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Treten Autos schon bald in Kontakt mit ihrer Umwelt?
Moritz KOlar 23.01.2015

Treten Autos schon bald in Kontakt mit ihrer Umwelt?

Fraunhofer IAO Wissenschaftler der deutschen Forschungseinrichtung entwickeln „kommunizierendes” Fahrzeug

Mithilfe von Software soll die Emotion des Fahrers nach außen (z.B. über LEDs) übertragen werden.

Wien/Stuttgart. Wie oft waren wir selbst schon in unübersichtliche Verkehrssituationen verwickelt? Sind wir etwa über einen Zebrastreifen gegangen, während ein Auto nur mit letzter Not davor halten konnte, oder haben wir selbst einem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt genommen? Meist reagieren wir darauf verärgert oder entschuldigend. Weil wir unseren Fehler einsehen, den des anderen Verkehrsteilnehmers aber nicht verstehen wollen und eine Kommunikation von Verkehrsteilnehmer zu Verkehrsteilnehmer – einige wenige Handzeichen ausgenommen – meist schwierig ist. Geht es nach den Wissenschaftlern am Fraunhofer IAO in Stuttgart, dann soll sich das aber bald ändern, dann könnten Autos in Zukunft nicht nur allein fahren, sondern auch mit ihrer Umwelt kommunizieren.

„Interaktion wird kommen”

Um zu erforschen, wie Menschen auf die Ansprache eines Autos reagieren, entwickeln die Forscher gerade ein Erprobungsfahrzeug, dem eine Idee von Jungwissenschaftler Sebastian Stegmüller zugrundeliegt, die ein wenig an den sprechenden Sportflitzer K.I.T.T. aus der US-Serie „Knight Rider” erinnert: Software soll demnach die Emotionen des Fahrer nach außen tragen, LEDs an den Scheinwerfern Augenbrauen andeuten, auf einem Display am Kühler werden Schriftzüge aufleuchten. Mithilfe von Kameras und Sensoren sollen die Reaktionen von Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern aufgegriffen und erkannt werden.Nur Spielerei oder Zukunftstechnologie? „Interaktion und Kommunikation von Fahrzeugen werden kommen, das ist klar”, sagt Sascha Ott, Geschäftsführer des Zentrums Mobilitätssysteme im Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das werde nicht ohne Auswirkungen auf die äußere Form des Autos bleiben, erläutert Ott und spricht mit Blick auf den knappen Straßenraum von „Fahrzeugen, die sich ineinander verschachteln und auf den Bauraum minimieren, den sie gerade brauchen”.

Hochmodulares Auto-Modell

Sebastian Stegmüller vom Fraunhofer IAO hat da schon recht konkrete Vorstellungen: „Unsere Vision des Autos ist ein hochmodulares Modell. Es hat einen Ball als Vorderachse, um auf kleinem Raum rangieren zu können; außerdem lässt es sich je nach Bedarf erweitern. So kann es schmaler sein, als die schon heute erhältlichen elektrischen Einsitzer, aber auch Raum für fünf Personen bieten.”Zweifel am Auto als Verkehrsmittel seien jedenfalls nicht angebracht. „Das Auto ist das Verkehrsmittel Nummer eins, das wird auch noch in 15 bis 20 Jahren so sein”, sagt Stephan Kritzinger vom Beratungsunternehmen Prognos, das für Shell Deutschland Zukunftsszenarien zur Entwicklung des Autos entworfen hat. Im ländlichen Raum, so seine Erwartung, werden die Menschen nicht auf das Auto verzichten können.

Taxis werden kommunikativ

Und auch in den Städten werden sich durch neue Technologien völlig neue Automobilfunktionen erschließen: Visionen der Forscher zufolge würden Taxis in Zukunft elektrisch fahren und mit ihrer Umgebung kommunizieren. Passanten könnten dann erkennen, wenn jemand in der Nähe den gleichen Weg habe und sich Taxi wie Weggeld mit anderen teilen. www.iuk.fraunhofer.de

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