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Bain-Studie: Jetzt kommt der große Ladeboom © APA/AFP/Frederic J. Brown
© APA/AFP/Frederic J. Brown

Redaktion 25.11.2022

Bain-Studie: Jetzt kommt der große Ladeboom

Die Umsätze mit Ladeinfrastruktur sollen allein in Europa bis 2030 auf bis zu 55 Mrd. Euro steigen.

••• Von Moritz Kolar

Elektroautos sind weltweit auf der Überholspur. Während hierzulande der Neuzulassungsmarkt von Jänner bis September insgesamt ein Minus von 19,7% ausweist, stieg die Zahl der erstmals zum Verkehr zugelassenen Stromer im Jahresvergleich um 1,2 Prozent. Global fallen die Zuwachszahlen sogar noch stärker aus. So wurden im vergangenen Jahr weltweit rund doppelt so viele Elektroautos verkauft wie noch im Jahr davor, und auch heuer dürfte es laut aktuellen Zahlen des Datenportals EV Volumes neuerlich einen kräftigen Anstieg geben.

Märkte werden heute verteilt

Davon profitieren in erster Linie die Hersteller von Elektroautos, zunehmend aber auch die Anbieter und Betreiber der für den Betrieb der Fahrzeuge notwendigen Ladeinfrastruktur. Laut der aktuellen Studie „Electric Vehicle Charging Shifts into High Gear” der Unternehmensberatung Bain & Company entwickelt sich der Bereich zunehmend zum Milliardenmarkt.

„Die Märkte von morgen werden heute verteilt”, betont Eric Zayer, Bain-Partner und Co-Autor der Studie. Deshalb haben Automobilhersteller und -zulieferer sowie Elektrizitätsunternehmen, aber auch Öl- und Gaskonzerne bereits damit begonnen, sich gemeinsam mit Partnern die besten Standorte zu sichern und digitale Plattformen aufzubauen. „Viele Unternehmen wollen an dem Boom partizipieren, der rund um die Ladeinfrastruktur für E-Autos einsetzen wird.”

Zuwächse in Europa und USA

Tatsächlich werden nach Bain-Analysen die Umsätze in diesem Bereich allein in Europa bis zum Jahr 2030 auf 40 bis 55 Mrd. € steigen. Derzeit sind es sieben bis acht Mrd. €. Der Gewinn wiederum dürfte sich auf bis zu fünf Mrd. € belaufen.

Noch höher dürften die Umsätze in den USA ausfallen: Bis zum Ende der Dekade werden dort Erlöse zwischen 53 und 70 Mrd. € erwartet.
Das meiste Geld wird zunächst in den Aufbau von Schnell­ladestationen in verkehrsreichen Regionen fließen. Dabei sollte es allerdings nicht allein um Tankstellen in neuem Gewand gehen.
„Viele Fahrerinnen und Fahrer von E-Autos bevorzugen im Alltag das Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz und benötigen Schnellladestationen vor allem auf langen Strecken”, erklärt Ingo Stein, Practice Director Automotive und Mobilität bei Bain und Co-Autor der Studie. „Welche Lademöglichkeiten sich wo durchsetzen, wird von der vorherrschenden Wohnsituation und der nationalen Regulierung abhängen, aber auch von den individuellen Präferenzen der Nutzerinnen und Nutzer sowie dem jeweiligen Fahr- und Ladeverhalten.”

Vielfältige Lösungen

Mittelfristig werden diejenigen Lösungen von großer Bedeutung sein, bei denen das Aufladen von Fahrzeugen mit intelligenten Energiedienstleistungen der nächsten Generation verknüpft ist, so die Bain-Autoren.

Auf solche Smart Energy Services dürfte 2030 bereits etwa ein Drittel des weltweiten Gewinns entfallen. Im Fokus stehen sogenannte Vehicle-to-Grid- und Vehicle-to-Home-Konzepte. Dabei geht es im Kern darum, dass Fahrzeuge nicht nur Strom aus dem Netz beziehen, sondern diesen auch speichern und wieder abgeben können.
„Die Batterien von Elektrofahrzeugen werden sich zu einem wichtigen Zwischenspeicher entwickeln, um Angebot und Nachfrage bei der stark schwankenden regenerativen Stromerzeugung auszugleichen”, so Stein.

Genaue Analyse notwendig

Bain-Partner Zayer resümiert: „Unabhängig von den aktuell steigenden Stromkosten ist der Trend hin zu batterieelektrischen Fahrzeugen ungebrochen. Wer in das Ökosystem rund um die Ladeinfrastruktur für E-Autos investieren will, muss den Markt genau analysieren, Chancen erkennen und konkrete Handlungsszenarien entwickeln.”

Und er fügt hinzu: „Zu den Gewinnern werden diejenigen gehören, die frühzeitig erkennen, welche Fahrerinnen und Fahrer künftig welche Ladepunkte nutzen werden und welche Services sie dort erwarten.”

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