primenews
Mehr Zeitdruck trotz „Zeitsparen”
20.01.2015

Mehr Zeitdruck trotz „Zeitsparen”

Gastkommentar Der effektive Umgang mit der Zeit

„Just-in-time” Die Informations- und Kommunikationsindustrie offeriert uns permanent neue Produkte, die uns angeblich helfen, Zeit zu sparen. Das tun sie vielfach auch. Doch zugleich erscheint es, als würden wir umso stärker unter Zeitdruck stehen, je intensiver wir diese Produkte nutzen. Ähnlich verhält es sich in den Unternehmen; obwohl in ihnen heute fast alle Geschäftsprozesse IT-gestützt ablaufen, haben sie zunehmend das Gefühl: Wir können mit den Marktveränderungen immer schwerer Schritt halten.

Eine zentrale Ursache hierfür ist: Die Vorzüge der modernen (Informations- und Kommunikations-)Technologie nutzen alle Unternehmen. Also werden in der gesamten Wirtschaft die Geschäftsprozesse schneller und die Innovationszyklen kürzer. Und der effektive Umgang mit der Zeit? Er wird zunehmend ein Erfolgsfaktor, was auch moderne Managementbegriffe wie „Just-in-time” und „Time-to-market” belegen.

Multitasking prägt den (Arbeits-)Alltag

In den Unternehmen ist Multitasking gängige Praxis. Heute haben nur noch wenige Arbeitnehmer eine Stellenbeschreibung mit genau definierten Aufgaben; sie sollen vielmehr im Team vorgegebene Ziele erreichen, sind bei ihrer Arbeit auch von der Zuarbeit von Kollegen abhängig und müssen häufiger auf deren Anliegen reagieren. Ähnlich verhält es sich auf der organisatorischen Ebene. Heute laufen in den meisten größeren Unternehmen so viele, sich überlappende Projekte parallel, dass das sogenannte Multi-Projekt-Management sich zu einer neuen Schlüsselkompetenz entwickelt hat.Das Leben und Arbeiten in einem solchen Umfeld hat Konsequenzen. Hierfür ein Beispiel: Unternehmen meinen zwar immer wieder, ihre Führungskräfte seien für die Entwicklung ihrer Mitarbeiter (mit-)verantwortlich. Faktisch sinkt jedoch in den meisten Betrieben die Zeit, die Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern face-to-face kommunizieren, kontinuierlich – auch weil heute ein großer Teil der firmeninternen Kommunikation und somit Mitarbeiterführung per Mail erfolgt. Hierdurch wird der „soziale Kitt” in den Unternehmen brüchig. Denn es macht einen qualitativen Unterschied, ob man nur die Mail einer Person liest oder ihr gegenübersitzt, ihr in die Augen schaut, ihre körperlichen Reaktionen wahrnimmt und hierauf reagiert. Deshalb ist es kein Zufall, dass bei der elektronischen Kommunikation viel häufiger Konflikte entstehen – und eskalieren.Die Top-Entscheider in den Unternehmen sollten sich zudem fragen: Wie schaffen wir in unserer Organisation eine neue Balance zwischen Verändern und Bewahren, An- und Entspannung, betriebswirtschaftlichen Zielsetzungen und menschlichen Bedürfnissen? Sonst besteht die Gefahr, dass ihre Unternehmen seelenlose Wesen werden, mit denen sich die Mitarbeiter immer weniger identifizieren.

Bewerten Sie diesen Artikel

Teilen Sie diesen Artikel

Ihr Kommentar zum Thema