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Schweizerische Schockwellen
23.01.2015

Schweizerische Schockwellen

Gastkommentar SNB hebt unerwartet Interventionsgrenze auf

Kurswechsel Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hob am 15. Jänner völlig überraschend den Mindestkurs für Euro (EUR)/Schweizer Franken (CHF) von 1,20 auf und wird diesen nicht mehr mit Devisenkäufen durchsetzen. Gleichzeitig wurde das Zielband für den 3M-Libor um 0,5 Prozentpunkte nach unten verschoben, für Guthaben bei der SNB kommt ein Zinssatz von –0,75 Prozent zur Anwendung. Die nochmals tieferen Zinsen sollen CHF-Anlagen deutlich weniger attraktiv machen und die Aufhebung des Mindestkurses abfedern. Anscheinend hat die SNB den unvorhersehbaren Druck auf den Schweizer Franken im Zuge der nunmehr fast sicheren Ausweitung* des Programms quantitativer Lockerung (QE) durch die Europäische Zentralbank (EZB) vermeiden wollen. Aber selbst der Anstieg der Währungsreserven – per Ende 12/2014 auf ca. 495 Mrd. CHF – und somit der Notenbankbilanz im Zuge der dann notwendigen höheren Interventionstätigkeit hätten das Aufgeben der Interventionsschranke nicht zwingend erfordert. Die Inflationsraten weisen gerade in jüngster Zeit wieder ein deutliches Minus auf, welches durch den Ölpreisverfall noch verstärkt wird. Alternativ hätte die SNB den negativen Einlagezinssatz noch tiefer absenken können.

Es wird nicht einfacher …

Die Aufgabe des „Caps” kam völlig unerwartet und hat auf dem Markt zu regelrechten Schockwellen geführt. Die Öffentlichkeit wurde in keiner Weise darauf vorbereitet. Mit dem Bruch des „Versprechens”, dass der Mindestkurs auf absehbare Zeit das zentrale geldpolitische Instrument der SNB bleiben würde, um eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen zu verhindern, hat die SNB unserer Meinung nach massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt.Wenige Tage davor hatte SNB-Vize Danthine noch betont, dass die Interventionsmarke ein wichtiger Eckpfeiler der Schweizerischen Geldpolitik sei. Zwar wird sie weiter intervenieren – und tut das jetzt laufend –, um den CHF-Auftrieb zu dämpfen, aber im Vergleich zu früher (zwischen 2013 und dem dritten Quartal 2014 waren de facto keine Interventionen notwendig, um den Kurs oberhalb der 1,20 zu halten, die Worte der SNB hatten gereicht) dürfte dieses Unterfangen nunmehr ungleich schwieriger werden. Einerseits wird die voraussichtliche Ausweitung des EZB-QE-Programms für weiteren Euro-Druck sorgen, andererseits belasten nach wie vor die Risiken in Russland und Griechenland (‚Grexit'). Wir sehen für die kommenden Monate deshalb die Abwärtsrisiken für EUR/CHF überwiegen. Wenn die SNB dann mit Interventionen und Zinspolitik gegensteuert, das Thema Griechenland wieder abgehakt ist und sich die Eurozone konjunkturell wieder verbessert, könnte sich mittelfristig ein neuer Gleichgewichtswechselkurs von knapp über 1,00 etablieren. (*Der Kommentar wurde noch vor der EZB-Entscheidung am Donnerstag verfasst, Anm.)

Valentin Hofstätter, Leiter der Abteilung Bond & Currency Research, Raiffeisen Research; www.raiffeisenresearch.atDie abgedruckten Gastkommentare geben aus­schließlich die Meinung des Verfassers wieder. Wir behalten uns das Recht auf Kürzung vor.

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