AUTOMOTIVE BUSINESS
EU: Coronakrise trifft Automobilbranche hart © Jeff Pachoud
© Jeff Pachoud

Redaktion 26.11.2020

EU: Coronakrise trifft Automobilbranche hart

Starke Rückgänge bei den Neuzulassungen – deutliche Zuwächse bei Elektroautos als Hoffnungsschimmer.

WIEN. Nach einem kleinen Plus im September hat der EU-Neuwagenmarkt im Oktober wieder den Rückwärtsgang eingelegt: Die Pkw-Neuzulassungen sanken um acht Prozent, im bisherigen Jahresverlauf gingen sie damit um 27% zurück. Angesichts der in vielen Ländern neuerlich verhängten und verschärften Corona-Einschränkungen dürfte der Rückgang bis Jahresende wohl noch deutlicher werden.

Branche droht harter Winter
„Noch im September schien es,als könne sich die Situation auf
dem europäischen Neuwagenmarkt wieder normalisieren“,
stellt Gerhard Schwartz, Leiter Industrial Products bei EY Österreich, fest. „Im Oktober ging die Entwicklung hingegen fast
überall wieder nach unten. Steigende Infektionszahlen, erste Einschränkungen in vielen Ländern und eine wieder zunehmende Verunsicherung bei den Verbrauchern trugen zu diesem enttäuschenden Ergebnis bei.“

Die Autobranche müsse sich daher auf mehrere schwierige
Monate einstellen, so Schwartz – daran änderten auch die positiven Meldungen zum Impfstoff nichts. „Die Perspektive, dass wirksame Impfstoffe schon im kommenden Frühjahr verfügbar sein könnten, ist ein Lichtblick am Ende des Tunnels – bis zu einer echten Normalisierung der Situation werden aber noch etliche Monate vergehen. Sicher ist, dass sich die Autobranche auf einen ganz harten Winter einstellen muss, bevor es ab dem kommenden Frühjahr wieder aufwärtsgehen kann“, prognostiziert Schwartz.

Österreich im Durchschnitt
Der Negativtrend war fast flächendeckend – alle großen
Märkte verzeichneten ein Minus. Besonders kräftig war der Rückgang in Spanien, Portugal und einigen osteuropäischen
Märkten, wo jeweils prozentual zweistellige Einbußen gemeldet
wurden. Von den größeren Absatzmärkten konnte nur Italien ein Ergebnis fast auf Vorjahresniveau vermelden – dort sorgt
eine Abwrackprämie für eine relativ hohe Nachfrage.

In Österreich ging der Absatz
im Oktober um drei Prozent zurück und damit weniger stark
als im EU-Durchschnitt. Im bisherigen Jahresverlauf liegt der
österreichische Neuwagenmarkt aber immerhin um 28% unter
dem Vorjahr.

Zuwächse bei Elektroautos
Während der Gesamtmarkt den Vorjahreswerten hinterherhinkt, gibt es bei Elektrofahrzeugen weiter starke Zuwächse. „Die Nachfrage nach elektrifizierten Neuwagen ist in den vergangenen Monaten geradezu explodiert“, so Schwartz.
Im Oktober hatte jeder neunte Neuwagen in den größten fünf
Märkten in Europa (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) einen elektrifizierten Antrieb, der Marktanteil betrug 11,5 Prozent – nach 10,6 Prozent im September und 3,2 Prozent im Oktober 2019. In
Österreich lag der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen im Oktober bei 10,8 Prozent.

Die Entwicklung könnte in
den kommenden Jahren weiter beschleunigt werden, will
die EU-Kommission Ende 2021 doch neue ehrgeizige Schadstoff-Grenzwerte in einer Euro-7-Norm für Autos und Vans vorschlagen. Sie sollen 2025 in Kraft treten. Noch sei aber keine Entscheidung über Rahmen, Umfang, Grenzwerte oder Fristen gefallen. (red)

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