AUTOMOTIVE BUSINESS
© Daimler

Wolfgang Bernhard war 1994 zu Daimler gekommen; nach einem Intermezzo bei VW kehrte er 2009 zur Marke mit dem Stern zurück.

Jürgen Zacharias 16.02.2017

Personal-Überraschung bei Daimler

Lastwagen-Chef Wolfgang Bernhard verlässt den deutschen Autobauer überraschend, Konzernchef Dieter Zetsche übernimmt übergangsweise seine Aufgaben.

STUTTGART. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass Daimlers erfolgreicher Lastwagenchef Wolfgang Bernhard seinen im Februar 2018 auslaufenden Vertrag verlängern wird. Nun kommt aber doch alles anders: Zuerst kündigte Bernhard an, den Vertrag auslaufen lassen und selbstständig arbeiten zu wollen, nun wurde der 56-Jährige sogar mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt, wie Daimler bestätigte. Bernhard scheide auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus, hieß es in der Pressemitteilung.

Übergangsweise wird Konzernchef Dieter Zetsche die Leitung dieses Geschäftsfelds übernehmen. Zetsche hatte den Posten des Nutzfahrzeugchefs schon einmal inne - Ende der 1990er-Jahre. Als potenzielle Nachfolger Bernhards werden die Namen von Volker Mornhinweg, Chef der Transporter-Sparte, und Stefan Buchner, Chef der Lastwagenmarke Mercedes-Benz und verantwortlich für das Europageschäft, ins Spiel gebracht. Beide sind mit 57 Jahren allerdings schon älter als Bernhard selbst. Chancen werden auch dem Produktionschef der Pkw-Sparte, Markus Schäfer (51), eingeräumt. Er bringe die Technikaffinität mit, die für das Lastwagengeschäft notwendig sei, heißt es im Umfeld des Konzerns. Auch das Alter spricht für Schäfer.

Bernhards Abgang trifft den Autobauer zu keinem glücklichen Zeitpunkt: Das Lastwagengeschäft läuft derzeit nicht rund, weil wichtige Märkte wie Nordamerika, Brasilien und Indonesien schwächeln. Im vergangenen Jahr verkauften die Stuttgarter mit 415.100 Einheiten knapp 90.000 weniger als im Vorjahr; dabei schaffte es Bernhard, trotz der Schwäche die Gewinnmarge hoch zu halten.

Ein neues Sparprogramm, das jährlich 400 Mio. € Ersparnis bringen soll, soll den Bereich zumindest, was den Gewinn angeht, wieder auf Kurs bringen; Bernhard wollte Details dazu bis Ende März ausarbeiten. Auch einen Stellenabbau schloss der als harter Sanierer bekannte Manager zuletzt nicht aus. (jz)

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