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Helle Aufregung nach unerwartetem Schritt
16.01.2015

Helle Aufregung nach unerwartetem Schritt

Aufgabe der Franken-Stützung Experten sprechen von Schock, Glaubwürdigkeit der Notenbank stehe auf dem Spiel

Zürich. Die Aufhebung des Franken-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) ist für den Chefökonomen der Schweizer Bank UBS eine große Überraschung. „Ich stehe unter Schock; das ist starke Medizin”, sagte Daniel Kalt in einer ersten Reaktion. Ein Schock ist der Schritt auch für heimische Fremdwährungskreditnehmer. Noch drastischer die Worte von Nick Hayek, Chef des Uhrenherstellers Swatch: „Ich befürchte einen ,Tsunami' für die ganze Schweiz; mir fehlen die Worte”

Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Notenbanker hat einen Kurssturz an der Züricher Aktienbörse ausgelöst. Der Leitindex SMI brach am Donnerstag um bis zu 14% ein – der größte Verlust seiner Geschichte. Die dort gelisteten Unternehmen büßten zusammen etwa 140 Mrd. Franken (rund 117 Mrd. Euro) an Marktkapitalisierung ein; das entspricht in etwa der Schweizer Wirtschaftsleis-tung eines Quartals. Da die SNB den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs (1,2 Franken je Euro) nicht mehr durch Stützungskäufe verteidigen will, brach der Kurs der Gemeinschaftswährung um bis zu 28% ein – so stark wie noch nie. Dabei markierte er mit 0,8639 Franken ein Rekordtief. In seinem Sog geriet der Euro auch zum Dollar ins Rutschen und fiel auf ein Neun-Jahres-Tief von 1,1665 Dollar.SNB-Chef Thomas Jordan verteidigt den Schritt und verneint, dass die SNB faktisch zu dem Schritt gezwungen war; er sei zuversichtlich, dass die Zinspolitik den Franken-Auftrieb bremsen könne. Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek rechnet damit, dass sich in zwei bis drei Wochen ein neues Kurs-Gleichgewicht bei 1,10 bis 1,13 Franken einpendeln werde. (ag)

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