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„Hersteller akzeptieren Status quo”
24.02.2015

„Hersteller akzeptieren Status quo”

Textilindustrie Ausbeutung in südindischen Fabriken

Neu-Delhi. „Sumangali” bedeutet in Indien „die glücklich verheiratete Frau”. Dass die Textilfabriken mit diesem Schlagwort bei Mädchen und jungen Frauen werben, ist kein Zufall. Wer drei Jahre bei ihnen arbeitet, bekomme am Ende zwischen 850 bis 2.100 € ausgezahlt. Es ist ein verlockendes Angebot – denn die Familien der Mädchen müssen traditionell ein mehrtägiges Hochzeitsfest ausrichten und oft eine Mitgift zahlen.

„Zeitgenössische Sklaverei”

Die Träume der 14- bis 20-Jährigen von einem besseren Leben und einer besseren Zukunft zerplatzen meist schnell. Denn die Fabriksarbeit bedeutet häufig Überstunden, Hunger, Eingesperrtsein und sklavenähnliche Arbeit. Rund 200.000 Mädchen und junge Frauen würden im südindischen Tamil Nadu ausgebeutet, so die Hilfsorganisation Care-Trust. Die Armut lässt vielen keine Wahl, vor allem jenen nicht, die am Ende des Kastensystems stehen. „Es ist eine zeitgenössische Form der Sklaverei”, sagt Karnam Kamaraj von der Organisation Read. Immer wieder gebe es auch Selbstmorde. Mit den ausbeuterischen Praktiken bringen NGOs Textilhersteller aus Schweden und Großbritannien in Verbindung. Die Bemühungen der internationalen Konzerne hätten in den Fabrikhallen nur minimale Auswirkungen. „Produzenten, Markenhersteller und Initiativen der Unternehmen zur sozialen Verantwortung akzeptieren de facto den Status quo”, sagt Kamaraj. (dp)

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