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Stimmung bleibt mau, mehr Pleiten befürchtet
14.01.2015

Stimmung bleibt mau, mehr Pleiten befürchtet

Bilanz und Prognose AKV rechnet heuer wieder mit etwas mehr Firmeninsolvenzen – nach minimalem Rückgang 2014

Gewerbe- und Handwerksbetriebe schwächeln, versuchen aber, den Personalstand zu halten.

Wien. Das neue Jahr beginnt mit einer brandaktuellen Pleitenstatis-tik – und die Prognose ist nicht allzu sonnig: 2014 gab es laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) österreichweit 5.530 Firmeninsolvenzen, das ist ein minimaler Rückgang von 1,7%. Mit 3.280 wurden 2014 um exakt zwei Insolvenzen weniger eröffnet als 2013. Abgewiesen wurden 2.250, ein Minus von vier Prozent. Privatinsolvenzen gab es 9.464, davon wurden 8.407 eröffnet – jeweils um rund sieben Prozent weniger als 2013.

Mangelnde Investitionen

Der Ausblick des AKV für heuer ist nicht der positivste – mit dem Hinweis auf gedämpfte Wirtschaftsprognosen und eine Rekordarbeitslosigkeit, die den Konsumsektor belastet. Bei den Inves-titionen gebe es Zurückhaltung sowohl aufseiten der Öffentlichen Hand wie auch von Unternehmen. Im Bereich der Firmeninsolvenzen sei, so die Conclusio, für 2015 mit einem leichten Anstieg zu rechnen; dies nicht zuletzt wegen einer res-triktiven Kreditvergabe. Immerhin sind die Gesamtpassiva aus den eröffneten Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr davor deutlich gesunken – von 6,8 Mrd. € 2013 auf 3,4 Mrd. € 2014. Allerdings war 2013 ein Ausreißer mit mehreren Großinsolvenzen – etwa der Pleite der Alpine Bau. Die durch Insolvenzen gefährdeten Arbeitsplätze gingen von noch 32.829 im Jahr 2013 auf 19.818 im Vorjahr zurück – um fast 40%.In drei Bundesländern sind die Firmenpleiten (eröffnete und abgewiesene) zurückgegangen – das waren 2014 im Jahresvergleich Kärnten (–16,06%), die Steiermark (–8,66%) und Niederösterreich (–5,25%). Sonst gab es durchwegs Zunahmen, prozentuell die stärks-te in Vorarlberg mit 17,6% von 142 auf 167 Pleiten insgesamt, von denen 90 (+ 15,38%) eröffnet wurden.Gleichzeitig wurde gestern die neueste Einschätzung der Konjunktursituation seitens der Unternehmen im Gewerbe und Handwerk veröffentlicht. Fazit: Österreichs Gewerbe- und Handwerksbetriebe stecken in einem Konjunkturtief. „Unsere Prognosen haben sich leider bestätigt. Den Betrieben geht es nicht gut und die Aussichten sind auch nicht gut”, sagte die Kammer-Obfrau der Branche, Renate Scheichelbauer-Schuster, am Dienstag bei einem Pressegespräch. Die Unternehmen brauchten dringend Impulse, um aus dieser misslichen Lage wieder herauszukommen.

„Prognosen bestätigt”

In den ersten drei Quartalen 2014 sind die Umsätze bzw. Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahr um 2,7% gesunken. Betroffen ist davon insbesondere der gesamte Bausektor, nur die Lebensmittelgewerbe konnten die Position halten. Das Stimmungsbarometer ist im vierten Quartal weiter gesunken, und zwar im Jahresvergleich von minus sieben Prozent auf minus 14 Prozent. Betriebe mit deutlich schlechterer Geschäftslage finden sich im Bereich Bau, aber auch im Kunststoffgewerbe, bei den Karosseriebauern und den Mechatronikern. Auch der Auftragsbestand ist mit minus 6,2% weiter gesunken. Diese Ergebnisse korrespondieren mit dem von 96,1 auf 93,2 Punkte gefallenen Wirtschaftsklimaindikator der EU-Kommission.Es sei „anerkennenswert, dass trotz dieser widrigen Umstände und pessimistischen Einschätzungen das Gewerbe und Handwerk seinen Beschäftigtenstand auf Vorjahresniveau halten wird”, betont Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria. Denn die Aussichten für das erste Quartal 2015 sind nicht rosig, und das Gesamtjahr 2014 dürften mehr Unternehmen als je zuvor mit Verlusten abschließen, so Bornett.(APA/red)

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