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MArcus wild
christian novacek 27.03.2015

MArcus wild

Spar European Shopping Centers Stationär versus online, Fachmarktzentrum versus Shoppingtempel

SES-Chef Marcus Wild: Erfolgsrezept und Schwerpunkt der Branche liegt im Redevelopment.

Zurzeit ist der SES-Chef ein wenig echauffiert, denn während in Salzburg in den letzten Jahren 170.000 Quadrat­meter für Einkaufszentren gewidmet (oder eher: verwidmet) wurden, stößt der Minimal-Ausbau des bestens ­etablierten Europarks auf Widerstand.

Salzburg. SES-Chef Marcus Wild im medianet-Interview über Trends und Herausforderungen im Shoppingcenter-Business.

medianet: Herr Wild, wie defensiv ist derzeit das Einkaufszentrengeschäft aufgrund der Offensive des Onlinehandels?Marcus Wild: Bei aller Internet-Euphorie haben stationäre Einheiten weiterhin größte Relevanz für die emotionale Markenbildung. Das Internet schafft Wissen, der Store schafft Emotionen. Produkt-Inszenierungen und das Erleben der Ware stehen heute im Vordergrund.medianet: Inwieweit gehen hübsche Inszenierungsstores mit positiver Umsatzentwicklung einher?Wild: Interessanterweise haben jene Branchen, die am stärksten für das Onlinegeschäft prädestiniert sind, in unseren Einkaufszentren stark zugelegt, nämlich um 2,6 Prozent. Offensichtlich haben wir als Center die richtigen Antworten für die Zeit des Multichannelings, d.h. die Kombination aus stationärem- und online-Handel. Es gibt eine Anpassung des stationären Handels. Die Geschäfte übernehmen bei dieser Entwicklung mitunter die Rolle des Flagship-Stores. Dementsprechend befinden sich unsere Shopping-Center auf einem hohen Niveau und stehen für eine stabile Entwicklung des Unternehmens.medianet: Was sind die äußeren Merkmale dieses hohen Niveaus?Wild: Mehr Flächen für Wareninszenierung, mehr MonobrandStores, mehr Flagship-Stores. Aufenthaltsqualität ist das Non-plus-ultra. Shopping-Center mit hoher Aufenthaltsqualität können durch das geänderte Kommunikations- und Konsumentenverhalten eine höhere Frequenz erreichen.medianet: Das geänderte Konsumverhalten macht also den Offline-Spaziergang im Einkaufzentrum nicht obsolet?Wild: Im ‚Survival of the fittest' geht es nicht um entweder online oder stationär, sondern um sowohl als auch: Diese Entwicklung zeichnet sich klar ab und fordert von Shopping-Center-Gesellschaften, sich richtig in puncto Aufenthaltsqualität und Shops aufzustellen.medianet: Diese Erkenntnis mag anderen Shopbetreibern ebenfalls gesickert sein.Wild: Um ein Center gut zu managen, braucht es das Verständnis für den Handel. Wir sind selbst Händler und bringen den Spirit of Retail und das entsprechende Know-how ein, wenn es darum geht, Shops optimal im Gebäude zu planen, Frequenz in den Centern zu schaffen und unsere Shoppartner im laufenden Betrieb optimal zu unterstützen.medianet: Immer wieder entstehen Fachmarktzentren schnell und unschön auf der grünen Wiese.Wild: Die Raumordnung ist ein eigenes Thema. Im Land Salzburg wurden in den vergangenen Jahren 170.000 Quadratmeter an Verkaufsflächen gewidmet, aber für die Anpassung des Europark in der Stadt gibt es Probleme, obwohl alle vom Land beauftragten Gutachten das Projekt positiv bewerten. Es geht hier um die Umwidmung von bestehenden Lagerflächen und einen kleinen Anbau auf einem bereits mit Tiefgarage unterbautem Parkplatz. Es ist hoch an der Zeit, neue Maßstäbe einzuführen. Ein Fachmarktzentrum im grünen Umfeld einer Bezirksstadt lässt sich nicht mit einem urbanen überregionalen Stadtteilzentrum wie dem Europark vergleichen. Raumordnungsstudien sind oft Auftragsarbeiten ohne Tiefgang. Der Schwerpunkt der Branche liegt in der qualitativen Verbesserung bestehender Standorte, vom kleinen Umbau bis zum groß angelegten Redevelopment.medianet: Was wäre das in Fakten gegossene Gegenkonzept?Wild: Die organische Entwicklung in Städten und an bestehenden Standorten, statt willkürlich auf die ‚grüne Wiese' gesetzte Projekte. Vorbildliche Beispiele sind Shopping-Center in Stadtzentren, wie etwa in Ried im Innkreis. Oder von Shopping-Center-Betreibern gemanagte Einkaufsstraßen wie etwa in der Seestadt Aspern. Shopping-Center und Einkaufsstraßen sind gleichermaßen gefragt, wenn Architektur, Qualität und die Mietpreise angemessen sind. Wer hier Gegensätze schürt, tut weder der Raumordnung noch den Konsumenten etwas Gutes.medianet: Gehen wir vom Erscheinungsbild zum Inhalt – wie hat sich der Mietermix im letzten Jahrzehnt gewandelt?Wild: Unsere Shopping-Center unterscheiden sich in ihrer Positionierung und sind an den Standort angepasst, d.h. auch der Branchen- und Shopmix wird individuell optimiert. Wir gehen hier in der Analyse sehr genau auf die Region ein und bringen die Trendformate, die es in der jeweiligen Region braucht.medianet: Mitunter hat man den Eindruck, es geht weniger um die Region als darum, welcher der Zentrenbetreiber ist der erste, der ein neues Format nach Österreich bringt ...Wild: Den besten Shopmix zu bieten, ist ein Hauptziel eines Shopping-Centers – dazu gehören die neuesten Trends. Die besten Marken suchen sich die attraktivsten Standorte; umso mehr sind wir stolz darauf, für sehr viele neue Marken bereits die ers-ten Verträge abgeschlossen zu haben oder die ersten Stores inShopping-Center gebracht oder überhaupt als erster in einem Land eröffnet zu haben. Die Liste ist sehr lang – sie begann seinerzeit bei H&M und New Yorker und lässt sich bis zu Hollister, Primark oder Dressmann fortsetzen, die Konzepte der norwegischen Varner-Gruppe haben in diesen Wochen ihre ersten Läden in Österreich eröffnet.medianet: Bei all diesen international agierenden Anbietern – bleiben die Österreicher auf der Strecke?Wild: Der richtige Mix für ein Shopping-Center besteht neben nationalen und internationalen Pächtern auch aus regionalen Shoppartnern. Das macht letztlich ein Shopping-Center unverwechselbar. Natürlich legen wir großen Wert darauf, die Nr. 1 der jeweiligen Branche bei uns zu beheimaten, und geben auch neuen, vielversprechenden Konzepten eine Chance. Das inkludiert aber genauso die innovative regionale Schuhboutique-Betreiberin, die lokale Traditionsbäckerei oder Top-Gastronomen wie beispielsweise Didi Maier in Salzburg.

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