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„Der Standort Wien wird massiv aufgewertet” © Apollo Vredestein
© Apollo Vredestein

Redaktion 08.04.2022

„Der Standort Wien wird massiv aufgewertet”

Apollo Vredestein Austria-Geschäftsführer Harald Kilzer über den neuen „Central Europe Cluster”.

••• Von Oliver Jonke und Jürgen Zacharias

WIEN. Seit Kurzem ist Harald Kilzer neuer Cluster Director „South East” bei Apollo Vredestein. Wir haben mit dem Manager über seinen neuen Aufgabenbereich, den Standort Wien und die Bedeutung des Onlinebereichs für den Reifenhandel gesprochen.

medianet: Herr Kilzer, Apollo Vredestein hat sich in den vergangenen Jahren hierzulande gut entwickelt; nun gab es den nächsten Wachstumsschritt.
Harald Kilzer: Stimmt. Der Standort Wien hat mit 1. April eine Aufwertung erfahren, weil wir unsere internationalen Cluster neu strukturiert haben. Österreich war ja bislang gemeinsam mit der Schweiz und Ungarn inklusive Slowenien, Kroatien, Tschechien und der Slowakei im sogenannten ‚Central ­Europe Cluster' . Anstatt sich künftig mit Deutschland in ein D-A-CH-Cluster zu orientieren, entschied man sich, den Standort Wien als neue Cluster-Zentrale für Südosteuropa zu installieren. Der neue Cluster beinhaltet nun neben Österreich die Länder Ungarn, Kroatien, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Rumänien.

medianet:
Österreich ist also nun selbst Kopf eines Clusters geworden?
Kilzer: Wien ist eben auch bei Apollo Vredestein anders (lacht). Die neue Struktur der europäischen Cluster hat ergeben, dass die Schweiz zusammen mit Dänemark und Deutschland das neue ‚Central Europe Cluster' bildet, und wir von Österreich aus die Verantwortung für die südöstlichen Länder in Europa tragen werden. Wien ist somit die neue Cluster-Zentrale für Südosteuropa im ‚Cluster South East', was den Standort natürlich massiv aufwertet. Dazu kommt, dass in unserem Verantwortungsgebiet gerade ein neues Central Warehouse für ganz Europa errichtet wird, was unseren Kunden einen großartigen Mehrwert bietet, und für uns natürlich alleine schon aus geografischen Gründen eine tolle Sache ist.

medianet:
Wann ist mit der Eröffnung des Zentrallagers zu rechnen?
Kilzer: Läuft alles glatt, wird es noch im Spätsommer in Betrieb gehen. Ab dann sollen dort alle Pkw-Reifen von Apollo Vredestein für den europäischen Markt zwischengelagert und weiterverteilt werden. Die Lkw-Reifen werden wie bisher in Ungarn produziert und direkt von dort ausgeliefert.

medianet:
Wie wirkt sich der neue ‚Cluster South East' auf die personelle Struktur von Apollo Vredestein in den genannten Ländern aus?
Kilzer: Wir haben neben Wien auch in Budapest eine Niederlassung im Cluster und nun insgesamt 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei war mir wichtig, dass wir alle ‚Clusterheads' hier in Wien haben. Wir besetzen gerade die neu geschaffenen Positionen des Cluster Finance Managers und eine zentrale Marketing-Position. Roland Petz, vorher seit vielen Jahren Office Manager und Prokurist in Wien, wird Cluster Customer Care Manager, Martin Korn wurde neuer Country Sales Manager, der für den Verkauf aller Produktgruppen im gesamten Gebiet außer Tschechien, der Slowakei und Ungarn zuständig ist. Dazu kommt noch Bernhard Schmolz, der den Regional Sales Manager für OHT-Reifen (Anm.: Off Highway Tyres/Landwirtschaft & Industrie) besetzt und diesen Bereich verantwortet. Er ist neben dem ‚Cluster South East' nun auch für den ‚Cluster Central' mit Dänemark, Deutschland und der Schweiz zuständig.

medianet:
Die Bündelung der Kräfte in Wien sorgt für kurze Entscheidungswege?
Kilzer: Definitiv, aber eine derartige Struktur ist für große Konzerne heute nicht selbstverständlich. Wir sind daher schon ein wenig stolz darauf, dass uns das so gelungen ist. Eine gute Sache ist auch die neue Matrix­organisation, die wir uns verpasst haben und die viele Vorteile mit sich bringt. Meine Homebase bleibt Wien, und ich darf weiter ein großartiges Management-Team verantworten, das zusätzlich jeweils einen fachlichen Vorgesetzten auf internationaler Ebene hat, was die Lösung vieler Probleme wesentlich erleichtert.

medianet:
Kommen wir zu einem anderen Thema: Seit zwei Jahren beschäftigen uns die Folgen der Coronapandemie, im vergangenen Jahr brachte der festgesteckte Frachter ‚Ever Given' im Suezkanal die globalen Lieferketten durcheinander, und nun sorgt der Krieg in der Ukraine für steigende Preise und knappe Rohstoffe. Haben diese Krisen Einfluss auf das Geschäft von Apollo Vredestein und wie schwer ist es, damit umzugehen?
Kilzer: Die Auswirkungen sind natürlich da, und ja, momentan fließen sicher 50 Prozent meiner Zeit in Diskussionen zu diesen Themen, in Neu- und Umplanungen. Das ist nicht immer einfach, und was heute gilt, kann morgen schon anders sein. Wie sich die aktuellen Entwicklungen auf unsere Liefersituation und die Verfügbarkeit von Reifen auswirken wird, ist jetzt noch nicht im Detail abschätzbar. Es wird aber definitiv zu einem Engpass kommen, und daher appellieren wir auch jetzt schon an alle unsere Kunden, möglichst früh und möglichst detailliert bekannt zu geben, welche Ware sie in den kommenden Monaten benötigen. Nur wenn uns diese Zusammenarbeit gemeinsam gelingt, können wir bestmöglich liefern.

medianet:
Es könnte also sein, dass die Nachfrage bald das Angebot übersteigt?
Kilzer: Dass ist jedenfalls für den nächsten Winter nicht auszuschließen. Natürlich setzen wir aktuell alle Hebel in Bewegung, um ausreichend Reifen auf den Markt zu bringen. Aber die Verfügbarkeit dieser Produkte ist ja nicht das einzige Problem. Es gibt nach wie vor große Probleme in der globalen Logistik, viele benötigte Rohstoffe werden gerade teurer, die Energiepreise steigen und bei all diesen Entwicklungen sind wir noch lange nicht am Zenit.

medianet:
Könnte von dieser Entwicklung der Online-Handel profitieren?
Kilzer: Bei Reifen ist das Thema Sicherheit wichtiger als bei anderen Produkten; nur der Fachhandel gewährleistet eine hochwertige Bedarfserhebung und Beratung. Deshalb stagniert der Online-Reifenhandel auch seit zehn Jahren bei hierzulande rund zehn Prozent Marktanteil. Ich glaube nicht, dass sich das signifikant ändern wird, aber einen klaren Vorteil werden die Reifenfachhändler haben, die mit den richtigen Lieferanten zusammenarbeiten und sich mehr und konkretere Gedanken zum Thema Bevorratung machen.

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