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„Kultur, Raum & Technik” im ORF
24.02.2015

„Kultur, Raum & Technik” im ORF

Neu Der ORF verstärkt die crossmediale Zusammenarbeit – erstes Leitprojekt ist der Hypo-U-Ausschuss: inklusive Live-Ticker, Social Media-Wall & Co.

Ab 2020 wird im neuen, multimedialen Newsroom gearbeitet – die inhaltlichen Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren.

Wien. „Die Lösung der Medienkrise ist ein großes Zimmer”, meinte APA-Chefredakteur Michael Lang bei der letztjährigen Verleihung des Preises ‚Journalist des Jahres'.

Und genau dieser Gedanke scheint auch einige ORF-Kollegen umzutreiben, wenn es um den neuen, multimedialen Newsroom am Küniglberg geht.Und deshalb stellte Stefan Ströbitzer, Projektleiter des multimedialen ORF-Newsrooms, in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten auch gern nochmals klar, dass, obowhl mehrere Hundert ORF-Kollegen in diesem neu zu errichtenden Newsroom arbeiten werden, dieser eben nicht ein einzelner, großer Raum ist. „Hier werden rund 400 Menschen aus den verschiedenen Abteilungen im multimedialen Newsroom arbeiten, aber sie werden nicht in einem Raum sitzen, sondern in ganz vielen.”

Veränderungsprozess

So weit ist es aber noch lange nicht. Die Arbeiten für den neuen Newsroom beginnen 2017 und 2019, bzw. 2020 findet dann der Umzug statt.Davor gilt es aber, abseits der baulichen Maßnahmen auch noch einen anderen, nicht minder wichtigeren Weg zu gehen, um am Ende auch zu wissen, wie das neue Arbeiten in diesem multimedialen Newsroom ablaufen soll. Ströbitzer stellt den Weg dorthin unter die drei Schlagworte „Kultur, Raum und Technik”.Dafür hat sich der ORF ein neues „Leitbild für multimediales Arbeiten” verpasst; der Sender hält darin wesentliche Eckpunkte für die künftige crossmediale Zusammenarbeit seiner Redaktionen fest. „Wir sind in einem der größten Veränderungsprozesse, die der ORF je erlebt und durchgemacht har”, so Ströbitzer.Anhand des neuen Leitbilds soll künftig die Zusammenarbeit über alle Hierarchie-, Ressort- und Plattformgrenzen hinweg gestaltet werden, wie es in der Präambel des Papiers heißt, das von Mitarbeitern aus verschiedenen ORF-Bereichen entwickelt und inzwischen von der Geschäftsführung abgesegnet ­wurde. „Wir sind ein ORF auf Basis klar differenzierter Sender- und Marken-identitäten. Multimediale Zusammenarbeit der Einzelmarken stärkt die Dachmarke ORF und dient der Gesamtstrategie”, heißt es im ­Leitbild. Gemeinsame Ziele sind demnach „die ständige Steigerung der journalistischen Qualität und die Sicherung der Themenpluralität”.

„Wir lösen den Turbo”

„Wir haben ein Leitbild geschaffen, das wirklich aus der Organisation heraus kommt – übergreifende Werte für die Zusammenarbeit im ORF”, so Ströbitzer. Verstärkte crossmediale Zusammenarbeit soll dabei schon jetzt in die Redaktion einfließen. „Wir lösen jetzt den Turbo. Wir können nicht warten, bis wir 2020 in den neuen Newsroom einziehen. Die Medienwelt dreht sich jeden Tag weiter, und wir wollen aus Erfahrungen bei Testprojekten auch etwas für die Planung und Gestaltung des multimedialen Newsrooms lernen.” Erstes Leitprojekt der medien- und bereichsübergreifenden Zusammenarbeit wird übrigens der Hypo-U-Ausschuss.Ab 25. Februar geht der ORF mit einem Themenschwerpunkt und neuen Features rund um den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Hypo Alpe Adria auf ORF.at und in der ORF-TVthek online. Den Ausschuss selbst wird der Sender mit einem mehr als zehnköpfigen Team aus Fernsehen, Radio und Online begleiten. Das Angebot wird neben aktuellen TV- und Radio-Berichten Live-Ticker, eine Social Media-Wall mit Twitter- und Facebook-Einträgen sowie Video- und Audio-Beiträge zur Geschichte des Hypo-Skandals umfassen. „Wir liefern hier ein Gesamtpaket, das wir in dieser Form noch nie angeboten haben”, sagte Ströbitzer, der die gute Zusammenarbeit zwischen Fernseh- und Radio-Information sowie Online und TVthek betonte.„Wir nehmen den Pluralismus dabei sehr ernst.” Bei der Analyse des U-Ausschusses werden die verschiedenen Bereiche deshalb autonom agieren. Gemeinsam arbeitet man an einer Planungsplattform. Teamkoordinator ist TV-Wirtschaftsressortleiter Christoph Varga in enger Abstimmung mit Peter Daser von der Radio-Innenpolitik. Die journalistische Verantwortung liege natürlich weiter bei den Chefredakteuren und Redaktionen von Fernsehen, Radio und Online; Ströbitzers Aufgabe sei es lediglich, „solche Teams zu bilden”. Ähnliche Teams und Projekte werde es auch rund um den Song Contest und die Rückkehr der Champions League in den ORF geben.

Transparentes Arbeiten

Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, wird das Redaktions- und Planungssystem des ORF intern für alle journalistischen Bereiche und Landesstudios zugänglich und transparent gemacht. „Wir teilen unser Wissen und unsere Ressourcen (Bilder, Töne, Recherchen)”, heißt es dazu im Leitbild. „Selbstverständlich unter Wahrung des Redaktionsgeheimnisses und des inneren Pluralismus. Dieser Pluralismus ist ebenso wie die journalistische Unabhängigkeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine unbedingte Voraussetzung für unsere Arbeit. Wir beachten die rechtlichen, berufsethischen und handwerklichen Grundsätze und dulden keinen Missbrauch.”

Von Teams bis Ressorts

Innerer Pluralismus und journalistische Vielfalt sollen laut Projektleiter Ströbitzer auch bei der Planung des multimedialen Newsrooms oberste Prämisse sein. Das Zusammenspiel aus Sendungsteams und Fachressorts soll dort die Themenvielfalt sichern. Online und Social Media würden ins Zentrum des neuen Newsrooms rücken. Ein Newsdesk werde als Drehscheibe für die Nachrichtengenerierung und -planung dienen, die Lage der Studios und die bauliche Planung würden sich aus den Senderanforderungen und Workflows ableiten.„Der Newsroom ermöglicht uns ein flexibles Konzept. Wir können die Grundrisse relativ frei gestalten. Das wird keine echte Großraumlösung sein, sondern es wird je nach Funktionalität auch kleinräumige Aufteilungen geben”, erklärte Ströbitzer. Der multimediale Newsroom soll ab 2020 um die 400 Mitarbeiter beheimaten, Baustart ist im Frühjahr 2017. Die Radiosender des ORF würden jedenfalls ihre eigenen Bereiche erhalten und eigenständig arbeiten, so Ströbitzer. „Senderredaktionen bleiben natürlich beim Sender, für Redakteure, die tagesaktuelle Beiträge gestalten, kann es aber sinnvoll sein, im Newsroom zu sitzen.” Erfahrungen aus den crossmedialen Leitprojekten sollen in die Planungen einfließen: „Probieren geht über Studieren.” (red/APA)

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