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Daimler Truck fährt Doppelstrategie © Daimler Truck
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Jürgen Zacharias 18.02.2022

Daimler Truck fährt Doppelstrategie

Batterie oder Wasserstoff? Daimler Truck setzt auf beides. Der deutsche Lkw-Hersteller will damit „optimale Transportlösungen für alle Anwendungsfälle“ schaffen.

STUTTGART. Was ist der Antrieb der CO2-neutralen Zukunft? Keine Frage beschäftigt aktuell sowohl die Lkw-Branche, den Energiesektor als auch die Politik wie diese. Daimler Truck hat für sich die strategischen Weichen eindeutig gestellt und verfolgt bei der Elektrifzierung seines Portfolios eine Doppelstrategie mit Batterie und wasserstoffbasierten Antrieben.

Ausschlaggebend dafür seien laut dem deutschen Lkw-Hersteller die vielen unterschiedlichen Anwendungsfälle und Aufgaben von Lkw. Für flexible und anspruchsvolle Einsätze vor allem im wichtigen Segment des schweren Fernverkehrs seien wasserstoffbasierte Antriebe die bessere Lösung; beim Fokus auf regional begrenztere Einsätze und den Zustellverkehr in urbanen Gebieten könnten hingegen elektrifizierte Lkw ihre Stärken ausspielen.

„Es wird immer wieder Diskussionen geben, die sich nur mit einzelnen Teilaspekten unterschiedlicher alternativer Antriebsformen befassen wie beispielsweise der Energieeffizienz“, sagt Andreas Gorbach, Mitglied des Vorstands der Daimler Truck AG und Leiter Truck Technology. „Diese ist in der Tat beim batterie-elektrischen gegenüber dem wasserstoffbasierten Antrieb höher, jedoch wird dabei der Blick auf das große Ganze vergessen. Maßgeblich für eine erfolgreiche Umstellung auf Zero-Emission-Technologien ist neben der Effizienz vor allem auch die Verfügbarkeit einer entsprechenden Infrastruktur sowie die Verfügbarkeit von ausreichend grüner Energie. Wir sind der Überzeugung, dass eine zügige und kostenoptimierte Abdeckung dieses Energiebedarfs nur mit beiden Technologien möglich ist.“ Gorbach weiter: „Wir haben die Ambition, bis zum Jahr 2039 in unseren globalen Kernmärkten nur noch Neufahrzeuge anzubieten, die im Fahrbetrieb CO2-neutral sind. So werden wir unseren Kunden für jede Transportaufgabe eine maßgeschneiderte Zero-Emission-Lösung anbieten und beide Technologien erfolgreich auf die Straße bringen.“

Mit Linde entwickelt Daimler Truck seit einiger Zeit die nächste Generation einer Flüssigwasserstoff-Betankungstechnologie für Brennstoffzellen-Lkw. Mit ihrer Zusammenarbeit wollen die Partner das Tanken von Wasserstoff so einfach und praktikabel wie möglich machen. Im Bereich der Infrastruktur für Wasserstoff-Tankstellen entlang wichtiger Transportachsen in Europa plant Daimler Truck, mit den Unternehmen Shell, BP und TotalEnergies zusammenzuarbeiten. Zudem wollen Daimler Truck, Iveco, Linde, OMV, Shell, TotalEnergies und die Volvo Group im Rahmen ihrer Interessensgemeinschaft H2Accelerate (H2A) gemeinsam Wasserstoff-Lkw europaweit zum Durchbruch verhelfen. Gemeinsam mit der Volvo Group setzt Daimler Truck zudem auf die wasserstoffbasierte Brennstoffzelle. Beide Unternehmen haben 2021 das Joint Venture cellcentric gegründet. Ziel von cellcentric ist, einer der weltweit führenden Hersteller von Brennstoffzellensystemen zu werden. Dafür plant das Unternehmen, ab 2025 eine der größten Serienproduktionen in Europa aufzubauen.

Bereits seit 2018 beziehungsweise 2021 rollen die batterie-elektrischen Fahrzeuge Mercedes-Benz eCitaro und Mercedes-Benz eActros in Serienproduktion vom Band. Der Mercedes-Benz eEconic, der FUSO eCanter und der Freightliner eCascadia folgen noch in diesem Jahr 2022, und weitere Fahrzeuge sind in der Pipeline. Auf der Wasserstoffseite ist der Brennstoffzellen-Prototyp Mercedes-Benz GenH2 Truck seit letztem Jahr intensiv im Testbetrieb – sowohl auf der hauseigenen Teststrecke als auch auf öffentlichen Straßen. Entwicklungsziel ist eine Reichweite von bis zu 1.000 km und mehr für das Serienfahrzeug, dessen Produktionsstart für das Jahr 2027 geplant ist. (jz)

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