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Hebung des Wissenskapitals
17.02.2015

Hebung des Wissenskapitals

Gastkommentar Upgrade für Kongresse in Hauptstadtdestinationen

Intellectual Capital Obwohl die in Österreich begonnene Bewegung seit mehr als 15 Jahren unterwegs ist, kommt das Thema Wissenskapital („Intellectual Capital”) erst dieser Tage so richtig in Fahrt. Die Stadt Wien deklariert sich heute in Anzeigen als „Wissensstadt”, Salzburg ebenso und hat sogar einen umfangreichen zweibändigen Bericht unter dem Titel „Wissensstadt Salzburg” herausgegeben. Darin sind alle Ressourcen im Sinne von „Wissensvermögen” zusammengetragen, die als Ausweis für die in diesen Städten vorhandene Wissenskompetenzen dienen.

Das „österreichische Modell” eines Wissensberichts, wie es sogar der Rechnungshof verwendet, verlangt, drei Dimensionen abzudecken: Humankapital, Struktur- und Organisationskapital sowie Beziehungskapital. Humankapital umfasst die an einem Standort versammelten „Köpfe”, die in Summe die wissenschaftliche, unternehmerische Erfahrungs- und Bildungskompetenz ausweisen. Unter Struktur- und Organisationskapital sind die „Wissensinstitutionen” wie Schulen, Fachhochschulen, Universitäten, Forschungszentren und -labors zu verstehen sowie deren Organisations- und Managementverfahren wie auch Infrastrukturen z.B. der IT und Telekommunikation. Unter Beziehungskapital wiederum sollte man sich die Vernetzung und Zusammenarbeit von Personen innerhalb eines Standorts, aber darüber hinaus in den internationalen und globalen Raum vorstellen. Darin manifestieren sich z.B. Kooperationen zwischen Universitäten, aber auch Allianzen zwischen Organisationen, Vereinen oder Initiativen mit dem Ziel, Wissensaustausch und Wissensaggregation zu betreiben.

Profilbildung durch die Wissenschaft

Was bedeutet dies nun für die Profilierung von Destinationen wie unserer „Kapitalien” Wien, Salzburg, Graz, Linz …? Österreich ist mit seinen Städtedestinationen schon bestens vorbereitet, dem Anspruch eines Wissenslandes bzw. von Wissensstädten zu genügen. Allerdings fehlt es noch an einer stärkeren Betonung, dass über Musik, Theater und Kultur hinausgehend die Wissenschaft zur Profilbildung herangezogen werden soll. Universitäten und internationale Wissenschaftsgesellschaften sollten, um ein paar Beispiele zu nennen, zudem verstärkt dazu motiviert werden, ihre Kongresse in österreichischen Wissensstädten abzuhalten. Kongressen jedweder Art, die in Österreich stattfinden, sollten lokale, rhetorisch begabte Wissenschaftler als Keynote-Sprecher angeboten werden; in Begleitprogrammen von Kongressen sollten verstärkt Besuche in Wissenschaftsinstitutionen oder Labors vorgesehen werden. Kongressveranstalter stehen in tougher weltweiter Konkurrenz. Österreich und besonders Wien hat den Bonus, eine ohnehin beliebte, wenn nicht sogar weltweit die beliebteste Kongress-Destination zu sein. Umso mehr wird von unseren Intellectual Capitals erwartet, dass wir mehr bieten als Klassik in Musik, Theater, Oper und Kunst.

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