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Thomas Schmiedbauer
Jutta Maucher 17.02.2015

Thomas Schmiedbauer

Wiesbauer Der Wiener Wurstproduzent bietet Produkte für Diskonter, Supermarkt und Top-LEH-Outlets an

2014 konnte ein Umsatz von 93 Mio. Euro und eine Umsatzsteigerung von drei Prozent erzielt werden.

Geschäftsführer WiesbauerWenn es um die Wurst geht, ist Vielfalt das Gebot der Stunde - sowohl im ­Angebot als auch in der Vertriebsstruktur. Somit konnte Wiesbauer auch im rück­läufigen Markt reüssieren.

Wien. Der Markt für Wurst- und Fleischwaren ist schon seit Jahren rückläufig, im Jahr 2014 lag der Rückgang sogar bei mehr als 2,6 Prozent gegenüber 2013. Wiesbauer konnte trotzdem wachsen und zwar besonders bei Wurst und hier wiederum vor allem am heimischen Markt. Das Wachstum lag im Vorjahr bei drei Prozent, die Absatzsteigerung in Österreich sogar bei fünf Prozent. Bei Wiesbauer Österreich wurde 2014 somit ein Umsatz von 93 Mio. € erzielt, der Umsatz der gesamten Wiesbauer-Gruppe lag bei 170 Mio. €, der Absatz bei Wiesbauer Österreich bei 12.000 Tonnen und jener der Gruppe bei 25.000 Tonnen. „Für mich ist Genuss das Wichtigste. Diesen stets zu verbessern, motiviert mich täglich, um die nachhaltige Qualität weiter auszubauen. Mit diesem ständigen Streben nach hoher Qualität konnten wir uns auf einem schwierigen Markt gut behaupten”, sagt Geschäftsführer Thomas Schmiedbauer.

Schwankende Rohstoffpreise

Eine besondere Herausforderung stellte in den letzten Jahren die Rohstoffsituation dar. Schwankende Rohstoffpreise sind mittlerweile an der Tagesordnung: fünf Prozent nach oben oder nach unten innerhalb einer Woche sind keine Seltenheit mehr. Schmiedbauer relativiert: „In der geschnittenen Wurstware, die bei uns bereits mehr als 50 Prozent des Umsatzes ausmacht, betreffen lediglich 35 Prozent der Produktkosten den Rohstoff.” 25 Prozent der Kosten entfallen auf Personalausgaben und rund 40 Prozent auf Hilfs- und Betriebsstoffe; dazu zählen etwa Gewürze, ebenso aber Verpackungsmaterialien, wie Karton, Etiketten oder Folien. Es geht daher vielmehr darum, dass auch diese Kosten, die abseits vom Rohstoff anfallen, ständig steigen. „Wenn beispielsweise die Personalkosten zweimal um rund jeweils zwei Prozent erhöht werden, erfordert dies einen um ein Prozent höheren Verkaufspreis beim Handel”, nennt Schmiedbauer ein praktisches Beispiel. Und Personal ist ein Thema; schließlich werden bei Wiesbauer wegen des Qualitätsanspruchs noch viele Fertigungsschritte in Handarbeit gemacht.

Top: Bistro & Shop

Ein Teil dieser handwerklich hergestellten Produkte findet sich dann in den Wiesbauer Bistro Shops wieder. „Wir haben mit einem kleinen Standort im Hanusch-Krankenhaus angefangen, aktuell verfügen wir über sieben Standorte. Heuer werden noch zwei weitere Wiesbauer Bistro Shops eröffnen, denn „das Bistro-Shop-Konzept hat noch genügend Potenzial”, so Schmiedbauer, der weiter ausführt: „Hier bieten wir auf hohem Niveau unter anderem echte Spezialitäten wie Kräuter-Beef an, aber auch regionale Schmankerl und Hausmannskost gehören zum Programm.” Und noch etwas zeichnet diese Shops aus: „Wir holen uns hier Erfahrungswerte, wie neue Produkte beim Konsumenten ankommen.”

Exklusive Angebote

Da wundert es dann nicht, dass der Geschäftsführer von den gro-ßen Händlern des Landes angerufen wird, weil diese etwas in den Wiesbauer Bistros entdeckt haben, das auch für sie interessant ist. Zumeist handelt es sich hierbei um Nischenprodukte für exklusive Standorte, wie etwa Merkur am Hohen Markt oder Billa Corso. Dorthin passt dann beispielsweise der Schinken des Managaliza-Schweins oder Edelteile von Iberico bis hin zu US Beef-Spezialitäten. „Wir sprechen hier nicht von großen Mengen, jedoch zählt hier die Qualität sowie die Kompetenz, diverse nationale sowie internationale Spezialitäten anbieten zu können, und nicht der Preis auf beiden Seiten”, sagt Schmiedbauer.

Gute Wurst für alle

„Auch dem Diskont verdanken wir einen Teil unseres Wachstums; hier geht es auch um Menge, aber die Qualität ist immer mehr gefragt”, so Schmiedbauer. Und: „Durch die Diskonter gelingt es uns, in vielen Exportmärkten besser vertreten zu sein. Lidl beispielsweise vertreibt die Wurstprodukte unserer Zweitmarke nicht nur in Österreich, sondern auch in 15 weiteren EU Ländern.” Die Diskont-Produkte sind dabei durchaus hochwertig, weichen aber im Gegensatz zu den Wiesbauer Original-Produkten immer ab, wie beispielsweise durch geringeren Rindfleischanteil, einfachere Rezepturen oder kürzere Abtrocknungen.

Überraschung geplant

In unterschiedlichen Vertriebslinien mit jeweils qualitativ hochwertiger Ware vertreten zu sein, ist somit der wesentliche Faktor des Erfolgskonzepts. Auch der Export spielt eine Rolle, allerdings ist das Unternehmen da auf Deutschland fokussiert. Für Schmiedbauer muss es sich jeweils auszahlen, eine eigene Landesstruktur aufzubauen und das ist aktuell in keinem anderen Land der Fall. Ein dritter Faktor, der manchmal einen Vorsprung schafft, sind Innovationen. „Wir werden Ende März mit etwas völlig Neuem auf den Markt kommen. Aktuell nur so viel: Die ungekühlte SB-Ware ist auch bei uns rückläufig und hier möchten wir ansetzen. Vielleicht kann auch dieses Segment, ebenso wie die geschnittene Ware, mit unserer Innovation wieder auf Wachstumskurs kommen”, so Wiesbauer.

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