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Schuldenschnitt „unmöglich”
27.01.2015

Schuldenschnitt „unmöglich”

Griechenland Wahlsieg für Syriza – als Konsequenz daraus wird jetzt ein neuerlicher Schuldenschnitt diskutiert; derzeit ist das Echo negativ

Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer: „Der Euro-Raum kann ohne Griechenland sein.”

Wien/Athen. Der Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer glaubt nicht, dass die künftige griechische Regierung einen weiteren Schuldenschnitt erzwingen wird. „Ein radikaler Schuldenschnitt, gefordert durch einen erpresserischen Akt der Griechen, würde wahrscheinlich für die Griechen wenig bringen, weil sie ja eh nicht so besonders leiden unter den hohen Schulden”, so Bruckbauer. 2014 habe der griechische Staat durchschnittlich 2,46% Zinsen auf seine Schulden bezahlt, Deutschland 2,45% und Österreich 2,90%. „Die Italiener zahlen 3,38 Prozent, um den Griechen Geld um 2,46 Prozent zu leihen.” Ein Schuldenschnitt wäre politisch nicht möglich, aber bei den Zinsen könnte man Griechenland entgegenkommen, meinte Bruckbauer; auch eine Fristerstreckung für die Rückzahlung wäre denkbar.

Das wahrscheinlichste Szenario nach der Wahl sei es, dass man sich „nach ein wenig Gepolter auf griechischer Seite und Gegengepolter auf europäischer Seite hoffentlich auf höchster Ebene vernünftig zusammensetzt und etwas ausmacht, mit dem beide Seiten leben können”.

„Die Kritiker haben recht”

Auch würde ein Schuldenschnitt den Griechen derzeit nichts nützen, „außer man schenkt ihnen das Geld und unterstützt sie trotzdem weiter”. Ein Schuldenschnitt würde nämlich die Bereitschaft, den Griechen in Zukunft entgegenzukommen, gewaltig reduzieren, meint der Ökonom.Auch an eine Tilgung der Schulden sei nicht zu denken. „Wir wissen alle, dass die Griechen ihre Schulden nie bezahlen werden können; da haben die Kritiker natürlich vollkommen recht.” Aber das sei auch nicht nötig. „Es genügt, wenn die griechische Wirtschaft stärker wächst als die nominellen Zinsen. Dann können sie ihre Staatsschulden konstant halten oder sogar zurückführen, und sie könnten sie dann irgendwann, wenn sie die Bonität wieder erhalten, ersetzen durch Staats­anleihen.”Eine Rückzahlung der Schulden in absehbarer Zeit werde Griechenland nicht gelingen, das könnte auch Deutschland nicht in fünf oder zehn Jahren schaffen.Der Vorwurf, dass Griechenland reformunwillig sei, ist nach Ansicht Bruckbauers „überzeichnet”. Im Gegenteil, die Griechen hätten seit 2010 gewaltige Reformen umgesetzt. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone werde „im Hintergrund der Gespräche immer da sein”, meint Bruckbauer, aber dieses Argument habe heute „bei Weitem nicht mehr die Kraft” wie 2010 oder 2011. „Der Euro-Raum kann ohne Griechenland sein” und würde am Austritt Griechenlands nicht zerbrechen.(APA/red)

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