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„Elektro-only-Ansatz ist zu wenig“ © Panthermedia/welcomia

Aktuell werden nur 1,3 Prozent aller in Österreich zum Verkehr zugelassenen Pkw mit Strom angetrieben.

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Aktuell werden nur 1,3 Prozent aller in Österreich zum Verkehr zugelassenen Pkw mit Strom angetrieben.

Jürgen Zacharias 19.11.2021

„Elektro-only-Ansatz ist zu wenig“

ÖAMTC-Kritik: Durch fehlende Technologieoffenheit verspielt Österreich Millionen Tonnen an CO2 Einsparungspotenzial.

WIEN. Derzeit sind in Österreich etwa fünf Mio. Pkw zugelassen. Rund 1,3 Prozent davon, also 68.000, sind Elektroautos. Zur Erreichung der Klimaziele müsste diese Zahl bis 2030 auf rund 2,5 Mio. steigen, wie der ÖAMTC vorrechnet. In der Realität werden 2030 aber voraussichtlich nicht einmal eine Mio. Autos mit Elektro-Antrieb auf Österreichs Straßen unterwegs sein, so der Autofahrerclub weiter – eine Schätzung, die auch durch Analysen der EU-Kommission bestätigt wird.

„Die Klimaziele in der knappen Zeit ausschließlich mit dem Umstieg auf Elektromobilität zu erreichen, ist daher unmöglich“, resümiert Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung, den Ansatz von Ministerin Leonore Gewessler. „Als einzige Möglichkeit bleibt der Regierung dann nur noch, massiv die Spritpreise zu erhöhen
– so lange, bis ein Drittel der Autofahrer auf das eigene Fahrzeug verzichten muss.“ Ein adäquater Ersatz durch öffentliche Verkehrsmittel stehe laut ÖAMTC aber weder im benötigten Ausmaß zur Verfügung, noch sei er finanzierbar.

Sollen die Klimaziele im Verkehrsbereich tatsächlich erreicht werden, kommt man nicht umhin, auch das Potenzial nachhaltig erzeugter Kraftstoffe zu nutzen, so der ÖAMTC weiter. Mit diesen Kraftstoffen, egal ob auf biogener oder synthetischer Basis – sogenannten E-Fuels – lassen sich auch herkömmliche Benzin- und Diesel-Autos klimaneutral betreiben. Wiesinger: „Nur wenn wir über nachhaltige Kraftstoffe auch in der Bestandsflotte mit sofortiger Wirkung effektiv CO2 einsparen, haben wir eine Chance, die Pariser Klimaziele einzuhalten. Leider geht man im Verkehrsministerium derzeit genau in die falsche Richtung.“ So sei im Entwurf zur Kraftstoff-Verordnung weder die flächendeckende Einführung einer zehnprozentigen Ethanol-Beimengungsquote für Benzin (E10) vorgesehen, noch will man den Verkauf von Diesel ohne jede nachhaltige Beimengung (B0) stoppen. „Selbst das deutsche Umweltbundesamt, bislang ebenfalls strikt gegen eine CO2-Reduktion mit nachhaltigen Kraftstoffen, erlaubt mittlerweile deren Einsatz, damit öffentliche Nahverkehrsbetreiber den herausfordernden Umstieg auf nachhaltige Antriebe schaffen können“, sagt Wiesinger.

Der Club ortet aber auch bei der Elektromobilität noch viele Stolpersteine, die die Regierung aus dem Weg räumen muss, um den Umstieg auf diese Antriebsart zu beschleunigen. Und das betreffe nicht nur den schleppenden Ausbau des Ladenetzes. Wiesinger: „Wir brauchen dringend transparente Preise an öffentlichen Ladesäulen mittels Kilowatt-Stunden-Abrechnung. Das derzeit überwiegend angebotene Laden über Zeit-Tarife ist für Elektromobilisten häufig ein Lotteriespiel.“ Auch die hohen Ladetarife, falls man einmal nicht an der Säule des eigenen Stromanbieters lädt, sind laut Mobilitätsclub Bremsklötze für die Verbreitung der E-Mobilität. „Angesichts des Wildwuchses an Zuschlägen kommen wir um eine Roaming-Regulierung – ähnlich wie bei der Preis-Deckelung für Mobiltelefonate im Ausland – nicht herum“, sagt Wiesinger. „Zudem ist es derzeit nicht möglich, dass sich Firmenwagen-Nutzeren das Laden im eigenen Haushalt von ihrem Arbeitgeber steuerfrei rückvergüten lassen können. Auch die Novelle zum Wohnungs-Eigentums-Gesetz, die es den Nutzern von Mehrparteien-Garagen erleichtern soll, Lade-Möglichkeiten zu errichten, steckt im Koalitions-Getriebe fest. Um einen leistbaren und sauberen Individualverkehr sicherzustellen, braucht es Technologieoffenheit und viele Einzelmaßnahmen. Sonst bleiben die Klimaziele Ankündigungspolitik“, stellt Wiesinger abschließend fest. (jz)

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