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„Sturmwarnung” vor der Krise
19.03.2015

„Sturmwarnung” vor der Krise

OECD-Zwischenbericht Trotz besserer Aussichten für das Wachstum in der Eurozone warnt die OECD vor dem „ungewöhnlichen Wirtschaftsumfeld”

„Wachsende Sorgen” wegen Deflationstendenzen und Niedrigzinsen.

Wien. „Niedrige Ölpreise und die lockerere Geldpolitik haben die Weltwirtschaft an einen Wendepunkt gebracht”, sagte OECD-Chefvolkswirtin Catherine Mann am Mittwoch in Paris bei der Vorstellung des neuen OECD-Wirtschaftsausblicks (Titel des Handouts für die Presse: „Tailwinds driving a modest acceleration… but storm clouds on the horizon”). Für ihre Mitgliedsländer erwartet die Organisation nun ein um 0,3 Punkte höheres Wachstum von 1,4% für die Eurozone in diesem Jahr und zwei Prozent im nächsten Jahr.

Trotz dezidiert besserer Aussichten für das Wachstum in der Eurozone warnt die OECD jedoch vor einer neuen Finanzkrise: Man ist wegen der Deflationstendenzen besorgt und auch wegen der extrem niedrigen Zinsen.

Umfeld ist „ungewöhnlich”

Für Deutschland sagt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Wachstum von 1,7% heuer und 2,2% im nächsten Jahr voraus. Frankreich und Italien schneiden deutlich schlechter ab mit 1,1% bzw. 0,6% in diesem Jahr (2016: 1,7 bzw. 1,3%). Die Eurozone könne der Stagnation dank der „mutigen” Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) entgehen, urteilt die OECD. Auch die niedrigeren Ölpreise führen die OECD-Ökonomen als Grund für die Besserung an.Doch während die OECD im November noch die Probleme der Eurozone als eine Hauptgefahr für die Weltwirtschaft ansah, warnt sie nun vor „Sturmwolken”, die aus anderen Gründen aufziehen könnten. Das wirtschaftliche Umfeld sei „ungewöhnlich”: negative Inflationsraten in vielen Ländern und historisch niedrige Zinsen weltweit. Bis zu einem bestimmten Punkt seien die beiden Phänomene willkommen – nun aber „Quelle wachsender Sorgen”. So schätzt die OECD, dass die Wirtschaft v.a. in Europa durch eine Deflation gelähmt werden könnte – und angesichts des Ausmaßes der Zinsabsenkung be-stehe die Gefahr, dass die Märkte wegen enormer Liquidität blind zu hohe Risiken eingehen: „Eine schlechte Einschätzung des Risikos war im Zentrum der vorangegangenen Finanzkrise (2008) und es scheint wohl, dass dieses Phänomen heute wieder auftaucht”, heißt es.

IWF reagiert abwartend

Auch der IWF ist wegen der Risiken vieler Investoren und der starken Bewertung mancher Vermögenswerte besorgt, was deutliche Korrekturen zur Folge haben könnte. Bisher spricht IWF-Chefin Christine Lagarde aber nicht von einer „Blase”.Für Österreich wurden in diesem Zwischenbericht der OECD keine separaten Werte ausgewiesen. Zuletzt hatten jedenfalls die Wirtschaftsforscher des Wifo den „langsamen Erholungskurs” der heimischen Wirtschaft als „auf wackligen Beinen” charakterisiert. Österreich sei von der Überhol- auf die Kriechspur gewechselt und werde 2015 und 2016 schwächer wachsen als Europa, sagte Wifo-Chef Karl Aiginger. (APA/red)

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