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„Sie lesen nicht Zeitung, sondern Facebook”
corinna kelz 22.01.2015

„Sie lesen nicht Zeitung, sondern Facebook”

Woche des Zeitungslesens Österreichs Medienvertreter über Trends und Gewohnheiten junger Leser

Zeitungen, Kaffeehäuser und die Jugend „von heute” im Fokus einer VÖZ-Veranstaltungsreihe.

Wien. „Wir wollen die Funktion der Zeitungen, Magazine und Kaffeehäuser als Ort der Debatte betonen.” Mit diesen Worten leitete Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen VÖZ, vergangenen Freitag die „Woche des Zeitungslesens im Wiener Kaffeehaus” ein, eine Initiative des Verbandes Österreichischer Zeitungen und der Fachgruppe der Wiener Kaffeehäuser.

Am Montag, dem 19. Jänner, gaben in zweiter Runde Thomas Weber (the Gap), Stefan Apfl (datum), Mesi Tötschinger (VGN), Markus Muliar (Café Markusplatz) und Herbert Lackner (profil) unter der Moderation von Veronika Dolna (die Furche) ihre Meinungen rund um das Thema „Wie man junge Menschen für Zeitungen und Kaffeehäuser begeistern kann” zum Besten.

Kein sozialer Druck

Im Mittelpunkt der zweiten Diskussion, „Old Boys und Young Girls”, der Kaffeehaus-Initiative standen das geänderte Informationsverhalten der Jugendlichen und der Wandel gesellschaftlicher Maßstäbe. Den jungen Menschen, so Thomas Weber, fehle es am Verständnis für einzelne Medienkanäle und am sozialen Druck, sich zu informieren. „Sie lesen nicht Zeitung, sondern ihre Timeline auf Facebook.” Als entscheidenden Faktor führte Weber das Bildungssystem an, mit Erinnerungen an die eigene Schulzeit.„Auf den Mehrwert des Zeitungslesens bin ich in der Schule gestoßen worden; von allein wäre ich nicht darauf gekommen”, bemerkt der the Gap-Herausgeber. Abseits von beruflichen Pfaden sei der soziale Druck, zu lesen, jedoch drastisch gesunken – eine Tatsache, die auch Stefan Apfl wahrgenommen hat. „Die Lagerfeuerfunktion ist aufgesplittert worden”, kons-tatiert der datum-Redakteur mit Bezug auf die steigende Anzahl an Infokanälen. „Es entsteht ein neuer Nachrichtenstrom, jeder liest etwas anderes.”

Jugendliches Desinteresse

Der Maßstab darüber, was eine relevante Information sei, habe sich geändert. Weshalb man heute via Social Media auch „mehr Leute erreicht, als über ein klassisches Nachrichtenportal”, so Apfl und pflichtet Weber bei: „Die Antwort auf die Frage heute Abend ist die Bildung.”Im Gegenzug betonte Herbert Lackner, dass „mehr als 70 Prozent der Österreicher Zeitung lesen. Diese Zahl ist vielleicht zurückgegangen, aber es gibt immer noch viele Abonnenten.” Das Problem läge vielmehr darin, die junge Zielgruppe zu erreichen. Die Jugend von heute würden sich ihre Informationen nicht mehr aus Zeitungen holen, sondern aus dem Internet. „Nichtsdestotrotz scheitern sie nicht am Informationsstand”, so Lackner. Mesi Tötschinger von der Verlagsgruppe News VGN sprach von einem teils ungewissen Schicksal in der Zeitungslandschaft: „Ich glaube stark an die Zukunft des Magazins. Und ein bisschen weniger an die Zukunft der Zeitung”, erläuterte Tötschinger.

Lebendige Tradition

Diskutiert wurde an diesem Abend auch über die Parallelen zwischen Zeitung und klassischem Wiener Kaffeehaus. Weber beschrieb dieses als „fast innovationsfreien Raum”, wobei Markus Muliar, Betreiber des Café Markusplatz, darauf verwies, dass dort die „Tradition lebendig erhalten” bleibe. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe des VÖZ bildet ein Gespräch der Kaffeehausliteraten am Donnerstag, dem 22. Jänner, um 19 Uhr im Café Museum. Heinz Sichrovsky (News) diskutiert mit den Autoren Christine Nöstlinger, Angelika Hager und Gerhard Loibelsberger.

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