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IoT, Big Data und 5G: Return of the Networks
peter A. Bruck 05.03.2015

IoT, Big Data und 5G: Return of the Networks

Live aus Barcelona Gastbeitrag zum Mobile World Congress 2015: Tag drei der weltgrößten Handymesse

Investitionen in neue Technologien – für Länder wie Österreich ist es eine Entscheidung zwischen Zukunft durch Innovation und deren Anwendungen – oder Rückstand durch Mangel an Entschlossenheit.

Barcelona. Die marktführenden Telekomfirmen planen ihre Rückkehr ins große Geschäft – und Innovation sowie neue Technologien sind ihr Weg zurück. Die Gespräche auf dem Mobile World Congress dienen dabei nicht nur der Strategieentwicklung, sondern auch der nationalen und regionalen Positionierung. Hier geht es am Ende um EU versus US, China versus Korea.

Auch Österreich sollte sich dabei – mit A1 Telekom Austria und mexikanischer Kapitalisierung – um eine Rolle bemühen, vor allem deshalb, weil Europa schon bei der Entwicklung der gegenwärtigen 4G-Technologie nachhinkt. EU-Kommissar Günther Oettinger, zuständig für die Digitale Agenda, weist darauf hin, dass es hier um den Aufbau der Infrastruktur der Zukunft geht, die alle anderen Infrastrukturbereiche wie Straße, Schiene, Wasser, Gas, Öl usw. „radikal verändern” wird.

Cashcows „wegreguliert”

Digitale Netze, verbunden mit Mobilität, garantieren die Allgegenwärtigkeit von „Internet-Intelligenz”. Damit ermöglichen Sie entscheidende Transformationen, die das Funktionieren unserer Gesellschaft und Wirtschaft – und unsere kulturelle Entwcklung beeinflussen. Aber noch sind wir bei Weitem nicht dort angekommen, und die Gegenwart der Telcos sieht düster aus. Die Schere von fallenden Umsätzen und steigenden Investitionskosten bringt auch die Stärksten in Schwierigkeiten. Und auch hier sind die Hauptgründe Innovation und neue Technologien. Ferngespräche werden heute nicht mehr über des Telefon geführt, sondern über Skype, und Textmitteilungen nicht mehr über SMS, sondern mit WhatsApp oder Viper versendet. Damit trocknen die Erlösströme aus Sprachtelefonie und Kurznachrichten aus, mit denen die Telekom-unternehmen über fast 20 Jahre hinweg ordentliche Gewinne gemacht haben. Zusätzlich hat die EU-Kommission die Cashcow Roaminggebühren „wegreguliert”, womit die Erlöse aus der Auslandskommunikation weggebrochen sind.

„Umsatzdiebe” wie Netflix

Trotz fallender Umsätze müssen die Telekoms in neue Technologien und Infrastruktur investieren, ohne an den Umsätzen von Netflix, Facebook oder Google teilzuhaben. Wie GSMA-Chef und Telenor-Präsident Jon Fredrik Baksaas Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei einer Sitzung am Montagabend vorhielt: Internetdienstleister verdienen an Investitionen, die sie anderen – den Telcos – aufladen. Warum diese Thematik so interessant ist? Weil sich über die Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur die Zukunft eines Landes, einer Region, eines Wirtschaftsraums entscheiden wird. Smarte Infrastruktur basiert auf Internettechnologie, hat aber gänzlich andere Dimensionen: Nicht Menschen kommunizieren mit anderen Menschen, sondern Dinge mit Dingen und Menschen. Das Internet der Dinge (IoT) ist die Basis für selbstfahrende Autos und einbruchgesicherte Wohnungen. Mit den durch diese Nutzungsarten ausgetauschten Daten lassen sind bislang nicht denkbare Optimierungen erreichen. Diese reichen von der Reduktion des Wasserverbrauchs bis zum Energiesparen, von der Vorsorgemedizin bis zur individualisierten Konsumgüterproduktion.Mit dem Schlagwort „Big Data” wird diese Entwicklung nur insoweit erfasst, als der Datenstrom exponentiell steigt und Analysen nur mehr von hoch entwickelten Algorithmen durchgeführt werden können.Korea will – so erklärt KT (Korea Telecom)-CEO Chang-Gyu Hwang – die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang als ersten wirklichen „Next Generation Digi-tal Show-Case” inszenieren. Ab 2020 sollten die Netzwerke der 5. Generation zu Alltagsgeschichten werden.Die Leistungsvergleiche zwischen den verschiedenen Generationen von Telekomnetzen sind jedenfalls erstaunlich. Wie Ken Hu, CEO des neben Ericsson führenden Telekomausrüsters Huawei, vorrechnet, können in einer 5G-Zelle an die 100 Mrd. Anschlusspunkte interagieren, während es gegenwärtig in 4G nur Tausende sind und im überall verfügbaren 3G-Netz nur Hunderte.Das mag noch nicht beeindrucken. Misst man aber die Geschwindigkeit der neuen Netze, so dauert es heute mit 3G circa 17 Minuten, um ein acht Gigabyte großes Video aus dem Netz herunterzuladen, mit 4G sind es nur mehr sieben Minuten, mit 5G sind es sechs Sekunden. Für Krankenhäuser heißt das konkret, dass man von einem Online-Austausch von Gesundheitsakten (in Österreich noch immer weitgehend nicht verfügbar) zu einer Video-Konsultation und von dieser zu einer realzeitlichen Gehirnoperation schreiten kann …

5G lässt Autos bremsen

Die Unterschiede können auch gut am Beispiel des selbstfahrenden Autos festgemacht werden: Die Übertragungslatenz liegt bei 4G bei ca. 50 Millisekunden, das sind bei einer Bremsauslösung 1,4 Meter, wenn das Auto etwa 60 km/h fährt. Mit 5G wird eine Latenz von einer Millisekunde angestrebt, das wären dann 2,8 Zentimeter – also der Unterschied zwischen Unfall mit Personenschaden und Weiterfahren ohne Probleme. Für Länder wie Österreich ist es aber auch eine Entscheidung zwischen Zukunft durch Innovation und deren Anwendungen – oder Rückstand durch Mangel an Entschlossenheit und bequeme Gefälligkeit.

Peter A. Bruck ist Geschäftsführer und wissenschaftl. Gesamtleiter der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft, die Innovationen von Unis in den Markt bringt. www.researchstudio.at

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