraft müsse „die Individualität der Mitarbeiter achten”.

www.ifidz.de

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