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Studie: Die Druckbranche steckt in einer veritablen Krise
lubomir polach 03.02.2015

Studie: Die Druckbranche steckt in einer veritablen Krise

Druckerkrise Beschäftigung hat sich seit dem Jahr 2001 halbiert, immer mehr Aufträge gehen ans Ausland verloren

Forderungen: Keine Mehrwertsteuererhöhung für Druckmedien, Senkung der Werbeabgabe und eine KV-Reform.

Wien. Die österreichische Druckbranche steckt in großen Schwierigkeiten. Zu diesem Schluss kommt jetzt auch eine Studie der Universität Linz: „Der Personalstand der heimischen Druckereibetriebe hat sich von 2001 bis 2014 in etwa halbiert, nämlich von knapp 19.000 Beschäftigten im Jahr 2001 auf etwas mehr als 9.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im gerade zu Ende gegangenem Jahr 2014”, schlägt Friedrich Schneider, Leiter des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz, Alarm. Selten habe er einen so drastischen Rückgang erlebt. „Die Wirtschaftspolitik ist stark gefordert, wenn man diesen Trend umkehren will”, beteuert der Volkswirt. Dieter Simon, Obmann der Fachgruppe Druck in der Wirtschaftskammer Wien, warnt daher vor der geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer für Bücher und fordert zugleich eine Senkung oder gar Abschaffung der Werbeabgabe. Die meisten Druckprodukte seien ohnehin schon höher besteuert als in den Nachbarstaaten, jede weitere Belastung würde die Nachfrage weiter schwächen.

Aufträge wandern ab

Die meisten Aufträge verlieren die österreichischen Druckereien nach Deutschland. „Erstens verstärkt sich zunehmend die Tendenz, dass Ministerien, Länder und Gemeinden für die Produktion von Druckerzeugnissen Betriebe im Ausland heranziehen”, erklärt Gerald Watzal, Präsident des Verbands Druck und Medientechnik. Das resultiere in negativen Konsequenzen für die österreichische Wirtschaft. Watzal fordert daher eine Reform des Vergaberechts zugunsten der Einbeziehung von Qualitätskriterien, um so die Auftragsvergabe an heimische Unternehmen zu erleichtern.

Vorwürfe an die Post

Besonders hart geht Watzal mit der österreichischen Post ins Gericht. Diese lässt nämlich das „Kuvert” – eine Bündelung von Info- und Werbebroschüren – bei ihrer Tochtergesellschaft in Deutschland drucken. „Mit dieser Vorgangsweise zieht die Post Druckaufträge im großen Stil aus Österreich ab”, kritisiert Watzal und wirft der Post auch Kundenklau vor. Man wisse, so Watzal, dass Postmitarbeiter dazu angehalten werden, Kunden, die ihre Werbebroschüren für das „Kuvert” in heimischen Druckereien produzieren, eigene, rabattierte Angebote mit Druck in Deutschland zu schicken.

Kostentreiber KV

Die Post sieht das natürlich anders: „Wir vertreiben das Kuvert seit Februar 2012 flächendeckend. Als teilstaatliches Unternehmen waren wir damals verpflichtet, eine internationale Ausschreibung zu machen, bei welcher der Bestbieter zum Zug gekommen ist”, erklärt Michael Homola, Pressesprecher der österreichischen Post AG. Den Zuschlag bekam die Meiller GPH mit Sitz im deutschen Schwandorf, die zu 65% der österreichischen und zu 35% der schweizerischen Post gehört. Auch den Vorwurf des Kundenklaus lässt Homola nicht gelten: „Was soll bitte daran böse sein, wenn unsere Vertriebsmitarbeiter versuchen, Aufträge für unsere Tochterfirma an Land zu ziehen?”, wundert er sich.Als dringendste Maßnahme, um wieder wettbewerbsfähiger werden zu können, sehen Vertreter der Druckerbranche eine Reform des Kollektivvertrags. „Der Grafische Kollektivvertrag enthält – historisch gewachsen – eine Vielzahl von Regelungen, die den heutigen technischen, betrieblichen und rechtlichen Gegebenheiten und Standards nur mehr bedingt Rechnung tragen”, meint Watzal. „In ihrer Auswirkung sind sie als Kostentreiber aber dafür verantwortlich, dass der Druckstandort Österreich sowohl im nationalen als auch im internationalen Wettbewerb laufend an Attraktivität verliert.”

„Digitalisierung ist schuld”

Die Gewerkschaft sei allerdings bis dato nicht zur Fortsetzung des „bis 2012 gemeinsam beschrittenen Weges” zu bewegen gewesen; seit 2013 laufende KV-Gespräche seien 2014 sistiert und sämtliche von der Arbeitgeberseite gemachten Vorschläge verworfen worden, kritisiert er.Christian Schuster, Wirtschaftsbereichssekretär in der Gewerkschaft GPA-djp, sind die Probleme in der Branche durchaus bewusst. Nicht jedoch der Kollektivvertrag, sondern die Digitalisierung und die großen Überkapazitäten in Europa hätten seiner Meinung nach den Beschäftigungsrückgang in der Druckerbranche verursacht. Erst 2012 habe man sich beidseitig auf einen neuen Kollektivvertrag geeinigt, der bis 2016 gilt. Der darin kollektivvertraglich vereinbarte höchste Facharbeiterlohn betrage nur 2.782 €, und auch die jährliche Lohnerhöhung sei sehr moderat. „Wir sind jederzeit bereit, gemeinsam mit den Arbeitgebern nach kreativen und innovativen Lösungen zu suchen. Es kann aber nicht darum gehen, im Eiltempo einseitige Verschlechterungen für die Arbeiter und Arbeiterinnen zu akzeptieren, so wie sich das Herr Watzal vorstellt”, hält Schuster abschließend fest. Das Durchschnittsjahresgehalt bei den Zeitungsdruckern liegt bei knapp über 90.000 € (brutto).Lesen Sie dazu den Gastbeitrag von Bernhard Helminger auf Seite 11 dieser Ausgabe.

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