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Intelligente Gebäudesanierung
Christoph fellmer 27.03.2015

Intelligente Gebäudesanierung

TU Wien Gemeinsame Entwicklung der neuartigen Gebäudesanierungs-Software Semergy mit dem Spin-off-Unternehmen Xylem Technologies

Software macht auch Vorschläge auf Basis der aktuellen Gebäudesubstanz.

Semergy ist ein komplettes Beratungspaket, das auch Vorschläge machen kann.

Wien. „Sie wollen ein Haus sanieren oder ein neues umweltbewusstes, energiesparendes Gebäude bauen?”, fragt Stefan Fenz vom Ins-titut für Softwaretechnik und interaktive Systeme der TU Wien. Kein Problem, denn „die TU Wien und das TU-Spin-off-Unternehmen Xylem Technologies haben nun ein kostenloses Internettool entwickelt, das ganz eigenständig Sanierungsideen durchrechnet und die besten Varianten genau erklärt. Damit kann man ein Gebäude elektronisch abbilden und berechnen, wie viel Geld man durch bestimmte Maßnahmenpakete sparen kann.”

Viele Szenarien

Semergy ist ein Rundum-Beratungspaket: Man gibt alle wichtigen Daten über das eigene Haus ein, danach rechnet Semergy mögliche Verbesserungen durch. Das Programm schlägt Baumaßnahmen vor, es errechnet die zu erwartenden langfristigen Einsparungen, es gibt Auskunft über rechtliche Rahmenbedingungen und in Zukunft auch über öffentliche Förderungen, die man für die geplanten Sanierungen beantragen kann. Dabei berücksichtigt Semergy auch das zur Verfügung stehende Budget, die Nachhaltigkeit der verwendeten Bauprodukte und ihre Kompatibilität zueinander. Mit dem Programm kann man verschiedene Sanierungsszenarien durchspielen und die geeignetste Variante auswählen.

Neu am Markt

„Programme, mit denen man den Energiebedarf von Gebäuden berechnen kann, gibt es bereits, doch Semergy geht weit darüber hinaus”, sagt Fenz. „Ein Tool, das konkrete Sanierungsvorschläge auf Basis der momentanen Gebäudekonfiguration, des gewünschten Energieverbrauchs und des zur Verfügung stehenden Budgets anbietet, ist am internationalen Markt völlig neu.” Als Anwender ist man durch Semergy nicht mehr ausschließlich vom Urteil der ausführenden Firmen abhängig, man bekommt per Mausklick eine zusätzliche unabhängige Expertenmeinung.

Umfassende Datenbank

Aus wissenschaftlicher Sicht waren einige große Aufgaben zu lösen, um Semergy zu ermöglichen: Ein geeignetes Gebäudedatenmodell wurde entwickelt, das aufwendige, detailreiche Simulationen erlaubt und sogar die Berücksichtigung von Verschattungen zulässt. Wichtige Beiträge dafür kamen vom Bauphysiker Ardeshir Mahdavi vom Institut für Architekturwissenschaften der TU Wien. Eine umfassende Baumaterialiendatenbank wurde zusammengestellt, die auch Auskunft über zulässige Kombinationen von Materialien und ihre möglichen Einsatzgebiete gibt. Wissenschaftlich herausfordernd war auch die Entwicklung des Algorithmus, der aus der Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten in nur ein bis zwei Minuten Rechenzeit die besten Sanierungsmaßnahmen ermittelt. Nicht zuletzt musste auch ein einfaches, intuitives User-Interface programmiert werden. Ähnlich wie bei CAD-Programmen gibt man ein dreidimensionales Modell des Hauses ein; dazu muss man nicht einmal ein Programm installieren: Semergy lässt sich vollständig vom Webbrowser aus verwenden. In Aktion ist die Softwarelösung übrigens im Rahmen der Hannover Messe zu sehen, die vom 15. bis 17. April stattfindet. www.semergy.net

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