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IMPULSE - der Strategie Austria Blog #16 Stefan Pagitz

IMPULSE - der Strategie Austria Blog #16 Stefan Pagitz

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Der Feind in meinem Bett

 

98% aller weltweiten Daten sind nicht älter als 2 Jahre alt. Tag für Tag werden in Lichtgeschwindigkeit x Gottes Zahl hoch 17 immer neue Daten generiert, die uns das Leben vereinfachen sollen.

Diese Daten werden von den Menschen gesammelt, die vor lauter Langeweile an allen Plätzen dieser Welt auf ihre mobilen Kommunikationsmittel starren und Information v.a. wegschmeißen aka wegwischen.

Was übrigbleibt, ist eine sehr kleine Anzahl an Information, die von diesen Rezipienten wahrgenommen wird. Verschwindend klein.

 

In Zahlen:

 

80% der Information nehmen wir nicht einmal wahr, d.h. sie verpufft vor unseren Augen, Ohren, Sinnen, als würde es sie gar nicht geben.

 

98% können nicht gespeichert werden, d.h. vom kommunikativen Überangebot werden überhaupt nur satte 2% gespeichert.

Gespeichert, nicht bewertet, nicht geliked oder in irgendeiner anderen Art und Weise interpretiert.

 

Aber wie sieht es mit relevanter Information aus? Wie viel Prozent dieser Information ist für die Menschen überhaupt relevant?

 

Die nackte Wahrheit: So gut wie keine.

 

Marken verhalten sich wie ungebetene Gäste auf einer Party, die plötzlich in geselliger Runde hinter dem Sofa hervorspringen, laut schreien:

Ich bin der Tollste, ich bin der Beste, Schönste, die beste Partie: Kauf mich, Du Sau! Wenn man diesen ungebetenen Gast dann im optimalsten Sinne freundlich hinauskomplementiert, geht er nicht, er verfolgt einen aufs Klo, in die Küche, wenn man schlafen geht, liegt er neben einem, er weckt einen auf, er sitzt in der U-Bahn neben Dir und verfolgt Dich in einer Tour. Ziemlich nervig, oder?

 

Was machen moderne Kommunikatoren? Sie potenzieren die Möglichkeiten der Verfolgung, sie potenzieren die Nervigkeit bis ins Unerträgliche. Mit welchem Effekt? Damit einen die Nervensäge sympathischer wird? Wohl kaum. Sie werden versuchen zu flüchten, oder?

 

Daher ein gut gemeinter Appell an alle Kommunikatoren: Wie wäre es mal mit Relevanz statt Sekanz, mit Empathie statt Hysterie, mit echten Insights statt Infights.

Kurz: mit relevanter Information, nach denen die Konsumenten suchen. Nach sinnstiftenden Inhalten, einer Haltung, mit der sich die Menschen identifizieren können.

 

Mit welchen Inhalten die automatisierte Kommunikation der Zukunft gefüttert wird, wird den Unterschied machen. Marken mit Sinn machen den Unterschied, Marken mit Sinn werden den Unterschied machen:

 

Purpose is the new Digital!

Autor: Stefan Pagitz (www.pagitzbrandconsulting.at) ist Selbständiger Markenstratege, Werbepsychologe und Vorstandsmitglied von Strategie Austria. Seine Erkenntnisse aus über 20 Jahren Strategiearbeit frei nach David Ogilvy: "Der Kosnument ist nicht irgendein Idiot. Er ist deine Frau." Mit Konsumenten zu sprechen, ihnen zuzuhören und ihren Standpunkt einzunehmen ist oft mehr als die halbe Miete in der Entwicklung von relevanten und erfolgreichen Kampagnen.

Illustration: www.lanalauren.design