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Bei Roboter-Autos ist die Skepsis weiterhin hoch © Panthermedia.net/SIphotography
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Redaktion 06.03.2020

Bei Roboter-Autos ist die Skepsis weiterhin hoch

Deloitte-Studie: Neue Automobil-Technologien stoßen auf viel Zurückhaltung bei österreichischen Konsumenten.

Bekanntlich hegen Herr und Frau Österreicher Traditionen und Bräuche mehr als die Bewohner anderer Länder. Sie stellen sich nur ungern auf Neues ein und empfinden Änderungen als Risiko, das es zu vermeiden gilt, wo doch das Altbekannte immer so wunderbar funktioniert hat. Die Global Automotive Consumer Study von Deloitte zeigt, dass diese Vorurteile manchmal durchaus der Realität entsprechen – zumindest wenn es um neue Automobiltechnologien geht, die von vielen Österreichern anhaltend kritisch gesehen werden.

Konsumenten sind skeptisch

Das Beratungsunternehmen hat für seine Untersuchung mehr als 35.000 Personen in 20 Ländern befragt, darunter 1.279 Personen in Österreich. Die Umfrageergebnisse machen deutlich: Die Akzeptanz gegenüber neuen Technologien im Automobilbereich fällt hierzulande immer noch niedrig aus. „Die Elektromobilität ist mittlerweile salonfähig geworden und verbreitet sich immer mehr”, so Matthias Kunsch, Partner bei Deloitte Österreich. „Dennoch kann die Automobilbranche noch nicht aufatmen. Gerade entwicklungsintensive Technologien wie autonomes Fahren stoßen bei den heimischen Konsumenten auf viel Skepsis.”

Akzeptanz sehr niedrig

Die Studie zeigt: Vor allem selbstfahrende Autos finden auf breiter Ebene wenig Akzeptanz. Nach wie vor halten 42% der befragten Österreicher autonomes Fahren für nicht sicher. Bei 45% der heimischen Konsumenten könnte auch eine behördliche Zertifizierung nichts an deren Unsicherheitsgefühl ändern.

„Erschwerend kommt hinzu, dass beim Thema autonomes Fahren das Vertrauen zu traditionellen Autoherstellern in Österreich mit 26% sehr niedrig ist; Tech-Unternehmen oder neue, spezialisierte Firmen positionieren sich hier deutlich glaubwürdiger”, ergänzt Deloitte-Experte Kunsch.
Im Europavergleich herrscht in Belgien am wenigsten Akzeptanz gegenüber autonomem Fahren: 50% der belgischen Befragten glauben nicht an die Sicherheit dieser Technologie; in Italien ist die Skepsis mit 25% am geringsten.

Sorge um Sicherheit

Auch hinsichtlich vernetzter Fahrzeuge sind die Meinungen der europäischen Konsumenten gespalten, die Stimmung hat sich im Vergleich zur gleichen Umfrage im Vorjahr nur geringfügig verbessert. Während Italien den Connected Vehicles gegenüber vorrangig positiv gestimmt ist, sind hierzulande die Vorbehalte weiterhin am größten. Nur 33% der österreichischen Befragten glauben, dass eine bessere Vernetzung der Fahrzeuge echte Vorteile für die Autofahrer bringen würde.

„Daten gelten als der neue Treibstoff der Automobilindus­trie. Für den Erfolg vernetzter Autos spielt aber das Vertrauen in das Datenmanagement eine essenzielle Rolle. 62 Prozent der Österreicher zeigen sich hinsichtlich der Sicherheit ihrer biometrischen Daten besorgt. Zum Vergleich: In Italien sind nur 36 Prozent beunruhigt”, analysiert Kunsch.

Mehrkosten sind Thema

Neben anhaltenden Sicherheitsbedenken ist die mangelnde Zahlungsbereitschaft hierzulande eine weitere Hürde für die Etablierung neuer Technologien. Weder im Bereich Sicherheit noch beim Thema Infotainment wollen die österreichischen Konsumenten mehr als 400 € extra ausgeben. Am ehesten zeigt sich die Zahlungsbereitschaft im Bereich alternative Antriebslösungen – hier könnten sich immerhin 47% vorstellen, etwas über 400 € auszugeben.

Eine spürbare Kaufpreiserhöhung im Gegenzug für neue Technologien ist für die meisten Österreicher keine Option – selbst wenn damit eine Erhöhung der Verkehrssicherheit einhergehen würde. Die würde es allerdings brauchen, sind die Hersteller doch bei der Erforschung, Erprobung und Produktion neuer Technologien mit enormen Entwicklungskosten konfrontiert.
„Es braucht gezielte Information und vertrauensbildende Kommunikation der Vorteile hinsichtlich Komfort, Infotainment und Sicherheit. Gleichzeitig muss es zur Effizienzsteigerung bei der Herstellung kommen. So kann den aktuellen Herausforderungen begegnet werden”, empfiehlt Matthias Kunsch abschließend. (red)

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