AUTOMOTIVE BUSINESS
© Magna International

Magna-Europe-Chef Günther Apfalter prophezeit dem Grazer Magna Steyr-Werk ab 2018 eine jährliche Produktion von 200.000 Fahrzeugen – aktuell sind es lediglich rund 80.000 Stück.

Redaktion 29.11.2016

Bei Magna ist alles auf Schiene

Der Zulieferer blickt zuversichtlich in die Zukunft und plant ein neues Werk in Österreich, Slowenien oder Ungarn. Kritik gibt es von Magna-Europe-Chef Günther Apfalter an der von der Regierung beschlossenen Kaufprämie für Elektroautos.

WIEN/AURORA. Der austrokanadische Autozulieferer Magna International liegt im laufenden Jahr deutlich über den Erwartungen. Von Jänner bis September kletterte der Umsatz des Unternehmens um 15% auf 27,19 Mrd. USD (24,51 Mrd. €). Weniger gut lief es dabei allerdings für Magna Steyr und das Grazer Werk: Nachdem im Jahr 2015 um 17% weniger Autos gebaut wurden als 2014, betrug das Minus im ersten Quartal des laufenden Jahres 23%. Die Umsatzprognose für Magna Steyr wurde daher fürs Gesamtjahr 2016 von zuletzt 2,0 bis 2,3 auf 2,0 bis 2,2 Mrd. USD eingeengt.

Magna überlegt trotzdem, neben dem Grazer Werk ein neues zu bauen – Österreich, Slowenien und Ungarn sind dabei Kandidaten, sagte Magna-Europe-Chef Günther Abfalter vor wenigen Tagen. Die Entscheidung werde im ersten Halbjahr 2017 fallen. In Österreich würde es wohl nicht Graz werden: „Man muss das Risiko streuen, schon wegen des Fachkräftepotenzials.“

Das Magna-Werk in Graz befindet sich aktuell in einer Übergangsphase, da die Herstellung des Mini am Auslaufen ist, und die des 5er-BMW noch nicht angelaufen. Momentan läuft nur die Mercedes-G-Klasse vom Band. Das Grazer Werk sei kostenmäßig aber so aufgestellt, dass es den derzeitigen Durchhänger in der Produktion verdauen könne, so Apfalter. Der Magna-Manager weiter: „Ohne größere geopolitische Krisen ist Graz dann ab 2018 wieder voll ausgelastet und wird etwas über 200.000 Stück produzieren.“ Zuletzt waren es rund 80.000 Stück.

Auch das erste Elektroauto von Jaguar, der auf der Auto Show in Los Angeles präsentierte I-Pace, könnte laut einem Bericht der „Kleinen Zeitung“ ab Frühjahr 2018 in Graz gebaut werden. Tatsächlich haben die Steirer Großaufträge aus dem Hause Jaguar Land Rover (JLR) in der Tasche; unklar war bisher aber noch, um welche Modelle es sich handelt.

Derweil ließ Apfalter mit Kritik zur jüngst von der österreichischen Regierung beschlossenen Prämie von 4.000 € beim Kauf von Elektroautos aufhorchen: „Die Regierung könnte sich das Geld sparen; sie sollte lieber auf die nächste Generation E-Mobilität warten“, sagte Apfalter. Da sei „technologisch noch viel drinnen“ - von der Reichweite her, von den Ladestationen, vom Gewicht und vom Preis, so der Manager des Autozulieferkonzerns. Der richtige Zeitpunkt ist aus der Sicht Apfalters in drei bis vier Jahren: „Bis dahin sollte sich die Regierung das Geld aufheben.“ Wobei die staatliche Förderung auch dann als Initialzündung zu verstehen wäre, meint Apfalter. „Im Endeffekt muss der Konsument überzeugt sein, dass das Elektrofahrzeug das richtige ist.“ (red)

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL