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Planungssicherheit geht vor Steuervermeidung
06.02.2015

Planungssicherheit geht vor Steuervermeidung

Zu viele Gesetzesänderungen Der Steuerstandort Österreich befindet sich weiterhin unter Druck

Kovar: Österreich könnte mit schnelleren Rulings und beständigeren Rahmenbedingungen punkten.

Wien. Im Rahmen der Deloitte European Tax Survey 2014 wurden Finanzdirektoren von nicht weniger als 814 Unternehmen aus 29 Ländern zu den größten steuerlichen Herausforderungen und Vorteilen für den Standort befragt.

„Europaweit ist etwa die Hälfte der Befragten überzeugt, dass sich ein einfacheres Steuersystem positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts auswirkt”, nennt Herbert Kovar, Partner im Bereich Tax bei Deloitte Österreich, ein wichtiges Resultat der Studie. Auf der ehemaligen „Insel der Seligen” – also Österreich – „sind mit 74,1% sogar die große Mehrheit der Befragten dieser Ansicht”.

Hintergrund: der BEPS-Plan

Im Jahr 2013 veröffentlichte die OECD den Base Erosion and Profit Shifting (BEPS) Action-Plan, um der Steuervermeidung entgegenzuwirken. 48,1% der Befragten gehen davon aus, dass der BEPS Action- Plan zu erhöhten Compliance-Kos-ten und zu aufwendigerer Dokumentation führen wird. Wurden bereits Aktionen in Zusammenhang mit BEPS gesetzt, so fanden diese bei der Hälfte der befragten Steuerexperten im Bereich Verrechnungspreisdokumentation statt. Kovar begrüßt grundsätzlich die großen Änderungsvorhaben der OECD, die umfassende Strategien für Länder erarbeitet, die von Base Erosion and Profit Shifting betroffen sind: „Die Änderungsvorhaben der OECD werden die Rechtssicherheit erhöhen, überhastete nationale Alleingänge – wie in Österreich bereits geschehen – werden aber das Gegenteil bewirken.” Konkret wird aufgrund der geplanten OECD-Maßnahmen zur Eindämmung der Steuervermeidung vor allem ein höherer Verwaltungsaufwand befürchtet.

Hohe Rechtsunsicherheit

Mehr als die Hälfte (51%) der Umfrageteilnehmer stuft Maßnahmen zur Steuervermeidung zwar als wichtig für ihre Finanzabteilung ein, gleichzeitig glauben 65%, dass diese nicht ausschlaggebend für ihre Unternehmensführung sind. Großbritannien und die Niederlande erzielten Top-Platzierungen in Bezug auf Steuer- und Rechtssicherheit.Eine höhere steuerliche Planungssicherheit halten 40,7% der befragten Manager in Österreich für wettbewerbsfördernd, in Europa sind 48% dieser Meinung. Laut Kovar ist hohe steuerlichePlanungssicherheit einer der wich-tigsten Faktoren eines erfolgrei-chen Wirtschaftsstandorts. „Da es in Österreich in den letzten Jahren zu einer Flut von Gesetzesänderungen kam, ist unser Land im internationalen Vergleich nicht mehr optimal positioniert; das bestätigte auch der im Vorjahr zum ersten Mal publizierte Deloitte.Radar deutlich”, so der Steuerexperte.30% der Befragten schätzen die Rechtsunsicherheit in Steuersachen in Österreich als hoch ein und führen sie großteils auf die Schwächen des österreichischen Ruling-Systems sowie auf die häufigen Gesetzesänderungen zurück.

Die Grundrahmenbedingung

Bei der Frage, welche kleinen Wirtschaftsräume aus steuerlicher Sicht vorteilhaft sind, schnittÖsterreich wesentlich schlechter ab als etwa die Schweiz. „Unternehmer brauchen klare Planungssicherheit in Steuerfragen. Das ist eine Grundrahmenbedingung bei der Auswahl eines Firmenstandorts”, sagt Kovar.„Somit besteht für Österreich eigentlich die konkrete Chance, durch die schnellere und unkompliziertere Erledigung von Rulings den Wirtschaftsstandort zu stärken.”

Österreich ist anders

Was die Deloitte-Studie weiterszeigt: Finanzexperten müssen Teamworker sein, denn an der Spit-ze des Zeitaufwands (70%) bei allen Befragten liegt die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen innerhalb des Unternehmens. Auf Platz 2 (65%) rangiert das allgemeine Tagesgeschäft zur Leitung der Unternehmensabteilung.Bei den Befragten in Österreich verhält es sich bei diesem Thema mit 63% bzw. 70% genau umgekehrt. Kovar: „Auffällig bei den heimischen Ergebnissen ist weiters, dass 55,6% der Teilnehmer das Thema Verrechnungspreise als Zeitfaktor nennen.”(red)

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