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Molekularbiologie bringt neue Hoffnung bei Krebs
Judith Neuteufl 06.02.2015

Molekularbiologie bringt neue Hoffnung bei Krebs

Weltkrebstag Rasante Fortschritte verbessern sowohl Diagnose als auch Therapie bei bösartigen Erkrankungen

Die Statistik verzeichnet demografisch bedingt mehr Krebserkrankungen, aber weniger Todesfälle.

Wien. Immer mehr Österreicher fallen in den kommenden Jahren in die Gruppe 65 plus, und mit dem Alter steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken. Zurzeit erkrankt jeder zweite Mensch einmal im Leben an Krebs. Insgesamt wird die Zahl der Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren weiter steigen. Die Statistik Austria rechnet für 2030 mit 44.000 Neuerkrankungen im Vergleich zu 39.300 Fällen im Jahr 2010. Innerhalb von 20 Jahren wäre das eine Zunahme um 13%. Bei den Todesfällen rechnet man für 2030 mit einem Anstieg von 16%.

Lungenkrebs nimmt zu

Paul Sevelda, Präsident der Krebshilfe, verweist aus Anlass des Welt-Krebstages auf die Bedeutung der Verbesserung der Rahmenbedingungen in Sachen Krebshilfe und fokussiert dabei auf drei Punkte: „Wir machen 2015 die Teilzeit-Rückführung von Krebspatienten in den Arbeitsprozess zu einem Ziel.” Mit zwei Drittel der Patienten, die nicht sofort nach der Therapie und Rehabilitation in das Arbeitsleben zurückkehren, „tut sich teilweise zu wenig”. Außerdem spricht er sich für eine flächendeckende palliativmedizinische Versorgung für Patienten im Endstadium der Erkrankung aus und die vollinhaltliche Durchsetzung der Regelungen zum Verbot des Rauchens in der Gastronomie. Zudem will er den Zugang zu Zigaretten für Jugendlichen erschweren.Der Anstieg von Lungenkrebs-erkrankungen von Frauen in Österreich ist besonders augenfällig. Mit aktuell rund 1.600 Neuerkrankungen pro Jahr sind heute fast doppelt so viele Frauen von einem Lungenkarzinom betroffen wie vor 20 Jahren. Mit 2.700 Fällen pro Jahr erkranken zwar immer noch mehr Männer daran, allerdings werden laut Prognosen die Neuerkrankungen bei Männern bis 2030 kaum noch ansteigen.Trotz demografisch bedingt steigender Krebsdiagnosen sinken jedoch die Todesraten. Dieser Umstand ist besonders den Fortschritten in der molekularbiologisch ausgerichteten Forschung zu verdanken. Laut Pharmaverband Pharmig liegt Österreich aber im europäischen Vergleich unter den Top 5 mit den besten Überlebensraten. Der frühe Zugang zu klinischen Studien und damit zu modernsten Wirkstoffen erhöhe die Heilungschancen, sagt Pharmig-Präsident Robin Rumler. Rund ein Drittel aller klinischen Prüfungen wird im Bereich Onkologie durchgeführt. Sowohl bei Lungenkrebs, verschiedenen Brustkrebsarten als auch Hautkrebsformen führen neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu einem Rückgang der Mortalität. Der Lungenkrebsspezialist Wolfgang Hilbe vom Wiener Wilhelminenspital erklärt: „Im Stadium IV einer Lungenkarzinomerkrankung lag das mittlere Überleben früher bei neun Monaten. Nach einem Jahr lebten nur 30 Prozent.” Mit den neuen Medikamenten liegt die Ansprechrate heute bei 70%. „Die mittlere Lebenserwartung ist von neun auf 24 Monate gestiegen.”Beim Hautkrebs kann eine medikamentöse Therapie bei Vorliegen bestimmter Mutationsmerkmale der Tumorzellen die Zeit bis zum Fortschreiten eines malignen Melanoms und die Überlebenszeit der Patienten deutlich erhöhen.

Bessere Therapien

Bei den sogenannten HER2-positiven Mammakarzinomen hat sich durch den Einsatz einer Wirkstoff-Kombination von Biotech-Medikamenten mit einem Chemotherapeutikum die durchschnittliche Überlebensdauer von Frauen mit einer Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium von ehemals zwölf bis 18 Monaten auf vier bis fünf Jahre erhöht. Die Klassifizierung der Brustkrebserkrankung in immer mehr Untereinheiten nach molekularbiologischen Kriterien ermög-licht mittlerweile eine zielgerichtete und hoch wirksame Therapie.

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