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Hyundai stofft mit Wasser im Tank in die Zukunft
franz j. sauer 13.02.2015

Hyundai stofft mit Wasser im Tank in die Zukunft

Hyundai ix35 FCEV Meine Freundin, die Brennstoffzelle. Oder: Wie Hyundai das Thema Zukunft aufrollt

Mit dem ix35 FCEV bringt Hyundai das erste Serienfahrzeug, dessen Tank bloß Wasserstoff schluckt.

Wien. Zunächst die Facts: Angetrieben wird der Wasserstoff-Hyundai von einem normalen E-Motor. Dessen Energiebedarf wird allerdings nicht aus sich bekanntermaßen schnell entleerenden Akkumulatoren gespeist, sondern von einer Brennstoffzelle, die aus Wasserstoff Elektrizität erzeugt. Getankt wird also Wasserstoff, derlei wird aktuell von einer einzigen Tankstelle in Österreich feilgeboten, die praktischerweise in Wien-Transdanubien zu finden ist. Und idealerweise auf das Vorbeikommen vorzubereiten ist, will man dann vor Ort nicht mit der bösen Überraschung konfrontiert werden, dass grad nicht genug Wasserstoff vorhanden ist. Weiters erweist sich der Tankvorgang als insofern problematisch, als der Kraftstoff im Tank unter Hochdruck steht (700 bar), welcher freilich auch während des Wiederbefüllens aufrechterhalten werden muss. Dies erfordert eine gewisse Choreo-grafie, die 13 Schritte des Tankmenüs gehen aber schnell von der Hand, wenn man einmal in der Groove ist.

Wir kommen weiter

Der große Vorteil gegenüber all den Steckdosen-Stromern: bedeutend mehr Reichweite. Mit einem vollen Wasserstoff-Tank kommt man ganze 500 Kilometer weit, da hält nicht mal der tolle Tesla mit. Der so betriebene E-Murl leistet 136 PS und liefert 100 Nm Drehmoment über das gesamte Drehzahlband. Das reicht für zwar nicht spritzigen, aber mehr als ansprechenden Vortrieb: In 12,5 Sekunden erreicht man die 100 km/h-Marke, bei 165 Spitze ist allerdings Schluss. Kosten­seitig werden für 100 Kilometer Reichweite 1 kg Wasserstoff à 9 Euro fällig, mit 5,64 Kilogramm Gesamtvermögen kostet einmal Volltanken also knapp 50 Euro.

E-Folklore

Das Faszinierende daran ist die – zumindest am Gerät – völlige Emissionsfreiheit, die hier irgendwie noch deutlicher zur Geltung kommt, als beim reinen Strom-auto. Auch die restliche E-Folklore findet statt: Rollt man dahin oder bremst man, wird rekuperiert, Start-Stopp ist sowieso klar, und je weniger hart man aufs „Gas” steigt, beziehungsweise, je weniger weitere elektrische Verbraucher (Heizung, Radio, Bluetooth-Telefon) man in Betrieb hat, desto weiter kommt man. Ans Verbrauch-Messen in Kilo pro 100 Kilometer müssen wir uns noch ebenso gewöhnen wie an die Tatsache, dass man nach dem Abdrehen der Fuhre noch 15 Sekunden warten muss, bis das System herunterfährt. Noch ein Vorteil gegenüber reinen Stromern: Beim Energieerzeugen per Brennstoffzelle wird Wärme frei, die zum Beheizen des Innenraums genutzt wird. Cosy, jetzt im tiefen Winter.

Minus-resistent

Der den Alltagstest mit dem FCEV gleich mal verschärft. Zwar wird herstellerseits friktionsfreier Betrieb bis minus 25 Grad Celsius Außentemperatur versprochen, ab minus 10 wird aber dennoch das Parkieren in der Garage empfohlen. Weiters bringen Schneestürme wie die aktuellen stetigen Vollbetrieb von Energiefressern wie Scheibenwischer oder Heckscheiben-Heizung, was einen im Autobahn-Stau von Wiener Neustadt Richtung Wien doch recht nervös auf die Reichweitenanzeige starren lässt. Bis jetzt ist sich alles ausgegangen, können wir an dieser Stelle vermelden. Und: E-Antriebe sind pedalseits wahnsinnig gut dosierbar, was einen völlig ohne Durchdrehen aus massiven Schneehaufen hebt. Der Allradantrieb ist beim FCEV nämlich differentialseits dem auf der Hinterachse liegenden Wasserstoff-Tank zum Opfer gefallen. www.hyundai.at

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