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Herr Gutschi, was macht Unito besser als Amazon?
natalie Oberhollenzer 06.02.2015

Herr Gutschi, was macht Unito besser als Amazon?

Onlinehandel Unito wächst auch im aktuellen Geschäftsjahr wieder um fünf Prozent – der Geschäftsführer erklärt, wie

Die Differenzierungsmerkmale: Hoher Servicegrad, Zielgruppen-Spezialisierung und Nachhaltigkeit.

Salzburg. Es ist ein Meilenstein für die Unito-Gruppe: In den vergangenen Monaten machte das Unternehmen mit Sitz in Salzburg 90 Prozent seines Umsatzes über das Internet. „Damit ist uns der Switch gelungen und wir sind zum Online-versender geworden. Das ist strategisch ein ganz wichtiger Schritt”, erklärt Geschäftsführer Harald Gutschi.

Es gebe sie zwar noch, diejenigen Kunden, die den dem Katalog beigefügten Bestellschein ausfüllen, jedoch machen die Eingänge via Schein nur mehr mickrige ein Prozent des ganzen Umsatzes aus. „Das hat sich unglaublich verändert. Der Katalog hat heute mehr oder weniger nur mehr die Funktion, den Online-Shop zu befeuern und dem Kunden Inspiration zu bieten”, so Gutschi.

Weihnachtliche Sensation

„Sensationell gut” ist das Weihnachtsgeschäft gelaufen: Im Dezember 2014 gab es im Vergleich zum selben Vorjahresmonat ein Plus von 16 Prozent. Der Außenumsatz von März bis Dezember wuchs um fünf Prozent auf 222,3 Mio. € (GJ von 1.3.-28.2.). 2014 war dem Unternehmenschef zufolge wieder ein sehr gutes Jahr – und das, obwohl die Voraussetzungen nicht bei allen Produktgruppen optimal waren. Zum Beispiel, was das Textilgeschäft betrifft. Der Sommer war verregnet und in den Monaten Oktober und November war es sehr warm. Ergo hatten die Kunden weder Lust, luftige Klamotten zu kaufen, noch wollten sie sich im Herbst warme Jacken zulegen. Der Dezember habe aber einiges wieder wettgemacht.

Unitos USP

Außergewöhnlich hohe Zuwachsraten bescherte die Sparte Möbel und Living. Am zweistärksten entwickelte sich das Techniksegment – und das, obwohl der Gesamtmarkt 2014 wertmäßig um einiges geschrumpft ist. Bezogen auf die Einzelware, waren Smartphones die meistverkauften Geräte überhaupt; wertmäßig jene von Apple, mengenmäßig war das Samsung Galaxy S5 ein Verkaufsschlager.Was Unito besser macht als sein größter Konkurrent Amazon, hat der Handelsboss schnell erklärt: Während der Riese aus Amerika eher Marktplatzcharakter hat, geht Unito mit seinen drei Hauptmarken Otto, Universal und Quelle viel mehr auf die Ansprüche und Wünsche der jeweiligen Zielgruppen ein: Bei Otto stehe der Lifestyle im Vordergrund, den Kanal betrachtet Gutschi als F(emale) Commerce. „Die junge, moderne Frau, die sich modisch kleiden will, findet sich bei uns viel leichter zurecht.” Da man auf Erlebnis für die Damen setzt, sieht man hier auch eher Händler wie Zalando als direkten Mitbewerb. In anderen Produktgruppen konzentriert man sich dagegen stark darauf, dem Komplexitätsgrad gerecht zu werden. „Was viele nicht wissen: Die Otto Group ist der größte Online-Möbelhändler im D-A-CH-Raum.” Oder was das Technik-Angebot betrifft: „Wenn Sie, wo auch immer in Österreich, eine Waschmaschine bestellen, dann können wir diese binnen 24 Stunden liefern, und es kostet nichts extra”, erklärt Gutschi den Unternehmensvorteil. Das Gerät werde außerdem angeschlossen und das alte mitentsorgt. Zudem erhält der Kunde auf alle Produkte der Technik-Eigenmarke Privileg eine Garantie für drei Jahre. Und es kommt ein Techniker und repariert, wenn etwas kaputtgegangen ist. „Dieser Service ist gigantisch und deshalb kaufen so viele bei uns ein”, kommentiert Gutschi. Auch vom Preisniveau her spiele man in der ersten Liga mit. Im Oktober wurde eine wichtige Änderung vorgenommen: Paketware, genau genommen alles im Wert von über 75 Euro, wird seitdem kostenfrei geliefert (Ausnahmen bei Sperrgut), das verlangt der moderne Kunde.Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die nachhaltige Firmenstrategie, auf die der Aufsichtsratsvorsitzende des gesamten Konzerns, Michael Otto, größten Wert legt. „Unsere Beschaffungsbüros in Fernost kaufen gut und günstig ein. Gleichzeitig wird genau geschaut, ob unser Code of Conduct in den produzierenden Betrieben eingehalten wird”, so Gutschi. Daher gebe es auch keine Jeans um acht Euro, die billigste ist um immer noch günstige 20 Euro zu haben. Und apropos Textilien: Bis 2020 plant der Konzern, zu 100 Prozent auf nachhaltig produzierte Baumwolle umzustellen.

Neue Märkte

Für dieses Jahr nimmt sich Gutschi erneut ein Umsatzwachstum von fünf Prozent vor, was er in Anbetracht der Tatsache, dass die Reallöhne wieder steigen, für sehr realistisch hält. Außerdem stehen Pläne am Programm, die in Tschechien, der Slowakei und Ungarn tätige Otto Osteuropa-Konzerngesellschaft zu übernehmen – kommissarisch verantwortlich ist die D-A-CH-Gesellschaft bereits ab 2015.

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