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Zu wenig Geld für unsere Frauen
PAUL CHRISTIAN JEZEK 06.03.2015

Zu wenig Geld für unsere Frauen

Nur der vorletzte Platz in der Europäischen Union Beschämender Status quo: In Österreich existiert nach wie vor eine sehr große Lohndifferenz

Es gibt auch gute Beispiele: die besten Arbeitgeber für Frauen im Überblick.

Wien. Österreichs Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer – laut dem „Gender Pay Gap” von Eurostat beläuft sich die Differenz auf 23%. Im EU-Vergleich rangiert Österreich damit an vorletzter Stelle, noch größere Unterschiede gibt es nur in Estland (29,9%).

2006 belief sich die Differenz in Österreich sogar noch auf 25,5%, seither wurde sie also wenigstens etwas geringer. Der EU-Durchschnitt beträgt seit einigen Jahren rund 16%.Eine ähnlich große Einkommensdifferenz wie Österreich weisen Tschechien (22,1%) und Deutschland (21,6%) auf. Ungefähr im EU-Durchschnitt liegen etwa Frankreich, Zypern und die Niederlande. Exakt 16,4% sind es in Dänemark.Verglichen wird der Bruttostundenverdienst standardisierter Löhne und Gehälter von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft.

Vorbild Slowenien

Die größte Lohngerechtigkeit bietet Slowenien, hier beträgt die Lohndifferenz nur 3,2%; ebenfalls geringe Unterschiede zwischen Männer- und Frauengehältern gibt es in Malta (5,1%) und Italien (7,3%).Neuerungen könnte es im Herbst bei den Einkommensberichten geben, die für mehr Transparenz und damit eine geringere Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen sorgen sollen – derzeit wird die 2011 beschlossene Maßnahme evaluiert. Betriebe wurden durch Inkrafttreten der Gleichbehandlungsgesetzesnovelle 2011 verpflichtet, Einkommensberichte zu erstellen. Eingeführt wurden sie stufenweise. Seit 2014 müssen auch Unternehmen mit 150 Mitarbeitern einen Bericht erstellen. Eine Verpflichtung besteht seither auch für die Gehaltsangabe in Stellenanzeigen. Ziel beider Maßnahmen ist die Lohngerechtigkeit.

„Brave” vor den Vorhang

Die Top 10 der frauenfreundlich-sten Arbeitgeber hat vor Kurzem das Arbeitgeber-Bewertungsportal kununu in einer branchenübergreifenden Datenauswertung erhoben.Basierend auf 77.524 Mitarbeiter-Erfahrungsberichten, wurden jene Unternehmen ausgezeichnet, die Höchstnoten in der Kategorie „Gleichberechtigung” erzielten sowie die Benefits „Flexible Arbeitszeiten” und „Homeoffice” erfüllen. „Die meisten platzierten Unternehmen kommen aus den Branchen EDV & IT, Versicherungen und Telekommunikation”, kommentiert kununu-GF Florian Mann, der mit diesem Ranking frauenfreundliche Unternehmen hervorheben und auf Verbesserungspotenziale aufmerksam machen möchte: „Es gibt immer noch Unterschiede in Gehalt, Aufstiegschancen und Förderung. Viele Arbeitgeber positionieren sich nach außen hin als ‚frauen- oder familienfreundlich’ – schaut man sich allerdings die Erfahrungsberichte der Mitarbeiter an, sieht die Wahrheit oft anders aus!”

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